Leserdebatte Die Studenten protestieren wieder - zu Recht?
Studierende in ganz Deutschland protestieren gegen das System von Bachelor und Master und fordern die Demokratisierung der Universität. Was erleben Sie an Ihrer Uni?
Nach dem Bildungsstreik im Sommer flammen nun die Proteste unzufriedener Studenten wieder auf. Angeregt von Hörsaalbesetzungen in Österreich gab es in den vergangenen Wochen Aktionen in Darmstadt und Dresden, in Heidelberg, München, Tübingen, Potsdam, Berlin und an vielen weiteren Hochschulen in Deutschland.
Uns interessiert, wie Sie den Protest erleben. Ist das eine Minderheit an Ihrer Hochschule, oder wächst der Unmut unter allen Studenten? Wie reagiert die Hochschulleitung? Und gibt es konkrete Angebote, etwas zu verändern?
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- Datum 17.03.2010 - 10:54 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 42
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Ich bin selbst Student und damit wohl potentiell ein guter Protestler, wenn man der Geschichte glauben darf. Doch diesem so perfekt geplanten, gänzlich medialisierten Bildungsstreik fehlt jegliche Protestkultur, jegliche kraftvolle Grundlage. Mich spricht er daher nicht einmal äußerlich an.
Und ganz ehrlich... Ich bin mit dem Bologna-Prozess eigentlich zufrieden. Das Studium mag zwar etwas straffer sein, aber dafür komme ich nicht in Versuchung auszuschweifen und Langzeitstudent zu werden, bekomme außerdem einen weltweit gültigen Abschluss.
Viel wichtiger ist aber, dass durch die Forderung des Bildungsstreiks, den Bologne-Prozess umzukehren, mein nun von mir angestrebter neuer Abschluss seinen Wert verlieren würde. Ist er doch laut Streikführung eine Zumutung im Vergleich zum vorherigen Diplom und Magister.
Die Behauptungen der Streikführer, die deutsche Arbeitgeberschaft würde Diplomstudenten bevorzugen, sind zudem so wahnwitzig, wie weit verbreitete und falsche Aussagen über Studiendauer im Ausland und angeblich zu wenig Zeit für das Studium in Deutschland. Wie soll ein Arbeitgeber in Zukunft Diplomstudenten bevorzugen? Es gibt bald keine mehr!
Den Bildungsstreik halte ich daher für einen großen Scherz, organisiert von zu Nostalgie neigenden Studenten höherer Semester, angestachelt von Funktionären linker, politischer Jugendorganisationen, die auch sonst in den Studierendenräten gerne auf den Putz hauen und polemisieren.
An der Bonner Universität, an der ich studiere, fand zudem auch meines Wissens nach kein Bildungsstreik statt. Wozu auch, die Studierendenzahlen sind erträglich (bekanntlich ja auch ein Kritikpunkt der Streikführer). Überfüllte Räume gehören dank Raumänderungen und schneller Abgänger spätestens seit der dritten Semesterwoche der Vergangenheit an. Auch im vergangenen Sommer tat sich im Zusammenhang mit diesem Projekt wenig hier am Rhein. In Bonn scheint man zufrieden, teilweise auch mit dem, was aus den Studiengebühren gemacht wird.
Ich studiere Lehramt für Gymnasien, allerings noch nach alter Studienordnung. An unserer Uni wird seit gut einer Woche der Audimax besetzt. Wenn ich den besetzten Hörsaal betrete, dann sehe ich dort nicht nur Studenten im jüngeren Semester, die nach modularisierter Studienordnung studieren. Ich habe dort den Eindruck gewonnen, dass dieser Protest, den ich nicht gänzlich ablehne, etwas blind wirkt. Man könnte meinen, man sitzt im Bundestag und dann meldet sich gelegentlich ein Abgeordneter und erntet vereinzelten Beifall. Nur was kommt dabei heraus?
Ich frage mich, gegen was genau protestiert wird. Geht es da wirklich um klare, sinnvolle und realistische Forderungen oder eher um den Protest an sich? Was ist der Sinn, BAföG für alle zu fordern, was wird passieren, wenn die Studiengebühren abgeschafft werden würden?
