Gute Vorsätze"Eigenlob motiviert"

Im neuen Jahr endlich die Abschlussarbeit angehen und keine Vorlesung mehr schwänzen – Motivationsforscher Markus Deimann erklärt, wie man das schaffen kann. von 

Lernen kann Spaß machen. Manchmal muss man einfach nur anfangen

Lernen kann Spaß machen. Manchmal muss man einfach nur anfangen  |  © photocase/cydonna

ZEIT ONLINE : Herr Deimann, Sie forschen über Motivation. Zum Jahresanfang fassen auch Studenten wieder alle möglichen guten Vorsätze. Was kann man tun, um diese in die Tat umzusetzen?

Markus Deimann : Man sollte seine Vorsätze klug formulieren. Sie müssen den eigenen Fähigkeiten entsprechen, erreichbar sein. Sich vorzunehmen, in einem Semester zehn Scheine oder so und so viele Credit Points zu erlangen, ist vollkommen unrealistisch. So übernimmt man sich, am Ende erzeugt das nur Frust. Man sollte sich ehrlich fragen, was man wirklich schaffen kann. Es ist besser, wenig zu machen, das aber gründlich.

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Markus Deimann
Markus Deimann

Dr. Markus Deimann ist als wissenschaftlicher Assistent an der FernUni Hagen im Bereich E-Education tätig. Sein Forschungsschwerpunkt ist Motivation. Für Studienanfänger und Studenten hat er einen Test entwickelt, mit dem sich ein detailliertes Profil zum Studienverhalten erstellen lässt. Über Motivationsstrategien hat er das Buch "Besser wollen" (Apertus Verlag) geschrieben.

ZEIT ONLINE : Welche Tricks gibt es?

Deimann : Es hilft, die Vorsätze so konkret zu formulieren, dass sie sich irgendwann automatisieren. Zum Beispiel: Jeden Montag um neun Uhr möchte ich an meinem Schreibtisch sitzen und arbeiten. Das kann man sich auch auf einen Zettel schreiben und an den Kühlschrank hängen. Nach einer gewissen Zeit hat das den Effekt, dass man am Montagmorgen gar nicht mehr darüber nachdenkt, was man tun soll, sondern einfach anfängt. Genauso wie wenn man beim Autofahren vom zweiten in den dritten Gang schaltet.

ZEIT ONLINE : Vorsätze wie "Ich will bessere Noten schreiben und mehr lernen" bringen also nichts?

Deimann : Solche Vorsätze können sehr unmotivierend sein. Konkrete Ziele haben den Vorteil, dass man sie auch steigern kann wenn man merkt, dass man mehr schaffen kann.

ZEIT ONLINE : Unter Studenten ist Aufschieben ja weit verbreitet . Wie kann man es in den Griff bekommen, wenn man die Abgabe der Hausarbeit oder die Anmeldung zur Prüfung immer wieder aufschiebt?

Leserkommentare
    • stoberl
    • 06. Januar 2010 14:30 Uhr

    Informatives Interview.
    Der Druck von außen, wie es Schüler von Lehren bekommen, ist während eines Studiums zunächst nicht vorhanden. Die Teilnahme an den Vorlesungen ist freiwillig und wird nicht auf Anwesenheit überprüft. In dieser Freiheit haben viele Studenten ihre Schwierigkeiten und neigen zu mangelnder Motivation. Hilfreich können Lerngruppen sein mit fest definierten Arbeitszeiten. So wird gegenseitig Druck ausgeübt.

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    ...wann haben Sie denn studiert? Vor einer Dekade Examen gemacht? "Druck von außen [...] zunächst nicht vorhanden" - hahahaaa! Entschuldigen Sie bitte, aber wenn ich das lese, neige ich zu hysterischem Gelächter. Seit "Credit Points" Bemessungsgrundlage für erbrachte Arbeitsleistung an deutschen Universitäten sind, herrscht dort allzu häufig eine rigide Anwesenheitspflicht, auch in den Vorlesungen. Die Anwesenheit wird kontrolliert durch Listen und mittels Prüfungen, die persönliche Anwesenheit voraussetzen! Mangelnde Motivation wegen zu viel Freizeit - ich kann nur hoffen, dass Sie diesen Kommentar aus mangelnder Kenntnis der Sachlage und nicht zu viel Zynismus wegen geschrieben haben.
    Nichts für ungut, aber dieses Interview ist gestohlene Zeit. Deshalb passt es sehr gut hier hin.

  1. ...wann haben Sie denn studiert? Vor einer Dekade Examen gemacht? "Druck von außen [...] zunächst nicht vorhanden" - hahahaaa! Entschuldigen Sie bitte, aber wenn ich das lese, neige ich zu hysterischem Gelächter. Seit "Credit Points" Bemessungsgrundlage für erbrachte Arbeitsleistung an deutschen Universitäten sind, herrscht dort allzu häufig eine rigide Anwesenheitspflicht, auch in den Vorlesungen. Die Anwesenheit wird kontrolliert durch Listen und mittels Prüfungen, die persönliche Anwesenheit voraussetzen! Mangelnde Motivation wegen zu viel Freizeit - ich kann nur hoffen, dass Sie diesen Kommentar aus mangelnder Kenntnis der Sachlage und nicht zu viel Zynismus wegen geschrieben haben.
    Nichts für ungut, aber dieses Interview ist gestohlene Zeit. Deshalb passt es sehr gut hier hin.

