Überforderung, Geldprobleme, Unlust und harte Prüfungen. Studienberaterin Annett Göhmann-Ebel spricht im Interview über die Gründe, der Uni vorzeitig den Rücken zu kehren.

ZEIT ONLINE : Frau Göhmann-Ebel, sie leiten die Psychosoziale Beratungsstelle des Studentenwerks Göttingen . Können Sie aus Ihrer Erfahrung die Ergebnisse der HIS-Studie bestätigen, wonach Studenten vor allem wegen Überforderung, finanzieller Probleme und mangelnder Motivation ihr Studium abbrechen?

Annett Göhmann-Ebel : Ja. An erster Stelle in der Beratung steht die Leistungsproblematik. Oft sind eine nicht bestandene Klausur oder Hausarbeit die Anlässe, sich mit der eigenen Situation auseinander zu setzen und sich professionelle Hilfe zu holen. Wir haben aber keine Zahlen darüber, wer dann sein Studium tatsächlich abbricht.

ZEIT ONLINE : Auch finanzielle Gründe spielen offenbar eine große Rolle für den Entschluss, der Uni den Rücken zu kehren.

Göhmann-Ebel : Damit sind wir häufig konfrontiert. Die zeitliche Struktur des Bachelors lässt es einfach nicht zu, an der eigenen wirtschaftlichen Situation etwas zu ändern. Die Studiengebühren spielen dabei natürlich auch eine Rolle.

ZEIT ONLINE : Motivationsprobleme nannten die befragten Studenten auch oft.

Göhmann-Ebel : Die nennen Studenten häufig. Dahinter kann aber alles Mögliche stecken: psychische Konflikte, äußere Bedingungen. Wir arbeiten dann daran herauszufinden, welche flankierenden Maßnahmen sinnvoll sind. Das kann eine Psychotherapie sein, aber auch ein Kurs zu Arbeitstechniken. Und die grundsätzliche Klärung, ob das Fach das richtige ist.

ZEIT ONLINE : Welche Beratungsangebote gibt es bei Ihnen für Studenten, die sich mit dem Gedanken tragen, das Studium abzubrechen oder den Beschluss sogar schon gefasst haben?

Göhmann-Ebel : Wir schauen zunächst, welche Rolle persönliche Konflikte oder die individuelle Studiensituation beim Prüfungsversagen spielen: Ob wirklich ein Leistungsproblem dahinter steckt. Dann: Wie ist der Leistungsstand, wie war die Vorbereitung? Hatte der Student genügend Motivation, hatte er die richtigen Arbeitstechniken? Schlechte Noten, eine nicht geschaffte Hausarbeit, aber auch Kränkungen durch Dozenten verbergen sich häufig hinter den Problemen.

ZEIT ONLINE : Wie viel Zeit nimmt es in Anspruch, Bilanz zu ziehen?

Göhmann-Ebel : Wir haben eine Richtschnur von bis zu zehn Sitzungen pro Student, häufig reichen drei bis vier Stunden.

ZEIT ONLINE : Was tun Sie, damit es sich jemand vielleicht doch noch anders überlegt?