Viele Studenten klagen über zu wenig Zeit in ihrem Studium und auch wenn die modularisierten Studiengänge im Lehramt sicherlich mehr Stofffülle in einem kürzerem zeitlichen Rahmen mit sich bringen, frage ich mich, ob es dann nicht doch auch ein Druck ist, der noch von den Studenten selbst verstärkt wird. Auch ich habe im nicht-modularisiertem Studium Stressphasen, allerdings kann ich nebenbei das Studentenleben trotzdem noch genießen. Es ist also sicher eher eine Frage von Zeitplanung und dem Sinn für das Wesentliche.
[entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/ew]
Herr Christoph Kotowski schreibt:
"Den Bildungsstreik halte ich daher für einen großen Scherz, organisiert von zu Nostalgie neigenden Studenten höherer Semester, angestachelt von Funktionären linker, politischer Jugendorganisationen, die auch sonst in den Studierendenräten gerne auf den Putz hauen und polemisieren."
So, so....
Frage an Ihre Adresse, Herr Kotowski:
Sie scheinen mit Ihremm Studium zufrieden?
Wenn dem so wäre, schön für Sie, gönne ich Ihnen.
Nur ist nicht allen Studierenden eine solche Erfahrung vergönnt, sollte diese Erfahrung an Ihnen vorbei gegangen sein, dann bitte ich Sie um die Freundlichkeit, dass Sie sich und uns das Konglomerat von abgearbeiteten Schimpfwörtern aus der ideologisierten Bildungsdebatte ersparen.
Streik und studentischer Protest leiden weiß Gott nicht am Mangel von Inhalten, sondern daran : Studentische Proteste werden seit 1968 nicht mehr wahr- und ernstgenommen. Es scheint, als ob da noch ein Trauma nicht ganz bewältigt scheint.
Protest macht Sinn:
Protest gegen mangelndes Personal und Ausrüstung
Protest gegen die wirtschaftliche Verplanung des Studium
Protest gegen die schlechte materielle Situation von Studierenden,
die keinen reichen Papi ihr eigen nennen.
Protest gegen die Ausbeutung in vielen Studentenjobs
Protest gegen die drohende spätere Akademikerarbeitslosigkeit.
Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!
Wenn Sie sich nicht wehren müssen und wollen, Ihre Entscheidung.
Meine sieht anders aus.
Den Bachelor-Abschluss als weltweit generell gültigen Abschluss zu klassifizieren ist ebenso infantil wie impertinent. Es gibt abseits der Naturwissenschaften ebenso Wissenschaften. Und diese beschäftigen sich oftmals mit Themengebieten die durch Kultur und Sprache dergestalt geregelt sind, dass ein hier erworbener Abschluss überhaupt nicht vergleichbar ist mit einem anderswo erworbenen. Das liegt an dem Inhalt. Da hilft es keineswegs einfach den Titel des Abschlusses anzugleichen. Hier muss der Inhalt geprüft werden, und das gelingt auch wenn der Titel nicht "Bachelor" heißt.
Völlig davon abgesehen, dass der Bologna-Prozess zur Ent-Wissenschaftlichung des Studiums führt. Dem Kern des ursprünglich durch Humboldt geprägten dt. Universitätssystems. Um ein praxisnahes Studium zu ermöglichen wurden damals die FH geschaffen. Die Trennung nun aufzuheben zeigt die Unwissenheit ob des Bildungsssystemes und zeigt die Ohnmacht derjenigen vor dem Wissen. Die Wissenschaft braucht keine gleichlautenden Titel. Sie braucht auch kein verschultes Universitätssystem. Sie braucht Wissenschaftler die der Wissenschaft wegen studieren. Für fanatische Praktiker gibt es die Berufsschulen.
An der Bonner Universität, an der ich studiere, fand zudem auch meines Wissens nach kein Bildungsstreik statt. Wozu auch, die Studierendenzahlen sind erträglich (bekanntlich ja auch ein Kritikpunkt der Streikführer). Überfüllte Räume gehören dank Raumänderungen und schneller Abgänger spätestens seit der dritten Semesterwoche der Vergangenheit an. Auch im vergangenen Sommer tat sich im Zusammenhang mit diesem Projekt wenig hier am Rhein. In Bonn scheint man zufrieden, teilweise auch mit dem, was aus den Studiengebühren gemacht wird.
