Studenten Zaghafter Protest im NetzSeite 2/2

Aus den Schwierigkeiten der deutschen Studenten mit dem Web 2.0 lässt sich allerdings keine generelle Internetmüdigkeit ableiten. Im sonst so web-affinen Kalifornien protestieren die Studenten gegenwärtig gegen die Erhöhungen der Gebühren an öffentlichen Hochschulen, doch ihr Engagement im Netz ist zaghaft. Die Follower-Zahlen der Twitter-Accounts steigen nur langsam und viele Protest-Websites bleiben auf eine regionale Reichweite beschränkt. Allerdings gibt es im universitären Umfeld deutlich professionellere Angebote als in Deutschland wie etwa den Daily Californian, die Hochschulzeitung der UC Berkeley.

Wie geht es nun weiter? Die im Social Web gut sichtbare Vernetzung der Standorte trägt ihren Teil zu einer Motivierung der Aktivisten bei, doch dies allein garantiert längst nicht die Fortsetzung der Proteste. Die traditionell flachen Hierarchien der Studentenproteste bringen selten Identifikationsfiguren hervor. Hinzu kommt die Zersplitterung der Zuständigkeiten in der Bildungspolitik. Sind die Proteste auf die zuständige Bundesministerin fokussiert, geraten andere Akteure wie die Kultusminister oder auch die Hochschulen selbst aus der Schusslinie.

Helfen könnte die für den 10. Dezember angesetzte Kultusministerkonferenz in Bonn: Gerade für die lockeren Zusammenschlüsse digitaler Bewegungen sind solche Zusammenkünfte der Adressaten des Protests wichtig. Die Orientierung auf einen fixen Termin erleichtert die konkrete Protestarbeit, Ideen können die "Zensursula"-Kampagne oder der Wahlkampf der Piratenpartei geben. Warum nicht einen Wettbewerb um die besten Protestaktionen vor Ort initiieren oder eine "Rekrutierungs-Rallye": welche Hochschule bringt die meisten Teilnehmer nach Bonn? Das Mobilisierungspotenzial der Social Media ist noch lange nicht ausgeschöpft.

 
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