5 Antworten aus der Uni

DIE PROFESSORIN

ZEIT Studienführer: Was ist der Unterschied zwischen Professoren und Lehrern?

Daniela Elsner: Lehrer forschen nicht, Lehrer unterrichten. Professoren machen beides. Ich halte Vorlesungen und Seminare, habe aber auch Forschungsprojekte, in denen ich Untersuchungen durchführe. Und manchmal vermischt sich auch beides. Dann helfen mir die Studenten bei den Untersuchungen. Zum Beispiel haben wir eine mehrsprachige Software für Grundschüler entwickelt, mit einer vierten Klasse getestet und die Kinder dazu befragt.

ZEIT Studienführer: Und was unterscheidet Studenten von Schülern?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2015/2016.

Elsner: Als Student hat man sehr viele Freiheiten und viel mehr Wahlmöglichkeiten. Aber Studenten müssen dafür auch selbstständiger sein. An der Uni sagt einem niemand, dass man auch mal außerhalb der Seminarlektüre etwas lesen sollte. Aber Lesen ist extrem wichtig fürs Studium. Die Professoren erwarten, dass die Studenten selbstständig in die Bibliothek gehen und sich selbst wichtige Texte suchen und lesen.

ZEIT Studienführer: Was erwarten Profs sonst noch von ihren Studenten?

Elsner: Pünktlichkeit, Freundlichkeit und Sorgfalt. Das sind die Grundkompetenzen, die ich wichtig finde. Und dass man sich wirklich für das interessiert, was man studiert.


DIE TUTORIN

ZEIT Studienführer: Wie kommt man gut ins Studium?

Franka Höhnemann: Zu Beginn des Studiums belegt man Einführungsveranstaltungen. Bei mir war das zum Beispiel die Vorlesung "Einführung in die Kunstgeschichte". So kriegt man gleich einen guten Überblick. Außerdem gibt es Tutorien, zum Beispiel über "Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens", die sind hilfreich. Dort lernt man, wie man mit wissenschaftlichen Texten umgeht und worauf man bei Hausarbeiten achten sollte.

ZEIT Studienführer: Wie findet man ein Thema für die Hausarbeit?

Höhnemann: Meistens hält man während des Semesters im Seminar ein Referat. Die Themen dafür gibt der Dozent vor. Zum eigenen Referatsthema kann man dann normalerweise auch die Hausarbeit schreiben. Man hat sich damit also schon auseinandergesetzt und Fachliteratur dazu gelesen. Da fällt einem die Hausarbeit gar nicht mehr so schwer.

ZEIT Studienführer: Wie viel muss man an der Uni lernen?

Höhnemann: Das ist ganz unterschiedlich. Manche machen sich einen Lernplan fürs ganze Semester, andere fangen erst zwei Tage vor der Prüfung an. Ich persönlich finde stetiges Lernen gut. Im besten Fall geht man zu den Veranstaltungen und guckt sich den Stoff danach gleich in der Bibliothek an.


DER PSYCHOLOGE

ZEIT Studienführer: Was macht man, wenn man Angst vor dem Studium hat?

Holger Walther: Man kann Studieren nicht üben – ein Studium ist eine neue, unbekannte Situation, die auch Angst machen kann. Man sollte sich ein bis zwei Semester geben, um das Studieren richtig kennenzulernen. Ein bisschen Bammel haben ist okay. Und wenn es einem gar nicht gefällt, kann man immer noch darüber nachdenken, das Fach oder die Uni zu wechseln.

ZEIT Studienführer: Was tut man gegen Prüfungsangst?

Walther: Prüfungsangst geht nicht irgendwie von allein weg, sondern muss gezielt angegangen werden. Bei ängstlichen Menschen hilft der Sprung ins kalte Wasser nicht, weil mit jeder weiteren schlechten Erfahrung die Angst bestätigt wird. An vielen Hochschulen gibt es Workshops und Gruppenseminare, in denen man lernt, mit Prüfungsangst umzugehen.

