Noch vor einem Jahr schlief Felix Lamouroux, 28, im Urlaub meistens in Jugendherbergen. Dann hatte er seinen Rucksack dabei, und eine kleine Digicam. Wenn er mal weiter weg wollte, raus aus seiner Kölner Studentenbude, verglich er die Angebote der Billigairlines. Und wenn er am Monatsende auf sein Konto schaute, bekam er manchmal einen Schrecken. Ein ganz normales Studentenleben eben.

Heute ist fehlendes Geld für Felix kein Thema mehr. "Ich habe genug", sagt er. Wie viel genug ist, das will er nicht sagen. Aber Felix verreist gerne weit, und das kann er sich nun leisten. Für eine Reise nach Neuseeland hat er sich vor Kurzem eine Spiegelreflexkamera gekauft, so eine wie er sie schon lange haben wollte. In Jugendherbergen schläft er nicht mehr, und in die BWL-Vorlesung geht er auch nicht mehr. Seine Promotion hat er geschmissen.

Stattdessen sitzt Felix jetzt in einem eigenen Büro in einem riesigen Gebäude aus viel Glas am Rhein. Vom Fenster aus blickt er herab auf Microsoft und Electronic Arts, und wenn er den Kopf ein wenig verdreht, kann er Adobe sehen. Felix programmiert Apps und kam damit über Nacht zu Geld. App ist die Abkürzung für Application, Anwendung. Im Prinzip kann sie jeder entwickeln und im App Store, der Internetplattform für das iPhone von Apple, verkaufen. "Ich habe mir die Programmiersprache selbst beigebracht und eigentlich nur so zum Spaß entwickelt", sagt Felix. "Plötzlich habe ich damit Geld verdient."

Für junge Software-Entwickler und Studenten ist der Markt besonders verlockend. Man kann das eigene Produkt auf der ganzen Welt verkaufen und braucht nicht einmal Startkapital. Nur ein bisschen technische Ausrüstung und natürlich gute Ideen. Felix programmiert Navigationsapps. Offmaps und Trails heißen seine Anwendungen, mit ihnen kann man Karten offline nutzen, Wanderwege aufzeichnen und speichern. Das gab es so vorher noch nicht. Beide Programme gehören in Deutschland zu den meistverkauften Navigationsprogrammen.