    • bibber
    • 06. Januar 2010 15:38 Uhr

    Vielleicht hilft es ja auch, wenn man sich ganz normal fragt, warum man das tut und was man dadurch erreichen will. Die Frage nach den Zielen eben, und das regelmäßig jeden Tag.
    Wer noch so unreif ist, das für sich nicht beantworten zu können und dabei eine gewisse Vorfreude zu empfinden, sollte erstmal daran arbeiten, bevor ein Studium oder ähnliches angefangen wird. Ich konnte mir damals mit 25 Jahren nicht einmal vorstellen, in einem akademischen Beruf konkret tätig zu sein. Daher war es aus meiner heutigen Sicht kein Wunder, daß ich mein Studium abbrach, als es ernst wurde und Vordiplom etc. anstanden.

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    • Ranjit
    • 06. Januar 2010 15:42 Uhr

    "Wer noch so unreif ist, das für sich nicht beantworten zu können und dabei eine gewisse Vorfreude zu empfinden, sollte erstmal daran arbeiten, bevor ein Studium oder ähnliches angefangen wird."

    Dazu muss man sagen, dass unsere Wirtschaftswelt keinerlei Verständnis für Reifeprozesse hat. Je jünger desto besser. Wer erst später studiert bezahlt mit geringeren Chancen und weniger Gehalt.

    Böse formuliert könnte man sagen, dass die derzeitige Anforderung des Turbostudiums gerade reife und eigenständige Persönlichkeiten verhindern soll. Wer eine eigene Identität hat, der passt nicht in die Corporate Identity.

    • Ranjit
    • 06. Januar 2010 15:42 Uhr

    "Wer noch so unreif ist, das für sich nicht beantworten zu können und dabei eine gewisse Vorfreude zu empfinden, sollte erstmal daran arbeiten, bevor ein Studium oder ähnliches angefangen wird."

    Dazu muss man sagen, dass unsere Wirtschaftswelt keinerlei Verständnis für Reifeprozesse hat. Je jünger desto besser. Wer erst später studiert bezahlt mit geringeren Chancen und weniger Gehalt.

    Böse formuliert könnte man sagen, dass die derzeitige Anforderung des Turbostudiums gerade reife und eigenständige Persönlichkeiten verhindern soll. Wer eine eigene Identität hat, der passt nicht in die Corporate Identity.

    Antwort auf "Zielbewußtsein"
  2. Ich kann Bologna-Prozess, Umstellung auf Master-System u.Ä. nur begrüßen ... Ich habe 7 Jahre an deutschen Universitäten verschwendet und habe dafür letztendlich nur ein Vordiplom vorzuweisen (mich trennten nur noch 1 Schein, die Diplomarbeit und die Prüfung vom Diplom).
    Ein Jahr ging drauf, weil man im Falle dessen, das man die Richtung wechseln möchte, in Deutschland komplett von vorne anfangen muss (anders als etwa in den USA, wo auf dem College noch die Allgemeinbildung im Vordergrund steht und man den "Major" ohne weiteres wechseln kann).
    Ansonsten ist da der Mangel an jeglicher Struktur und eine deprimierende Sinnlosigkeit dessen, was man in der Mehrheit der Veranstaltungen erzählt bekommt (wobei es wenigstens die Ausnahme war, dass ein Professor offen zugab, keine Lust auf Lehre zu haben). Außerdem waren in diesem alten System die Noten durchweg irrelevant (in einem meiner Seminare wurden sie so vergeben: "Ich kann auf diese Gruppenreferate eigentlich keine validen Einzelnoten vergeben. Also passt auf: Ihr kriegt alle eine Zwei, wer was Besseres will, muss zum Kolloquium reinkommen."), außer bei den Prüfungen, wo dann 4 Jahre Wissen in 5 Fächern geballt abrufbereit sein sollte.
    Im Vergleich dazu ist das Bachelor/Master-System ein Segen. Zu dumm, dass es für mich zu spät kommt, ich werde mich anderweitig durchschlagen.
    Einem ZEIT-Artikel vor ein paar Wochen zufolge ist ja die Arbeitsmarktsituation für Akademiker sowieso desolat ...

  3. "Sich vorzunehmen, in einem Semester zehn Scheine...(..) bringt gar nichts..."

    So? Und was soll ich denn nun als Bachelorstudentin zu dieser Aussage sagen? Ich bin nun im dritten Semester und hatte bis jetzt jedes Semester 10 reguläre Prüfungen zu schreiben, wenn ich meinen Studienplan folgen möchte. Dazu kommen dann noch AWPF´s und FWPF´s (insg. 6 Stück) --> bei 7 Semester Regelstudienzeit sinds dann eben pro Semester 11 Prüfungen.
    Und jetzt kommt jemand daher und erzählt mir, dass es sowieso nichts bringt, sich das als Pensum vorzunehmen? Ja, da kann ich nur sagen: Ich habe es trotzdem geschafft! Wenn der Druck jedoch im Studium weiter zu nimmt, der Konkurrenzkampf um Praktikums-, Master-, und Arbeitsplätze weiter zunimmt, dann wird es wohl schon nächstes Semester nicht mehr zu schaffen sein und dann bleibt nur zu hoffen, dass man trotz Prüfungswiederholungen und Auslandssemster innerhalb der Höchsstudiendauer von nur 9 Semstern bleibt und nicht Zwangsexmatrikuliert wird, nur weil man neben dem Studium gearbeitet hat und/oder etwein Leben außerhalb der Uni gehabt hat. Zu Zeiten des Diplom, war es kein Problem links und rechts den Weg zu erkunden, was anderes zu sehen und vielleicht seinen Platz in der WElt zu finden. Nun aber, hetzt man durch das Studium und steht anschließend mit einem Abschluss in der Tasche da, der von vielen Firmen nicht anerkannt bzw. als minderwertig anerkannt wird und hat nun nicht mal einen sicheren Platz um den Master draufzusetzen.

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  • Schlagworte Student | Alltag | Internet
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