BewerbenSo lief die Bewerbung bei mir

Studenten berichten. von 

"Ich war beim Auswahlgespräch"

Cagla Tan Günes, 20, studiert im vierten Semester BWL an der TU München

Für meinen Studienplatz musste ich ins Auswahlgespräch. Ich wusste aus einem Telefonat mit der Studienberatung, dass auch aktuelle Themen abgefragt werden. Deswegen habe ich zur Vorbereitung das Handelsblatt und die Wirtschaftswoche gelesen und mich mit meinen Freunden über Nachrichten aus Politik und Wirtschaft unterhalten. Beim Gespräch saßen wir zu fünft einem Professor, einer Mitarbeiterin und einer Studentin gegenüber. Wir sollten sagen, warum wir BWL an der TU München studieren wollen. Dann haben wir über die Griechenland-Krise diskutiert und über das Elektroauto "Mute", das an der TU entwickelt wird. Schließlich sollten wir überlegen, wie ein Unternehmen seinen Gewinn steigern könnte. 50 Minuten hat das gedauert. Wir wussten, dass wir die Ergebnisse bereits am Abend per Mail bekommen würden. Um mich abzulenken, bin ich nachmittags mit meinem kleinen Bruder ins Kino gegangen, und wir haben uns die Schlümpfe in 3D angeschaut. Als ich abends gegen neun Uhr meine Mails gecheckt habe, hatte ich schon die Gratulation vom Unipräsidenten im Postfach.

"Beim Losverfahren hatte ich Glück"

Johann Hempel, 21, studiert im zweiten Semester Medizin an der Universität Freiburg

Ich wollte schon immer Medizin studieren, doch ich wusste: Mit meinem Abi von 1,6 wird es sehr schwer, einen Platz zu bekommen. Deswegen habe ich mich an fast allen deutschen Unis beworben – zuerst zentral über die Onlineplattform hochschulstart.de, dann bei jeder Hochschule einzeln für das Losverfahren. Nur an ein, zwei Unis war das nicht möglich. Bei der regulären Vergaberunde hat es nicht geklappt. Ich organisierte mir daraufhin eine Ausbildung zum Rettungsassistenten. Ein paar Tage, bevor sie starten sollte, ich war gerade im Wald spazieren, rief mein Vater an. Ich war in Freiburg ausgelost worden! Ich hätte nie gedacht, dass es klappt, weil sich immer wahnsinnig viele Leute für diese Plätze bewerben. In diesem Moment ging ein Traum für mich in Erfüllung. Am Abend bin ich gleich zu meinen Eltern gefahren, um den Brief mit eigenen Augen zu sehen. Dann habe ich eine Zahnbürste, Boxershorts und einen Schlafsack eingepackt und bin am nächsten Morgen nach Freiburg gefahren. Gewohnt habe ich bei Freunden. Das Semester hatte schon angefangen, aber ich hatte noch gar nicht so viel verpasst.

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"Ich musste mich nur anmelden"

Paul Schreier, 22, studiert im sechsten Semester Maschinenbau an der TU Clausthal

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Ich habe den Eindruck, dass kaum ein Abiturient nach Clausthal im Harz will. Kein Wunder, es ist ja auch nichts los in der Stadt. Vermutlich haben die Fächer hier deswegen keinen NC. Dabei hat die Technische Universität einen guten Ruf: prima Betreuung, großer Zusammenhalt unter den Studenten und enger Kontakt zu Profs und Unternehmen. Für mich hat sich das alles sehr gut angehört, als ich auf der Suche nach einem Studienplatz war. Ich war ein unglaublich fauler Schüler und habe nur ein relativ schlechtes Abi. Doch ich wollte etwas Technisches studieren. Schon als Kind habe ich mich immer gefragt, warum tonnenschwere Schiffe schwimmen können. Weil ich im Anmeldezeitraum durch Neuseeland und Australien gereist bin, haben meine Eltern das Anmeldeformular und mein Zeugnis nach Clausthal geschickt. Als ich wieder in Deutschland war, bin ich zwei Wochen vor Semesterbeginn zur Einschreibung gefahren. Die Semestergebühren hatte ich schon überwiesen. Ich musste nur noch ein Formular unterschreiben und habe sofort einen vorläufigen Studentenausweis bekommen, das war’s.

"Bei mir zählte auch das Engagement"

Annika Knoll, 22, studiert im sechsten Semester Wirtschaftspsychologie in Lüneburg

Nach dem Abi habe ich erst mal ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Einrichtung für Heiltherapie gemacht, um mir klar zu werden, was ich will. Ich kam auf Psychologie, weil es mich interessiert, von welchen Reizen sich Menschen steuern lassen. Aber den NC im oberen Einserbereich hätte ich mit meinem Abi von 2,6 nie geschafft. Zufällig habe ich dann eine Freundin getroffen, die in Lüneburg Wirtschaftspsychologie studiert und sehr begeistert davon erzählte. Die Uni dort wählt nicht nur nach Noten aus, sondern rechnet auch Engagement an. Da kam mir mein FSJ zugute und ein Fremdsprachenwettbewerb, den ich mal gewonnen hatte. Daraufhin wurde ich zu einem Test eingeladen. Dafür bin ich zwei Monate vor Vorlesungsbeginn extra nach Lüneburg gefahren – von Coburg aus ist das ziemlich umständlich. Der Aufwand hat sich gelohnt: Der Test ist gut gelaufen, ich wurde genommen und bin jetzt sehr zufrieden mit meiner Wahl. Was ich später arbeiten möchte, weiß ich bisher noch nicht. Das sechste Semester steht uns für Praktika offen. Davon erhoffe ich mir, meinen weiteren Weg zu finden.

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Leserkommentare
  1. Was also hilft?

    1. Zeitung lesen (falls es ein Auswahlgespräch gibt, was nicht besonders verbreitet ist)

    2. Glück - das hilft immer.

    3. Studienorte, wo sonst niemand hin will.

    Die Interviewten haben aber auch alle nicht in diesem oder im letzten Jahr einen Studienplatz gesucht. In letzter Zeit hat sich an den Bedingungen vieles verändert. Und es drängeln die Doppeljahrgänge, sowie die nicht mehr Wehrpflichtigen.

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  • Quelle Zeit Studienführer
  • Schlagworte Bewerbung | Maschinenbau | Medizin | Test | Universität Freiburg | Lüneburg
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