Ich studiere Lehramt für Gymnasien, allerings noch nach alter Studienordnung. An unserer Uni wird seit gut einer Woche der Audimax besetzt. Wenn ich den besetzten Hörsaal betrete, dann sehe ich dort nicht nur Studenten im jüngeren Semester, die nach modularisierter Studienordnung studieren. Ich habe dort den Eindruck gewonnen, dass dieser Protest, den ich nicht gänzlich ablehne, etwas blind wirkt. Man könnte meinen, man sitzt im Bundestag und dann meldet sich gelegentlich ein Abgeordneter und erntet vereinzelten Beifall. Nur was kommt dabei heraus?
Ich frage mich, gegen was genau protestiert wird. Geht es da wirklich um klare, sinnvolle und realistische Forderungen oder eher um den Protest an sich? Was ist der Sinn, BAföG für alle zu fordern, was wird passieren, wenn die Studiengebühren abgeschafft werden würden?
Viele Studenten klagen über zu wenig Zeit in ihrem Studium und auch wenn die modularisierten Studiengänge im Lehramt sicherlich mehr Stofffülle in einem kürzerem zeitlichen Rahmen mit sich bringen, frage ich mich, ob es dann nicht doch auch ein Druck ist, der noch von den Studenten selbst verstärkt wird. Auch ich habe im nicht-modularisiertem Studium Stressphasen, allerdings kann ich nebenbei das Studentenleben trotzdem noch genießen. Es ist also sicher eher eine Frage von Zeitplanung und dem Sinn für das Wesentliche.
[entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/ew]
Herr Christoph Kotowski schreibt:
"Den Bildungsstreik halte ich daher für einen großen Scherz, organisiert von zu Nostalgie neigenden Studenten höherer Semester, angestachelt von Funktionären linker, politischer Jugendorganisationen, die auch sonst in den Studierendenräten gerne auf den Putz hauen und polemisieren."
So, so....
Frage an Ihre Adresse, Herr Kotowski:
Sie scheinen mit Ihremm Studium zufrieden?
Wenn dem so wäre, schön für Sie, gönne ich Ihnen.
Nur ist nicht allen Studierenden eine solche Erfahrung vergönnt, sollte diese Erfahrung an Ihnen vorbei gegangen sein, dann bitte ich Sie um die Freundlichkeit, dass Sie sich und uns das Konglomerat von abgearbeiteten Schimpfwörtern aus der ideologisierten Bildungsdebatte ersparen.
Streik und studentischer Protest leiden weiß Gott nicht am Mangel von Inhalten, sondern daran : Studentische Proteste werden seit 1968 nicht mehr wahr- und ernstgenommen. Es scheint, als ob da noch ein Trauma nicht ganz bewältigt scheint.
Protest macht Sinn:
Protest gegen mangelndes Personal und Ausrüstung
Protest gegen die wirtschaftliche Verplanung des Studium
Protest gegen die schlechte materielle Situation von Studierenden,
die keinen reichen Papi ihr eigen nennen.
Protest gegen die Ausbeutung in vielen Studentenjobs
Protest gegen die drohende spätere Akademikerarbeitslosigkeit.
Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!
Wenn Sie sich nicht wehren müssen und wollen, Ihre Entscheidung.
Meine sieht anders aus.
Den Bachelor-Abschluss als weltweit generell gültigen Abschluss zu klassifizieren ist ebenso infantil wie impertinent. Es gibt abseits der Naturwissenschaften ebenso Wissenschaften. Und diese beschäftigen sich oftmals mit Themengebieten die durch Kultur und Sprache dergestalt geregelt sind, dass ein hier erworbener Abschluss überhaupt nicht vergleichbar ist mit einem anderswo erworbenen. Das liegt an dem Inhalt. Da hilft es keineswegs einfach den Titel des Abschlusses anzugleichen. Hier muss der Inhalt geprüft werden, und das gelingt auch wenn der Titel nicht "Bachelor" heißt.
