In vielen Hochschulstädten ist der Wohnungsmarkt umkämpft. Tipps, wie Studenten trotzdem eine Bleibe finden und sich vom Vermieter nicht über den Tisch ziehen lassen.

Wo wird es eng?

Immer wenn das Wintersemester naht, stellt der Hausmeister in der Heidelberger Studentensiedlung "Im Neuenheimer Feld" die Klappbetten auf. Ab September werden aus den Gemeinschaftsräumen Notquartiere für Studienanfänger. Vier bis fünf junge Leute schlafen dann in einem Zimmer, zum Duschen geht’s nach nebenan ins Sportinstitut. Acht Euro kostet die erste Nacht, vier jede weitere. Etwa 40 Studenten pro Jahr nutzen das Angebot. Haben alle ein Zimmer gefunden, werden die Klappbetten wieder abgebaut. Vergangenes Jahr war es im Dezember so weit.

Achim Meyer auf der Heyde, der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, schätzt, dass es in Heidelberg und anderen Hochschulstädten in den kommenden Jahren noch enger wird. Denn wegen der doppelten Abiturjahrgänge und des Wegfalls der Wehrpflicht strömen mehr Studienanfänger in die Uni-Städte als in vergangenen Jahren. Schwierig werde es dort, wo die Lage von jeher angespannt sei, also an den Standorten von Traditionsuniversitäten wie Heidelberg, Freiburg, Marburg und Tübingen sowie in großen Städten wie München, Hamburg und Köln.

Ein Sonderfall ist Berlin, dort sieht es auf dem Wohnungsmarkt besser aus. Weil mehr und mehr Studiengänge nur zum Wintersemester beginnen, wird es im Herbst bei den Wohnungsbesichtigungen voller als vor dem Sommersemester. In einigen Regionen Ostdeutschlands sei die Situation aber deutlich entspannter, sagt Meyer auf der Heyde. Wer flexibel ist, kann sich also gezielt dort bewerben. Während der Wohnungsmarkt etwa in Greifswald und Jena relativ angespannt sei, sehe es in Dresden, Leipzig oder Erfurt sehr gut aus.

Wie komme ich ins Wohnheim?

Die erste Anlaufstelle ist immer das Studentenwerk vor Ort: Die Anträge findet man online, meist wird nach dem Bewerbungszeitpunkt, der Wartezeit und dem gewünschtem Einzugsdatum entschieden. Beim Studentenwerk Frankfurt am Main können Bewerber Wünsche angeben, in welchem Wohnheim sie einziehen möchten. Je offener sie die Bewerbung halten, desto höher sind ihre Chancen. Hat man erst mal einen Platz, kann man später einen Wechsel beantragen.

Neben den Wohnheimen des Studentenwerks gibt es private Häuser; meist stehen dahinter kirchliche Träger oder Studentenverbindungen. Bei ihnen bewirbt man sich direkt, und es gibt – je nach Träger – unterschiedliche Auswahlkriterien: Das Fürstin-von-Gallitzin-Wohnheim in Münster zum Beispiel nimmt ausschließlich Frauen auf. Neben einem Motivationsschreiben brauchen die Studentinnen, die dort wohnen wollen, eine Empfehlung, etwa von einem Lehrer oder einem Priester. Wer im Evangelischen Stift in Tübingen wohnt, muss Theologie studieren, und ins Verbindungshaus der Kölner Turnerschaft Merovingia-Zittavia darf nur einziehen, wer Mitglied dieser Studentenverbindung ist und Fechten lernt.

Der ZEIT Studienführer 2011 © ZEIT Studienführer

Es gibt rund 225 000 öffentlich geförderte Wohnheimplätze in Deutschland – aber weit mehr Bewerber. "Von unseren 1800 Plätzen werden jedes Jahr 300 bis 400 frei. Im vergangenen Wintersemester kamen etwa 13000 Studienanfänger nach Frankfurt – da sind die Wartelisten lang", sagt Katrin Wenzel vom Studentenwerk Frankfurt. Die 48 neuen Schlafplätze, die es ab Juni in einem ehemaligen Polizeirevier gibt, versprechen wenig Besserung. "Ich kann nur jedem raten, sich früh um einen Wohnheimplatz zu kümmern", sagt Wenzel. Viele Studentenwerke haben offene Wartelisten, auf die man sich schon setzen lassen kann, bevor man einen Studienplatz hat. Das geht oft schon ein halbes Jahr vor dem gewünschten Einzugstermin. Kommt jedoch die Zusage für ein Zimmer, muss man den Zulassungsbescheid vorlegen, sonst verfällt nicht nur das Zimmer, sondern auch der Listenplatz, und man muss sich erneut bewerben.