Bologna-Reform, Bachelor und Master, straffe Stundenpläne und kaum noch Freizeit? War da was? Nicht im Spielfilmdebüt 13 Semester des Stuttgarter Regisseurs Frieder Wittich, 35. Wir schreiben das Jahr 2002. Momo (Max Riemelt) und sein Kumpel Dirk (Robert Gwisdek) haben gerade Abi gemacht und ziehen aus der brandenburgischen Provinz zum Studium ins hessische Darmstadt. Wirtschaftsmathematik ist das Fach ihrer Wahl. Voller Enthusiasmus blicken die beiden Schulfreunde auf den Beginn eines neuen Lebensabschnitts.

Im ersten Semester angekommen, zeigen sich schnell die grundverschiedenen Charaktere der beiden: Der strebsame Dirk findet schnell Anschluss und zieht bei Kommilitonen ein, aus der geplanten gemeinsamen WG der beiden Freunde wird nichts. Momo hingegen wird erst einmal an zahlreichen Wohnungstüren abgewiesen: "Ich weiß ja nicht, wo Du herkommst, aber das ist Darmstadt, Mann!" Schließlich zieht er zu dem etwas anstrengenden Frauenschwarm Bernd (Alexander Fehling) und verbummelt am Baggersee und auf Partys die Zeit mit ihm und Kommilitonin Kerstin (Claudia Eisinger), in die er sich natürlich verliebt.

Dirk konzentriert sich stattdessen auf das Studium und legt ein Tempo vor, bei dem Momo nicht mithalten kann. Als Dirk Momo schließlich aus der Lerngruppe schmeißt, gehen die beiden erst einmal getrennte Wege. Mithilfe seines indischen Freundes Aswin (Amit Shah) schafft Momo aber immerhin das Vordiplom, da ist er im fünften Semester. Zahlreiche Flirtversuche, ein Auslandssemester in Australien, eine waghalsige Geschäftsidee und die Abschlussprüfung liegen noch vor ihm. Am Ende wird alles gut: mit der Uni, der Karriere, den Frauen und der Freundschaft.

Vom Studentenleben wie es vielleicht sein soll, erzählen Wittich und Drehbuch-Autor Oliver Ziegenbalg, der selbst Wirtschaftsmathematik studiert hat, in so wunderbar sorglosen Bildern, dass man mit Momo kaum Mitleid haben mag, auch wenn er das ein oder andere Tal auf dem Weg zum Diplom durchschreitet. Dass es dabei meistens um Frauengeschichten und eine diffuse Angst vor der Zukunft geht, verleiht dem Film Authentizität, wenn er auch sonst ein wenig aus der Zeit gefallen daher kommt. Momo wirkt wie der letzte Langzeitstudent einer längst vergessenen Welt und die Uni wie eine Insel der Glückseligkeit.

Alles Zeitgeschichtliche habe man außen vor lassen wollen, sagt Regisseur Frieder Wittich im Interview mit ZEIT ONLINE. Die Bologna-Reform spielt hier für 100 Minuten keine Rolle. Wer dem Studium in seiner früheren Form nachtrauert oder es so nie erlebt hat, der wird an Wittichs Komödie Freude haben.