Völlig davon abgesehen, dass der Bologna-Prozess zur Ent-Wissenschaftlichung des Studiums führt. Dem Kern des ursprünglich durch Humboldt geprägten dt. Universitätssystems. Um ein praxisnahes Studium zu ermöglichen wurden damals die FH geschaffen. Die Trennung nun aufzuheben zeigt die Unwissenheit ob des Bildungsssystemes und zeigt die Ohnmacht derjenigen vor dem Wissen. Die Wissenschaft braucht keine gleichlautenden Titel. Sie braucht auch kein verschultes Universitätssystem. Sie braucht Wissenschaftler die der Wissenschaft wegen studieren. Für fanatische Praktiker gibt es die Berufsschulen.
An der Bonner Universität, an der ich studiere, fand zudem auch meines Wissens nach kein Bildungsstreik statt. Wozu auch, die Studierendenzahlen sind erträglich (bekanntlich ja auch ein Kritikpunkt der Streikführer). Überfüllte Räume gehören dank Raumänderungen und schneller Abgänger spätestens seit der dritten Semesterwoche der Vergangenheit an. Auch im vergangenen Sommer tat sich im Zusammenhang mit diesem Projekt wenig hier am Rhein. In Bonn scheint man zufrieden, teilweise auch mit dem, was aus den Studiengebühren gemacht wird.
Ich habe die 68ziger Proteste miterlebt. In Berlin und Marburg.
Fand sie damals reichlich unpassend, weil ich nicht verstand, gegen was da protestiert wird. Das war ja nicht nur die völlig versteinerte Uni, sondern die versteinerte Gesellschaft.
Dann habe ich dreissig Jahre Studenten ausbildet und mich immer wieder gewundert, wie wenig protestiert wurde,. Man nahm die Strukturen hin, auch wenn sie schlecht waren. Da jobbte man eben,studierte länger, aber Professoren auf den Pott setzen, die deutlich und sträflich ihre Pflichten verletzten, das machte man nicht. Man kümmete sich um seinen Abschluss und weg war man.
Veränderung als Bohren dicker Bretter kam nicht in Frage. Also blieb auch vieles beim alten.
Trotz aller Reform ist die Lehre immer noch das Stiefkind. Anerkennung bekommt der Professoren über Forschung und Drittmittel.
Studenten sind ein lästiges Übel.Das gilt natürlich nicht allgemein, aber tritt immer wieder und viel zu viel auf.
Es ist gut, dass durch Evalutationssysteme und den Protest dies auf den Prüfstand kommt.
Bei der heutigen Bildungsdiskussion werden unterschiedliche Zielvorgaben gemacht, die auf widersprüchliche Erwartungen treffen.
Statistisch gesehen werden ständig mehr Abiturienten und damit auch Studenten "produziert". Das könnte darauf hindeuten, dass das Niveau in beiden Bereichen sinkt.
Im 19.Jahrhundert konnte man lesen - in Festausgaben -, dass das Ziel des Gymnasiums sei, den Gymnasiasten selbständiges Denken und wissenschaftliches Arbeiten anzugewöhnen. Dieses Ziel haben nun die Universitäten.
Auf der anderen Seite erwarten die Abiturienten vom Studium "die große Freiheit". Als die Ausbildungsstätten für den gehobenen öffentlichen Dienst in "Fachhochschulen" umbenannt wurden, war die Durchfallquote im Anschluss an das Grundstudium zunächst erheblich. Die nunmehr "Studenten" genannten Anwärter widmeten sich mehr der "großen Freiheit" der "schönen Studentenzeit".
Bei der damaligen Oberstufenreform wurden mit der Wahlmöglichkeit einige Aspekte des "Universitätsstudiums" auf das Gymnasium "vorverlegt". Deshalb erscheint die im Bacherlorstudium vorgeschriebene Fächerwahl und Anwesenheitspflicht manchen wohl als kontraproduktiv - "unstudentisch".
Wenn auch hier manchmal die didaktischen Ferrtigkeiten der Professoren - es gibt ja auch zahlreiche Tutorien - angezweifelt werden, so hab ich es noch nie erlebt, dass eine unzureichende Literaturliste zur Verfügung gestellt wurde. Eigentlich sind die Studienbedingungen - wenn man sich aufs Studium konzentriert - nicht schlecht.
