Schriftstellerin als Dozentin Herta als alle anderenSeite 2/2

Jetzt ist für Herta Müller das eingetreten, was sie unbedingt verhindern wollte: Wir Studenten streiten nicht über unsere Texte, die sind gar nicht mehr interessant. Auf dem Weg zur U-Bahn gibt es nur ein Thema: die Taktlosigkeit der Dozentin. Alle sind sich einig: Lernen von den Großen ist ja grandios. Aber wenn die Lust aufs Schreiben ruiniert wird, hat es keinen Sinn.

Nach vier Wochen ist das Seminar sichtlich zusammengeschrumpft. Nach den Tränen der Kommilitonin sind einige der Studenten nicht mehr ins Seminar zurückgekehrt. "Könnten sie nicht etwas konstruktiver sein?" fragt einer der Übriggebliebenen. "Das wäre wirklich nett." Auch seine Kurzgeschichte hat Herta Müller verrissen.

In einer der letzten Sitzungen bin ich an der Reihe, ich trage ein Theaterstück vor. Es handelt von Machtkämpfen in einem Altenheim. Herta Müller schaut aus dem Fenster. Als ich fertig bin, wendet sie ihren Kopf und sagt schroff: "Jetzt bin ich mal nett: Damit kann ich nichts anfangen. Das ist ja so absurd."


Seit dem Sommersemester 2005 besteht am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin die Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik. Die Literaturwerkstatt leitet jeweils der Gewinner des Berliner Literaturpreises. Im Sommersemester 2005 war es Herta Müller.

 
Leser-Kommentare
  1. wie genial! "Herta" hört sich an wie "härter", deswegen! Versteht ihr? Das ist einfach nur genial und so etwas kann nur von sehr sehr kreativen Menschen kommen. Wer denkt, so etwas würde einem einfach so auf dem Klo einfallen, der irrt gewaltig. Ich kann mir vorstellen, dass dies das Ergebnis von stundenlangem Brainstorming ist. Aber es hat sich gelohnt!

    Solche Wortspiele sind DER Bringer und zeigen wie qualitativ hochwertig eine Zeitung ist.

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    • Chali
    • 13.10.2009 um 13:08 Uhr

    DochDoch.

    • kayob
    • 13.10.2009 um 13:52 Uhr

    hahahahahahahahahaha

    Ein kleiner Schwenker dazu aus Berlin (in Klammern soz.:)
    In Berlin gab es in den 60er Jahren eine Bar mit Kunst-Galerie, die Chefin hieß Herta. Schon damals hieß es: "Herta, Herta, du bist härter als ich dachte!"
    :) Maria Reinecke

    • Chali
    • 13.10.2009 um 13:08 Uhr

    DochDoch.

    • kayob
    • 13.10.2009 um 13:52 Uhr

    hahahahahahahahahaha

    Ein kleiner Schwenker dazu aus Berlin (in Klammern soz.:)
    In Berlin gab es in den 60er Jahren eine Bar mit Kunst-Galerie, die Chefin hieß Herta. Schon damals hieß es: "Herta, Herta, du bist härter als ich dachte!"
    :) Maria Reinecke

  2. schreibt wie sie aussieht: verkrampft.
    Die gepriesenden Wortbilder wirken wie erlernte Technik, ich habe den Eindruck, als habe ein SekIIer sich mal so richtig ausgetobt.
    Nein, überzeugend ist diese Literatur eigentlich wenig. Zum Einen ist diese Form der Ausdrucksweise in keiner Weise einzigartig oder gar etwas Neues, zum anderen sind auch die geschriebenen Themen nicht wirklich neu.
    Herta Müller, ein Lichtblick insofern, weil die Beliebigkeit erhellt wurde.

  3. Ich bin damals mit der Überzeugung aufgewachsen, dass sich intellektuelle Brillanz stets mit Mitmenschlichkeit, Nachsicht und Toleranz vereinen lassen müssen. Oder anders ausgedrückt: einen guten Wissenschaftler, Schriftsteller oder Dozenten sollte nicht nur hohe geistige Leistungsfähigkeit auszeichnen, sondern auch außerordentliche ethische und moralische Qualitäten (Verständnis und Mitgefühl). Ich muß gestehen, ich habe diese Überzeugung heute immer noch - komme mir aber damit mittlerweile ziemlich altmodisch und allein vor.

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    hohe ethische und moralische Ansprüche lassen wenig Raum für Nachsicht und Toleranz.

    Ein intelligenter Mensch kann außerdem sehr viel aus einer Geschichte heraushören, ein bestimmtes Weltbild des Verfassers z.B.

    Ich kann mir denken, dass in den Geschichten der deutschen Schriftsteller-Aspiranten, sehr viel Dummheit und Ignoranz steckt. Das kann für einen "Höhergesinnten" einfach beleidigend sein. Für diese Studenten wäre es viel besser, sie würden etwas Gutes lesen, anstatt selbst zu versuchen, zu schreiben.

