Erstes selbst verdientes Geld Sherpas der Hackfleischanzeige

Zeitungen in Hanglage austragen, Musikunterricht auf dem Hackbrett geben, Party-Stempel fälschen: ZEIT CAMPUS-Autoren erzählen, wie sie ihr erstes Geld verdient haben.

Das erste selbstverdiente Geld vergisst man nicht

Das erste selbstverdiente Geld vergisst man nicht

Philipp Schwenke

Philipp Schwenke, Autor ZEIT CAMPUS

Mein erster Job hat mich weit gebracht. Etwa fünf Kilometer, jeweils mittwochs und samstags; ich zog eine Sackkarre mit zehn Kilo druckfrischem Altpapier hinter mir her und verfluchte die Erfinder der Taschengeldaufbesserung, der Gratiszeitung und der Reihenhaussiedlungen in Hanglage (und ich kannte eine Menge Flüche mit vierzehn!).

Auf der Sackkarre lag jeweils die neueste Ausgabe Lokale Informationen, einer Zeitung, die ich in jeden Briefkasten unserer Siedlung zu stopfen hatte. Sie kostete nichts, hinten drin waren immer Anzeigen vom Getränkemarkt, vorne drauf immer Artikel übers Schützenfest. Eigentlich war die Zeitung auch nur Trägermasse für mindestens drei weitere Prospekte von Aldi, Saturn und anderen, die ich vor dem Austragen noch einzeln in die ungefähr 600 Exemplare hineinsortieren musste.

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Unsere Siedlung war auf einen Hügel gebaut, es ging ständig bergauf. Ich war ein Sherpa der Hackfleischanzeige. Für die Arbeit von zwei Stunden Sortieren, vier Stunden Austragen (mittwochs) beziehungsweise zwei Stunden Sortieren, vier Stunden Austragen (samstags) sollte ich pro Monat um die 60 Mark bekommen. Vielleicht sogar ein bisschen mehr, ich habe das verdrängt, denn ich habe den Job nicht mal einen ganzen Monat gemacht.

Ungefähr in der dritten Woche meiner Lasteseltätigkeit erzählte mir jemand, dass man das gleiche Geld in einem Zehntel der Zeit verdienen könne, wenn man Zeitungen nicht herumtrage, sondern Texte in sie hineinschreibe. Ich habe dann sofort gekündigt, und den Rest kann man sich ja denken.

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