Ich habe dieses Jahr mein Studium an einer Thüringer Hochschule begonnen, und habe noch keine Anzeichen von Protestaktionen mitbekommen.
Mit dem Bachelor und Master System, bin ich sehr zufrieden. Das System ermöglicht mir, nach dem Bachelor einen fachabweichenden Master zu machen. Somit habe ich auch die Möglichkeit, meinen Horizont individuell zu erweitern und meine berufliche Zukunft selbst zu gestalten.
An meiner Hochschule sind keine überfüllten Seminarräume zu finden.
Das Problem der "überfüllten" Räumlichkeiten, rührt nicht unbedingt von den Hochschulen, sondern von den Studierenden und den angehenden Studierenden, welche sich leider, fest entschlossen, auf bestimmte Studienorte (meistens Großstädte) beschränken und keinen Blick "über den Tellerrand" bzw. in die kleineren Städte, die auch interessante Studienmöglichkeiten bieten, riskieren.
Die Studienbedingungen sind, meines Erachtens nach, nicht schlecht.
Eins scheint angesichts der bereits verfassten Kommentare klar zu sein: Wenn es tatsächlich keine Protestkultur gibt, dann zeigt sichs so.
Ich selbst habe an Teilen der Proteste teilgenommen, die dieser Tage stattfanden, weil mir die gewaltfreie Streitkultur gefiel. Angesichts des breiten Verdrusses, sich in irgendeiner Form politisch zu engagieren, halte ich die Proteste für ein gutes Zeichen.
Dass dem mit gutbürgerlichem Optimismus begegnet wird, der mehrerlei sagt: 1. Hat es alles schon gegeben, 2. Klappt nicht; das wundert mich wenig. Insbesondere hier. Aber unter dieser Perspektive wurde die "Debatte" hier schließlich auch angestoßen.
Nun zur eigentlichen inhaltlichen Frage: Sind die Proteste berechtigt? - Das sind sie.
- Studiengebühren sind nicht nur ungerecht, sie erlauben faktisch den Ländern den Rückzug aus der Bildungsfinanzierung, indem Personalkosten aus ihnen gedeckt werden
- selbst wenn sie nicht ungerecht wären, bestünde kaum Transparenz ob ihrer Verwendung
- Dank des Hochschulfreiheitsgesetzes werden Unis wie Unternehmen geführt, zum Schaden exotischer Fächer -- das führt zu Gleichmacherei zwischen den Universitäten, die der deutschen Forschungslandschaft schadet
- Universitäten sind in Deutschland weniger demokratisch organisiert als die meisten Aktiengesellschaften
- Der Bolognaprozess hat seine Ziele in Deutschland verfehlt
- Der BA wird auf dem Markt nicht als äquivalenter Abschluss zu früheren akzeptiert, MA-Studienplätze sind begrenzt
Diese Argumente höre ich dieser Tage an jeder Ecke. Doch wo sind die Belege dafür? Warum sind Studiengebühren ungerecht? Niemand konnte mir bisher die Ungerechtigkeit erklären. Dass das Zahlen einer so hohen Summe schmerzt, ist klar. Aber umgerechnet 120 Euro im Monat für ein Studium sind in diesem wohlhabenden Land ja wohl noch machbar. Man muss, so glaube ich, wirklich auf den Kopf gefallen sein, um aufgrund solcher Summen und trotz der gegebenen Finanzierungsmöglichkeiten, sich dann gegen ein Studium zu entscheiden. Hinzu kommt, dass der Bolognaprozess in anderen Ländern exzellent funktioniert. Man müsste einfach in Deutschland noch einmal in sich gehen und schauen, was schief gelaufen ist und nicht gleich alles über Bord werfen. Denn ich danke gerne jedem Protestler persönlich, wenn ich bald auf der Straße stehe und keinen Job finde, weil bald wieder das Diplom eingeführt wird und ich leider auf BA studiere. Echte Quellen für eine angebliche Abneigung von Arbeitgebern gegenüber den neuen Abschlüssen habe ich zudem noch nirgends gesehen. Das wäre außerdem auch Quatsch, denn frühere Abschlüsse sind ein Auslaufmodell und bald kann ein Arbeitgeber einfach nicht anders, als BA- und MA-Abgänger zu übernehmen, wenn er überhaupt noch Akademiker haben will, die übrigens in der freien Wirtschaft immer mehr als zu kompliziert und zu theoretisch gelten. Aber wie dem auch sei, die Forderungen der Streikenden sind teilweise berechtigt, in vielen Punkten aber utopisch und falsch!
