Die wichtigsten Antworten

ZEIT Studienführer: Wie startet man nach dem Studium gut ins Berufsleben?

Alexander Kubis: Entscheidend sind die harten Fakten im Lebenslauf, vor allem die Abschlussnote und relevante Praktikumszeugnisse. Davon hängt ab, ob jemand zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird. Im Gespräch zählen dann aber auch weiche Faktoren: wie selbstbewusst man auftritt zum Beispiel, oder ob man ein Kommunikationstalent ist.

ZEIT Studienführer: Was ist mit Auslandsaufenthalten?

Kubis: Für die persönliche Entwicklung sind sie meist wichtiger als für den Start ins Berufsleben. Ein Auslandsaufenthalt ist selten entscheidend, um einen Job zu bekommen – es sei denn, man möchte eine Stelle, bei der Auslandserfahrung explizit erwünscht ist, zum Beispiel weil es um ein internationales Projekt geht.

ZEIT Studienführer: Kommen denn alle Absolventen gleich gut unter?

Kubis: Na ja, es gibt ein paar Grundsätze bei den Jobperspektiven. Als Masterabsolvent hat man es auf dem Arbeitsmarkt leichter als mit einem Bachelorabschluss. Und Ingenieure und Informatiker finden aktuell schneller und einfacher eine Stelle als Sprach- und Kulturwissenschaftler. Im Einzelfall kann das dennoch anders aussehen. Aber egal, was man studiert hat, in der Regel gilt: Ein Studium schützt vor Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote unter Akademikern liegt bei durchschnittlich 2,5 Prozent. Trotzdem bringt natürlich nicht jedes Studium später den gleichen Ertrag. Die Lohnunterschiede können beträchtlich sein – nicht nur zwischen den Fächergruppen, sondern auch bei Absolventen desselben Fachs.

ZEIT Studienführer: Wer verdient besonders gut?

Kubis: Ingenieure haben im Durchschnitt die höchsten Einstiegsgehälter, Sprach- und Kulturwissenschaftler die niedrigsten. Aber auch hier kann es im Einzelfall ganz anders aussehen. Nicht nur das Studienfach spielt beim Gehalt eine Rolle, es kommt auch auf andere Faktoren an, wie etwa die Branche und den Standort. In der Pharmaindustrie verdient man zum Beispiel mehr als in der Kreativwirtschaft, im Westen mehr als im Osten. Das kann auch schon mal einige Hundert Euro im Monat ausmachen.

ZEIT Studienführer: Geld allein macht nicht glücklich. Wovon hängt es ab, ob jemand mit seinem Job zufrieden ist?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2015/2016.

Kubis: Wichtig dafür ist, eine adäquate Beschäftigung zu finden – also einen Beruf, der inhaltlich zur akademischen Qualifikation passt. Damit tun sich die Absolventen mancher Fächer schwerer als andere. Bei den Sprach- und Kulturwissenschaftlern etwa ist jeder vierte Absolvent wenig oder gar nicht zufrieden mit seiner Beschäftigung, weil hier einschlägige Jobs, zum Beispiel bei Museen oder in Verlagen, besonders rar gesät sind. Aber auch Wirtschaftswissenschaftler finden nicht immer leicht eine Stelle, die ihren Erwartungen und ihrer Qualifikation entspricht.

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ZEIT Studienführer: Welche Absolventen sind besonders zufrieden?

Kubis: Bei Absolventen von Fachhochschulen ist die Job-Zufriedenheit besonders hoch, weil sie beim Start ins Berufsleben in der Regel eine ziemlich realistische Vorstellung von der Arbeitswelt haben. Auch Techniker und Naturwissenschaftler sind überdurchschnittlich zufrieden mit ihrer Arbeit. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass die Nachfrage nach solchen Absolventen hoch ist und das Studium die spätere Berufsperspektive stark vorgibt. Wenn man zum Beispiel eine Ingenieurwissenschaft studiert, ist der berufliche Weg einfach klarer als bei einem Germanisten oder einem Historiker.

ZEIT Studienführer: Sollten unentschlossene Abiturienten also am besten etwas mit Technik oder eine Naturwissenschaft studieren, weil man da gut verdient und eher zufrieden ist?

Kubis: Nur wenn diese Richtung einem generell liegt. Man sollte die Wahl des Studienfachs auf keinen Fall nur vom Arbeitsmarkt abhängig machen. Ich würde niemandem raten, gegen die eigene Neigung zu studieren. Das persönliche Interesse am Fach macht es leichter, das Studium erfolgreich zu meistern und später einen Job zu finden, mit dem man sich wohlfühlt.

ZEIT Studienführer: Kann man denn vorhersagen, wie der Arbeitsmarkt in drei bis fünf Jahren aussehen wird?

Kubis: Zum Teil. Aktuell werden Akademiker im Gesundheitsbereich sowie in technischen Berufsfeldern besonders stark gesucht. Das ändert sich in den nächsten Jahren wohl auch nicht. In manchen Berufsgruppen wird der Bedarf aus demografischen Gründen vermutlich zunehmen: Unter den Ärzten und Apothekern geht in den nächsten zehn Jahren jeder Vierte in den Ruhestand; bei Lehrern sieht es zwar ähnlich aus, allerdings sinkt auch die Zahl der Schüler. An diesen Beispielen kann man sehen, dass gerade langfristige Prognosen zum Arbeitsmarkt von vielen Faktoren abhängen und daher immer eine gewisse Unsicherheit bleibt.