Eltern schleppen ihre Kinder gerne zu Jobmessen und Studienbörsen. © Sean Gallup/Getty Images

"Ich habe mich beim Tag der offenen Tür informiert"

Ich war mir lange sehr unsicher, was ich studieren soll. Meine Mutter hat mich zu allen möglichen Studienbörsen und Berufsmessen geschleppt. Da wurde mir aber immer dasselbe empfohlen: Maschinenbau und Informatik. Einfach deswegen, weil ich Mathe und Physik im Leistungskurs hatte. Am ehesten konnte ich mich noch mit Informatik anfreunden. Aber: immer nur vor dem Computer sitzen? Das stellte ich mir trocken vor. Später gab es einen Tag an meiner Schule, an dem Exschüler ihr Fach vorstellten. Da war auch einer dabei, der Medieninformatik studierte. Das klang viel interessanter als reine Informatik – und das ist es jetzt auch. Wir haben Module wie Medienpsychologie, die das Studium auflockern. Es ist auch nicht ganz so theorielastig. Im Fach Gestaltung zum Beispiel arbeiten wir auch mal mit Tinte, um zu sehen, wie unterschiedliche Designs auf uns wirken. Für Dresden habe ich mich entschieden, weil das in der Nähe von zu Hause ist und mir die Stadt gut gefällt. Ich war dort beim Tag der offenen Tür an der Uni, habe Vorträge angehört und mich ein bisschen mit Studenten der Medieninformatik unterhalten. Das hat mich noch mal in meiner Entscheidung bestätigt.

"Parallel zur Schule habe ich ein Schnupperstudium gemacht"

Chemie war immer mein Lieblingsfach in der Schule. Aber das dann auch studieren? Da war ich mir nicht so sicher, auch wenn ich wusste, dass es irgendwas mit Naturwissenschaften sein sollte. In der neunten Klasse habe ich das Internet nach Studiengängen abgegrast – und bin dabei auf das Schülerstudium hier an der Uni Düsseldorf gestoßen. Das ist eine Art Schnupperstudium vor dem Abitur. Ich dachte mir, schaden kann es ja nicht, und habe mich beworben, obwohl man dadurch viele Schulstunden verpasst. Von der zehnten Klasse bis zum Abitur habe ich dann neben der Schule noch studiert. Erst für drei Doppelstunden die Woche, später sogar mehr. Da saß ich in den gleichen Vorlesungen und Tutorien wie die regulären Studenten und durfte sogar Klausuren mitschreiben. Drei davon habe ich mir anrechnen lassen, als ich mich dann nach dem Abi eingeschrieben habe. Ich fand es super, dass ich das Studieren vorher ausprobieren konnte. Wenn es nichts für mich gewesen wäre, hätte ich ja auch nichts verloren. Und der Vorteil des Schnupperstudiums war auch, dass ich mich gleich für die richtige Richtung innerhalb der Chemie entschieden habe: reine Chemie, nicht Biochemie, wie ich erst dachte.

"Beim zweiten Anlauf hat es mit der Uni und mir geklappt"

Nach dem Abi wollte ich weg aus Bayern. Ich habe dann in Berlin angefangen, Skandinavistik zu studieren, weil ich schon lange Schwedisch lernen wollte. Nach dem dritten Semester habe ich aber abgebrochen – und etwas ausprobiert, das gar nichts mit Uni zu tun hat: Praktika in einer Behindertenwerkstatt und bei einem Landschaftsgärtner. Das hat mir zwar gefallen, aber danach wusste ich, dass mir Fremdsprachen mehr liegen. Neben Skandinavien interessiert mich Großbritannien besonders. Und weil ich Anglistik an der Uni Regensburg mit Allgemeiner und Vergleichender Sprachwissenschaft kombinieren konnte, bin ich dieses Mal in meiner Heimat geblieben. Damit bin ich sehr zufrieden.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2015/2016.

Beim ersten Mal hatte ich mir zu wenig Zeit für meine Entscheidung gelassen. Ich war einfach noch nicht so weit. Außerdem bin ich in meiner Familie die Erste, die studiert. Meine Eltern konnten mich bei meiner Entscheidung nicht so unterstützen, wie sie es gewollt hätten. Sie wussten ja auch nicht, was mich erwartet. Inzwischen arbeite ich nebenher bei der Studienberatung der Uni. Dort merkt man, wie viel es hilft, sich auszutauschen. Ich kann nur raten: Sprecht mit Studenten!