Diese Argumente höre ich dieser Tage an jeder Ecke. Doch wo sind die Belege dafür? Warum sind Studiengebühren ungerecht? Niemand konnte mir bisher die Ungerechtigkeit erklären. Dass das Zahlen einer so hohen Summe schmerzt, ist klar. Aber umgerechnet 120 Euro im Monat für ein Studium sind in diesem wohlhabenden Land ja wohl noch machbar. Man muss, so glaube ich, wirklich auf den Kopf gefallen sein, um aufgrund solcher Summen und trotz der gegebenen Finanzierungsmöglichkeiten, sich dann gegen ein Studium zu entscheiden. Hinzu kommt, dass der Bolognaprozess in anderen Ländern exzellent funktioniert. Man müsste einfach in Deutschland noch einmal in sich gehen und schauen, was schief gelaufen ist und nicht gleich alles über Bord werfen. Denn ich danke gerne jedem Protestler persönlich, wenn ich bald auf der Straße stehe und keinen Job finde, weil bald wieder das Diplom eingeführt wird und ich leider auf BA studiere. Echte Quellen für eine angebliche Abneigung von Arbeitgebern gegenüber den neuen Abschlüssen habe ich zudem noch nirgends gesehen. Das wäre außerdem auch Quatsch, denn frühere Abschlüsse sind ein Auslaufmodell und bald kann ein Arbeitgeber einfach nicht anders, als BA- und MA-Abgänger zu übernehmen, wenn er überhaupt noch Akademiker haben will, die übrigens in der freien Wirtschaft immer mehr als zu kompliziert und zu theoretisch gelten. Aber wie dem auch sei, die Forderungen der Streikenden sind teilweise berechtigt, in vielen Punkten aber utopisch und falsch!
Diese Argumente höre ich dieser Tage an jeder Ecke. Doch wo sind die Belege dafür? Warum sind Studiengebühren ungerecht? Niemand konnte mir bisher die Ungerechtigkeit erklären. Dass das Zahlen einer so hohen Summe schmerzt, ist klar. Aber umgerechnet 120 Euro im Monat für ein Studium sind in diesem wohlhabenden Land ja wohl noch machbar. Man muss, so glaube ich, wirklich auf den Kopf gefallen sein, um aufgrund solcher Summen und trotz der gegebenen Finanzierungsmöglichkeiten, sich dann gegen ein Studium zu entscheiden. Hinzu kommt, dass der Bolognaprozess in anderen Ländern exzellent funktioniert. Man müsste einfach in Deutschland noch einmal in sich gehen und schauen, was schief gelaufen ist und nicht gleich alles über Bord werfen. Denn ich danke gerne jedem Protestler persönlich, wenn ich bald auf der Straße stehe und keinen Job finde, weil bald wieder das Diplom eingeführt wird und ich leider auf BA studiere. Echte Quellen für eine angebliche Abneigung von Arbeitgebern gegenüber den neuen Abschlüssen habe ich zudem noch nirgends gesehen. Das wäre außerdem auch Quatsch, denn frühere Abschlüsse sind ein Auslaufmodell und bald kann ein Arbeitgeber einfach nicht anders, als BA- und MA-Abgänger zu übernehmen, wenn er überhaupt noch Akademiker haben will, die übrigens in der freien Wirtschaft immer mehr als zu kompliziert und zu theoretisch gelten. Aber wie dem auch sei, die Forderungen der Streikenden sind teilweise berechtigt, in vielen Punkten aber utopisch und falsch!
wenn auch kein Guter.
in den hier geschrieben Zeilen wird sehr abstrakt diskutiert. Vielleicht lässt sich der Unmut mancher Beteiligter aber besser verstehen, wenn Einzelfälle geschildert werden.