ZEIT Studienführer: Wie verhindert man, dass das Studium zu einer Belastung wird?

Walther: Jeder Tage sollte grob aus den Elementen Schlaf, Arbeit und Erholung bestehen – jeweils sechs bis acht Stunden lang. Beim Schlaf ziehen die wenigstens etwas ab, aber wenn man sich überlastet fühlt, kommt häufig die Erholung zu kurz. Gerade in Stressphasen kann man sich belohnen, mit Verabredungen, Spazierengehen oder Seriengucken auf dem Sofa.

Partys feiern und studieren. Geht das?


DER FACHSCHAFTLER

ZEIT Studienführer: Wo lernt man zu Studienbeginn am besten Leute kennen?

Thomas Kuswik: Zum Beispiel auf Ersti-Veranstaltungen. Die meisten Fachschaften organisieren in der ersten Vorlesungswoche Campusrallyes und Kneipentouren. Dort lernt man in lockerer Atmosphäre beim ein oder anderen Getränk seine Kommilitonen kennen. Wenn die Vorlesungen losgehen, ist es auch nicht viel schwerer: einfach den Sitznachbarn ansprechen. Oder man geht zum Uni-Sport, da kommt man leicht ins Gespräch und trifft Leute mit ähnlichen Interessen.

ZEIT Studienführer: Uni-Partys sind berüchtigt. Wie vertragen sie sich mit dem Studium?

Kuswik: Während manche nach einer guten Party zwei Tage lang im Bett liegen, tauchen andere am nächsten Morgen gut gelaunt an der Uni auf. Das muss jeder selbst wissen. Bei Vorlesungen besteht meistens keine Anwesenheitspflicht, sodass man den verpassten Stoff nachholen kann. Das sollte man dann aber auch wirklich tun.

ZEIT Studienführer: Wie wichtig ist Pünktlichkeit?

Kuswik: Kommt drauf an. Das hängt auch ein bisschen vom Dozenten ab. In den Vorlesungen gibt es so viele Teilnehmer, da handhaben es die meisten Profs locker, wenn mal jemand zu spät kommt. Nur bei Klausuren sollte man auf jeden Fall pünktlich sein. Hier zu spät zu kommen ist fatal, weil dann am Ende die Zeit nicht reicht.


DIE PRÜFUNGSEXPERTIN

ZEIT Studienführer: Auf welche Formalien muss man vor einer Prüfung achten?

Bettina Hiller: Wer sich nicht rechtzeitig und verbindlich anmeldet, wird nicht zu den Prüfungen zugelassen. Wenn man ein ganzes Semester lang in einem Seminar gesessen hat und dann vergisst, sich für die Prüfung anzumelden, ist das sehr ärgerlich. Wie die Anmeldung funktioniert, steht in der Prüfungsordnung. Deshalb mein Rat: die Prüfungsordnung lesen. Auch formale Vorgaben für die Abschlussarbeit findet man dort. Bei Fragen sollte man sich von uns beraten lassen – dafür sind Prüfungsämter da!

ZEIT Studienführer: Was passiert, wenn man durch eine Prüfung fällt?

Hiller: Dann schreibt man noch mal. Für das Bestehen hat man mehrere Versuche, in der Regel insgesamt drei. Wenn man beim ersten Mal durchfällt, ist also nicht alles verloren – man kann es bei einem Nachschreibetermin besser machen.

ZEIT Studienführer: Ist es möglich, mitten im Studium die Uni zu wechseln?

Hiller: Ja, aber es kann sein, dass man Leistungen nachholen muss oder dass nicht alle bereits gesammelten Creditpoints angerechnet werden, weil die Studiengänge an den verschiedenen Unis zum Beispiel unterschiedliche Inhalte haben. Einfacher ist es deshalb, wenn man erst zum Masterstudium den Studienort wechselt.