12 Fragen und Antworten

1. Was ist ein duales Studium?

Ein duales Studium verbindet ein Studium mit einer Berufsausbildung oder mit Praxisphasen in einem Unternehmen. Man lernt also an zwei Orten – an der Hochschule die Theorie, im Unternehmen die Praxis. Bei einem ausbildungsintegrierenden Studiengang macht man zusätzlich zum Bachelor einen Ausbildungsabschluss, etwa als Industriekauffrau oder Mechatroniker. Bei einem praxisintegrierenden Studiengang bekommt man nur den Bachelor, aber man hat auch hier viel praktisch gearbeitet. Diese Variante ist etwas häufiger.

2. Für wen ist das interessant?

Für alle, die gern praktisch lernen, eine sichere Finanzierung fürs Studium suchen und schnell ins Berufsleben einsteigen wollen. Darüber hinaus ist ein duales Studium auch interessant, wenn man sich mehr für die Anwendung von Wissen interessiert als für die Wissenschaft. Wer sich noch nicht auf eine Branche oder ein Unternehmen festlegen möchte, sollte lieber regulär studieren. Das gilt auch für diejenigen, die in die Wissenschaft oder in die Forschung und Entwicklung wollen oder eine Promotion anstreben.

3. Wie läuft ein duales Studium üblicherweise ab?

Für das duale Studium gibt es viele verschiedene Modelle. Häufig wechseln sich dreimonatige Lernphasen an einer Hochschule oder Berufsakademie mit dreimonatigen Praxisphasen in einem Unternehmen ab. Es ist aber auch möglich, dass man jede Woche Theorie- und Praxiseinheiten hat oder vor allem am Abend und an den Wochenenden unterrichtet wird. Das Bachelorstudium dauert zwischen drei und fünf Jahre und beginnt meistens zum Wintersemester.

4. Was ist der Unterschied zu einer normalen Ausbildung?

Dualstudenten lernen Hochschulstoff, ihr Unterricht hat akademisches Niveau, auch wenn er kompakt und anwendungsbezogen vermittelt wird. Wenn sie zusätzlich die Berufsschule besuchen, dann oft in einer eigenen Klasse mit anderen dualen Studenten. Beim Berufseinstieg können Dualstudenten in der Regel mehr Gehalt verlangen als reguläre Azubis, weil sie einen Studienabschluss haben.

5. Was ist anders als beim normalen Studium?

Die Doppelbelastung. Man muss sich gut organisieren können und braucht Disziplin, um Studium und Arbeit zu schaffen. Dualstudenten sind gleichzeitig auch Angestellte. Während der Arbeitszeiten müssen sie dem Unternehmen zur Verfügung stehen, die Anweisungen des Chefs und den Dresscode beachten. Statt monatelanger Semesterferien haben sie nur so viel Urlaubsanspruch wie andere Auszubildende: mindestens 24 Werktage im Jahr. In den Theoriephasen an der Hochschule folgen sie einem straffen Stundenplan. In vielen Unternehmen ist es üblich, seinem Ausbildungsleiter die Leistungsnachweise vorzulegen, deshalb kann man sich auch keinen Durchhänger erlauben. Trotzdem brechen Dualstudenten ihr Studium seltener ab als andere Studenten. Außerdem bekommt man ein Gehalt und hat anschließend vielleicht schon Erspartes statt Bafög-Schulden. Häufig verdienen Dualstudenten auch in den ersten Berufsjahren besser als andere Bachelorabsolventen, weil sie schon eingearbeitet sind, wenn sie im gleichen Unternehmen bleiben.

6. Welche Fächer kann man dual studieren?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2015/2016.

Duale Studiengänge gibt es vor allem für Wirtschafts- und Ingenieurfächer. Typisch sind BWL, Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik, zum Teil auch mit Spezialisierungen etwa auf Tourismus oder Automobil. Daneben gibt es duale Studiengänge im sozialen Bereich, zum Beispiel für Pflege und Soziale Arbeit, sowie vereinzelt für andere Richtungen wie Design. Einen Überblick bekommt man durch die Datenbank des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) unter bit.ly/zs15dual.

7. Wo gibt es das?

Die BIBB-Datenbank verzeichnet mehr als 1.500 duale Studienmöglichkeiten in ganz Deutschland. Am häufigsten ist das Modell in Bayern. Dort gibt es mehr als 300 duale Studiengänge, es folgen Nordrhein-Westfalen mit rund 280 und Baden-Württemberg mit knapp 270 Studiengängen. Vor allem Fachhochschulen, die Duale Hochschule Baden-Württemberg sowie Berufsakademien bieten duale Studiengänge an. Universitäten haben bisher nur vereinzelt welche im Angebot, es werden aber mehr. Auch private Hochschulen und Akademien bieten duale Studiengänge an. Man muss sich die Anbieter allerdings genau ansehen, denn der Begriff "dual" ist nicht geschützt. Man sollte unbedingt darauf achten, dass der Studiengang akkreditiert ist, dass ein akademischer Grad verliehen wird und dass der Praxisanteil mindestens zwölf Monate beträgt. Finger weg von unrealistischen Angeboten, die den Bachelor in einem Jahr versprechen.