    • Chali
    • 13.10.2009 um 13:14 Uhr

    ... "intellektuelle Brillanz" einerseits und "Mitmenschlichkeit, Nachsicht und Toleranz" schliessen einander sicher nicht grundsätzlich aus, aaaaber ...

    Viel interessanreer schreint mir die Frage, woher die Vermutung rührt, jemand wie Frau Müller könnte jemanden inspirieren und/oder weiterbringen können?

    Oder anders herum gefragt: Wie viele Tore schiesst der Trainer?

    hohe ethische und moralische Ansprüche lassen wenig Raum für Nachsicht und Toleranz.

    Ein intelligenter Mensch kann außerdem sehr viel aus einer Geschichte heraushören, ein bestimmtes Weltbild des Verfassers z.B.

    Ich kann mir denken, dass in den Geschichten der deutschen Schriftsteller-Aspiranten, sehr viel Dummheit und Ignoranz steckt. Das kann für einen "Höhergesinnten" einfach beleidigend sein. Für diese Studenten wäre es viel besser, sie würden etwas Gutes lesen, anstatt selbst zu versuchen, zu schreiben.

    • Chali
    • 13.10.2009 um 13:14 Uhr

    ... "intellektuelle Brillanz" einerseits und "Mitmenschlichkeit, Nachsicht und Toleranz" schliessen einander sicher nicht grundsätzlich aus, aaaaber ...

    Viel interessanreer schreint mir die Frage, woher die Vermutung rührt, jemand wie Frau Müller könnte jemanden inspirieren und/oder weiterbringen können?

    Oder anders herum gefragt: Wie viele Tore schiesst der Trainer?

  4. Die Dame scheint einfach sehr konkurrenzbewußt zu sein. Ja niemanden zulassen, der einem potentiell irgendwann im Licht stehen könnte. Extrem ehrgeizigen, rücksichtslose Leute gibts zur Genüge, aber als Dozentin ist das natürlich schwierig. Ansonsten ist sie wahrscheinlich kein "schlechterer" Mensch als viele andere "erfolgreiche" Leute.

    • Chali
    • 13.10.2009 um 13:08 Uhr
    5. *g*

    DochDoch.

  5. hohe ethische und moralische Ansprüche lassen wenig Raum für Nachsicht und Toleranz.

    Ein intelligenter Mensch kann außerdem sehr viel aus einer Geschichte heraushören, ein bestimmtes Weltbild des Verfassers z.B.

    Ich kann mir denken, dass in den Geschichten der deutschen Schriftsteller-Aspiranten, sehr viel Dummheit und Ignoranz steckt. Das kann für einen "Höhergesinnten" einfach beleidigend sein. Für diese Studenten wäre es viel besser, sie würden etwas Gutes lesen, anstatt selbst zu versuchen, zu schreiben.

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    • luccas
    • 13.10.2009 um 15:02 Uhr

    Was, um Himmelswillen, ist denn ein "Höhergesinnter"? Und wo gibt es denn diese Spezies? In der Politik? Nö. Da treiben sich fast ausnahmslos Kleinkrauter herum. In der Wirtschaft? Außer Herr Müllermilch fällt mir niemand ein. In der Finanzwelt? Da beherrscht kaum jemand die vier Grundrechenarten. Im Showbizz? Allenfalls Bohlen und Kerner. In der Modebranche? Höchstens Boss Kik und Hathathat Lagerfeld. Bei Sang und Klang? Gotthilf Fischer und Karl Moik haben`se ja ausgemustert. Im Literaturbereich? Seit ich in ein Büchlein von Herta reingelesen habe, wohl auch nicht.
    Aber: Sol lucet omnibus.(Asterix XI/26)

    • luccas
    • 13.10.2009 um 15:02 Uhr

    Was, um Himmelswillen, ist denn ein "Höhergesinnter"? Und wo gibt es denn diese Spezies? In der Politik? Nö. Da treiben sich fast ausnahmslos Kleinkrauter herum. In der Wirtschaft? Außer Herr Müllermilch fällt mir niemand ein. In der Finanzwelt? Da beherrscht kaum jemand die vier Grundrechenarten. Im Showbizz? Allenfalls Bohlen und Kerner. In der Modebranche? Höchstens Boss Kik und Hathathat Lagerfeld. Bei Sang und Klang? Gotthilf Fischer und Karl Moik haben`se ja ausgemustert. Im Literaturbereich? Seit ich in ein Büchlein von Herta reingelesen habe, wohl auch nicht.
    Aber: Sol lucet omnibus.(Asterix XI/26)

    • Chali
    • 13.10.2009 um 13:14 Uhr

    ... "intellektuelle Brillanz" einerseits und "Mitmenschlichkeit, Nachsicht und Toleranz" schliessen einander sicher nicht grundsätzlich aus, aaaaber ...

    Viel interessanreer schreint mir die Frage, woher die Vermutung rührt, jemand wie Frau Müller könnte jemanden inspirieren und/oder weiterbringen können?

    Oder anders herum gefragt: Wie viele Tore schiesst der Trainer?

  6. ...lese ich da - richtig - Ironie?

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