Meine Meinung ist, dass wir Bildung nicht zu einem Konsumgut machen dürfen - damit verdrängen wir sie aus dem Bereich sozialer und kultureller Festigung.
Ich bin ein Bachelor-Absolvent des letzten Jahres in Philosophie und habe erfahren, dass besonders in den geisteswissenschaftlichen Fachbereichen der Bologna-Prozess die dem motivierten Studenten die Eigendynamik nimmt. Man kann derartige Fächer nicht in einer "mathematischen" Struktur studieren und sie bringen auch keine Absolventen hervor, die dem Arbeitsmarkt und der Wirtschaftslandschaft entsprechen. Sie bringen eher Menschen als Arbeiter hervor. Und das ist wichtig! Aber wohl nicht für jene, die Wachstum proklamieren. Denn sowohl der Bologna-Prozess als auch die Studiengebühren machen Universitäten zu Wissensfabriken - und ihre Studenten zu Spekulanten. Was wenn ich mich im kulturellen Sinne bilden will und weiß, dass ich eine finanziell gesicherte Berufslaufbahn sowohl hinsichtlich meiner Einstellung als auch meiner Fachwahl ausschließen kann? Dann habe ich an heutigen Universitäten nichts verloren?
- Und von wegen Studiengebühren: die Ungerechtigkeit liegt in der Verwendung der Gelder! Ich kenne eine Menge haarsträubender Beispiele...
Und dann kann man die Kontraproduktivität der Exzellenz-Initiativen gleich noch dazu...
aus ihrem Kommentar entnehme ich dass sie die 120 Euro entweder von ihren Eltern gezahlt bekommen, von ihren Großelten unterstüzt werden oder im Lotto gewonnen haben. Denn 120 Euro im Monat sind eben nicht unbedingt für jeden machbar. Denn irgendwer muss noch die Studentenbude, die Literatur und den Lebensunterhalt finanzieren. Nebenjob? Tja, wenn die Zeit es erlaubt bzw. der Job überhaupt vorhanden ist.
Und obendrein, wenn ich für etwas bezahle würde ich auch gerne wissen welcher Gegenwert mir zusteht. Aber wem erzähle ich dass, sie sind sicherlich Student oder Hochschulabsolvent und wissen wovon sie reden. Oder?
sind viel geld. das ist mehr, als dem durchschnittlichen studenten für seine ernährung übrig bleibt. in nicht allen studiengängen lässt sich das ganze studium über nebenher arbeiten (in natur und ingenieurswissenschaften haben sie dazu im grundstudium in der regel keine zeit).
sie haben natürlich recht, die reform bietet auch massive vorteile, welche stärker ausgebaut eigentlich ein besseres system schaffen. beispiel modularisierung. wenn der ökononom zusätzlich zu seinre betriebswirtler noch ein, zwei module einer anderen wissenschaft lernt, so versteht er anschliessend die ingenieure deren produkte er verkauft besser. mit anderen worten: man kann durch die modularisierung eine deutlich höhere breite des studiums auch nachweisen. dazu müssten die studienbedingungen vielleicht leicht gelockert werden, allerdings wäre der schritt zurück zum diplom wohl einer zurück. es sei denn, der diplomstudiengang würde zusätzlich eingeführt als direkter weg zum master oder als umbenennung eines der abschlüsse.
was die abwertung der abschlüsse anbelangt, so bestätigen sie jene, welche sie eigentlich widerlegen möchten. immerhin bräuchten sie keine angst um ihren ba zu haben, wäre der ba tatsächlich gleichwertig. ich halte die akzeptanz für eine frage der zeit, die qualität aber ist von den hochschulen abhängig - auch die müssen diese abschlüsse aufwerten.
wenn auch kein Guter.
in den hier geschrieben Zeilen wird sehr abstrakt diskutiert. Vielleicht lässt sich der Unmut mancher Beteiligter aber besser verstehen, wenn Einzelfälle geschildert werden.
Meine Meinung ist, dass wir Bildung nicht zu einem Konsumgut machen dürfen - damit verdrängen wir sie aus dem Bereich sozialer und kultureller Festigung.
