StudierenBachelor – und dann?

Weiterstudieren, Arbeit suchen oder erst mal ins Ausland: Wenn der Abschluss gemacht ist, steht einem vieles offen. Welche Möglichkeiten gibt es, und was ist zu beachten? von Maren Söhring

Das Studium startet, bis auf ein paar Ausnahmen, mit dem Bachelor. Aber wie geht es weiter, wenn man den ersten Abschluss in der Tasche hat? Das ist nicht von vornherein festgelegt. Aus den Bausteinen Bachelor, Master und Berufserfahrung kann sich jeder seine eigene Bildungs- und Berufsbiografie zusammenbauen. Sie lassen sich in zahlreichen Varianten kombinieren.

Manche Absolventen starten nach dem Bachelor sofort in den Beruf und kehren nicht wieder an die Hochschule zurück. Andere machen nach ein paar Jahren im Job ihren Masterabschluss– als Vollzeitstudenten oder parallel zur Arbeit. Und wieder andere schließen an den Bachelor direkt ein Masterstudium an.

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Derzeit sind das rund 70 Prozent der Uni-Absolventen und etwa die Hälfte der Fachhochschulabsolventen. Auch sie haben die Wahl: zwischen einem Master, der inhaltlich auf ihrem Bachelorstudiengang aufbaut, und einem, der ihnen ein ganz neues Thema erschließt. Im Folgenden stellen wir die einzelnen Bildungsbausteine vor und zeigen mögliche Kombinationen.

Der Bachelor

Das Bachelorstudium vermittelt die wichtigsten Grundlagen und Arbeitsweisen im gewählten Studiengebiet. Die Auswahl ist groß: Die staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland bieten rund 16.000 verschiedene Studiengänge an, darunter knapp 7.300 Bachelorprogramme.

Beim sogenannten Ein-Fach-Bachelor konzentriert man sich schwerpunktmäßig auf ein Studiengebiet. Beim Zwei-Fach-Bachelor kombiniert man zwei gleichberechtigte Fächer oder ein Haupt- und ein Nebenfach.

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Der Bachelor läuft meist über sechs, manchmal auch über sieben oder acht Semester. Immer mehr Studienprogramme enthalten ein "Mobilitätsfenster", das heißt, sie sehen Zeit für Auslandsaufenthalte oder Praktika vor. In manchen Studiengängen sind diese sogar fester Bestandteil. Bei den sogenannten Bachelor-Plus-Programmen (bit.ly/zs13bachelorplus) verbringen Studenten ein ganzes Jahr im Ausland. Ihre Leistungen werden an der Heimathochschule anerkannt.

Zukünftige Ärzte und diejenigen, die später einen klassischen juristischen Beruf als Rechtsanwalt, Staatsanwalt oder Richter ergreifen wollen, machen keinen Bachelorabschluss, sondern ein Staatsexamen. Lehramt studiert man – je nach Bundesland – entweder auf Staatsexamen oder im Bachelor-Master-Modell (zur Lehrerausbildung siehe Seite 117).

Master oder Stelle?

Nach dem Bachelorabschluss stellt sich die Frage: Weiterstudieren oder erst mal arbeiten? Für manche Positionen erwarten die Arbeitgeber einen Masterabschluss. Das gilt zum Beispiel für wissenschaftliche Mitarbeiterstellen an Universitäten und häufig, aber nicht immer, für Arbeitsplätze in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Unternehmen. Viele Stellen stehen aber auch Bachelors prinzipiell offen. Laut einer Studie des Staufenbiel-Instituts steigt die Akzeptanz des Bachelorabschlusses bei Unternehmen seit Jahren und liegt zurzeit bei 85 Prozent. Nur selten werden in Stellenausschreibungen explizit Bewerber mit einem der beiden Abschlüsse verlangt.

Tendenziell gilt: Je größer das Unternehmen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass dort Bachelorabsolventen eingestellt werden. In größeren Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern sind inzwischen bis zu zwei Drittel aller Neueinstellungen Bachelors. Bereits 2004 schlossen sich 36 Arbeitgeber, darunter viele Dax-Unternehmen, zu einer "Bachelor Welcome"-Initiative zusammen, und im Oktober 2012 haben 62 Unternehmen die Folgeerklärung "Bologna@Germany2012" unterzeichnet. Viele Unternehmen zahlen Masterabsolventen ein etwas höheres Einstiegsgehalt und honorieren so den zusätzlichen Wissenserwerb. Doch da Bachelors früher in den Beruf starten, steht bei ihnen auch früher die erste Gehaltserhöhung an.