Ich bin ein Bachelor-Absolvent des letzten Jahres in Philosophie und habe erfahren, dass besonders in den geisteswissenschaftlichen Fachbereichen der Bologna-Prozess die dem motivierten Studenten die Eigendynamik nimmt. Man kann derartige Fächer nicht in einer "mathematischen" Struktur studieren und sie bringen auch keine Absolventen hervor, die dem Arbeitsmarkt und der Wirtschaftslandschaft entsprechen. Sie bringen eher Menschen als Arbeiter hervor. Und das ist wichtig! Aber wohl nicht für jene, die Wachstum proklamieren. Denn sowohl der Bologna-Prozess als auch die Studiengebühren machen Universitäten zu Wissensfabriken - und ihre Studenten zu Spekulanten. Was wenn ich mich im kulturellen Sinne bilden will und weiß, dass ich eine finanziell gesicherte Berufslaufbahn sowohl hinsichtlich meiner Einstellung als auch meiner Fachwahl ausschließen kann? Dann habe ich an heutigen Universitäten nichts verloren?
- Und von wegen Studiengebühren: die Ungerechtigkeit liegt in der Verwendung der Gelder! Ich kenne eine Menge haarsträubender Beispiele...
Und dann kann man die Kontraproduktivität der Exzellenz-Initiativen gleich noch dazu...
aus ihrem Kommentar entnehme ich dass sie die 120 Euro entweder von ihren Eltern gezahlt bekommen, von ihren Großelten unterstüzt werden oder im Lotto gewonnen haben. Denn 120 Euro im Monat sind eben nicht unbedingt für jeden machbar. Denn irgendwer muss noch die Studentenbude, die Literatur und den Lebensunterhalt finanzieren. Nebenjob? Tja, wenn die Zeit es erlaubt bzw. der Job überhaupt vorhanden ist.
Und obendrein, wenn ich für etwas bezahle würde ich auch gerne wissen welcher Gegenwert mir zusteht. Aber wem erzähle ich dass, sie sind sicherlich Student oder Hochschulabsolvent und wissen wovon sie reden. Oder?
sind viel geld. das ist mehr, als dem durchschnittlichen studenten für seine ernährung übrig bleibt. in nicht allen studiengängen lässt sich das ganze studium über nebenher arbeiten (in natur und ingenieurswissenschaften haben sie dazu im grundstudium in der regel keine zeit).
sie haben natürlich recht, die reform bietet auch massive vorteile, welche stärker ausgebaut eigentlich ein besseres system schaffen. beispiel modularisierung. wenn der ökononom zusätzlich zu seinre betriebswirtler noch ein, zwei module einer anderen wissenschaft lernt, so versteht er anschliessend die ingenieure deren produkte er verkauft besser. mit anderen worten: man kann durch die modularisierung eine deutlich höhere breite des studiums auch nachweisen. dazu müssten die studienbedingungen vielleicht leicht gelockert werden, allerdings wäre der schritt zurück zum diplom wohl einer zurück. es sei denn, der diplomstudiengang würde zusätzlich eingeführt als direkter weg zum master oder als umbenennung eines der abschlüsse.
was die abwertung der abschlüsse anbelangt, so bestätigen sie jene, welche sie eigentlich widerlegen möchten. immerhin bräuchten sie keine angst um ihren ba zu haben, wäre der ba tatsächlich gleichwertig. ich halte die akzeptanz für eine frage der zeit, die qualität aber ist von den hochschulen abhängig - auch die müssen diese abschlüsse aufwerten.
Das mag nun außerdem auch etwas zynisch klingen: Aber es ist ausgesprochen dreist, dass sich nun ein Teil meiner Kommilitonen zu diesem Streik aufgerufen fühlen und teilweise Kostenlosigkeit fordern, während in vielen Regionen der Welt ein Schulabgänger gar nicht erst davon träumen kann, studieren gehen zu dürfen. Diese Gesellschaft hat Probleme, das sehe ich, wie die linke Politszene, die den Streik anführt, doch ihr größtes ist Verwöhntheit. Kostenloses Essen in der Mensa, Bafög für alle... wann fordert man noch Taschengeld für den Studiosus? Ich frage mich einfach, wer das bezahlen soll und wozu so eine Kultur der Leichtfinanzierung durch den Staat führen soll.
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