Leserkommentare
  1. Wichtig ist nämlich, wie man selbst arbeiten will: unternehmerisch, selbständig, freiberuflich, verbeamtet oder abhängig beschäftigt. Nur im letzten Fall macht man sich dann Gedanken um ein Unternehmen, aber auch erst, wenn man zuvor entschieden hat, nach welcher Stufe des Studiums man eine Berufstätigkeit beginnen möchte, oder es sich leisten kann.

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  2. Der deutsche Bachelor-Abschluss ist auch im angelsächischen Ausland nichts wert. Denn nach deren Maßstäben fehlt der "Associate Degree", d. h. die zwei Jahre College mit Abschluss als Voraussetzung für die Aufnahme in den Bachelor-Studiengang.Das deutsche Abitur wird vielleicht höflich bewundert, aber niemals als Hochschulzugang akzeptiert. Man kann dort allenfalls mit dem deutschen Master-Abschluss punkten, muss aber i. d. R. auch danach noch diverse Zusatzqualifikationen draufsetzen. Also hüten wir uns vor der deutschen Bildungs-Arroganz. Wenn wir für unsere Kinder globale Mobilität und Unabhängikeit vom schlecht bezahlten deutschen Arbeitsmarkt wollen, sorgen wir besser für international anerkannte Abschlüsse und lassen uns nicht blenden.

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    "Der deutsche Bachelor-Abschluss ist auch im angelsächischen Ausland nichts wert. Denn nach deren Maßstäben fehlt der "Associate Degree", d. h. die zwei Jahre College mit Abschluss als Voraussetzung für die Aufnahme in den Bachelor-Studiengang."

    War das eigentlich zu Diplom-Zeiten anders? Den "Associate Degree" hatten die Deutschen ja damals trotzdem nicht.

    Ich empfinde es schon als Skandal, dass eines der Hauptziele der Bologna-Reform, nämlich die internationale Vergleichbarkeit, nicht erreicht wurde.
    Im Gegenteil, man scheint sich von diesem Ziel sogar noch weiter entfernt zu haben.
    Ich frage mich, warum sich darüber kaum einer aufregt.

  3. Zitat: "(zum Thema Auslandsstudium siehe auch den Artikel auf Seite 122".

    Nur leider habe ich diese Seite nicht gefunden...

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    • sozio
    • 20. Juli 2013 9:27 Uhr

    Wenn der Bachelor in der Tasche ist: zunächst einmal das ganze Wissen auskotzen.

    Denn Credits "kann man getrost nach Hause tragen".

  4. Ich kann nur eines raten: Gehen Sie nicht ins Ausland. Dann nämlich nimmt man dies hier dankbar auf, denn Sie machen ja Platz fȕr andere. In der Bewerbung werden Sie nicht mehr berȕcksichtigt und die so hoch gepriesene Auslandsqualifikation zählt gar nichts, wenn der Kanditat schon vor der Bewerbung feststand. Ich spreche aus Erfahrung.

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    Haben Sie Belege für Ihre Behauptungen oder nur selbst ein paar negative Erfahren gemacht?

  5. aus welchem Buch / Magazin oder Beilage dieser Artikel stammt. Aus dem ZEIT-Studienführer mit den Hochschulbewertungen?

    via ZEIT ONLINE plus App

  6. Leider sieht die Realität ganz anders aus. Insbesondere ein Fachwechsel zwischen BA und MA ist faktisch unmöglich, es sei denn, man kann sich einen guten Anwalt leisten und nimmt einen Prozess durch 2 Instanzen in Kauf.

    Die meisten Hochschulen und Fakultäten betreiben beim Zugang zum Master leider vielfach offenen Verfassungsbruch. Eignungsprüfungen und Motivationsschreiben sind schlicht und einfach ein Schutz für die Bewerber der eigenen Unis, die solche Leistungen in der Regel nie vorlegen müssen. Außerdem wird über solche Instrumente versucht, die Zahl der Studierenden knapp zu halten, obwohl tatsächlich mehr Studienplätze zur Verfügung stehen.

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  7. Haben Sie Belege für Ihre Behauptungen oder nur selbst ein paar negative Erfahren gemacht?

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    Antwort auf "Auslandserfahrung"

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