Absolventen-Studie "Praktika sind wichtig, aber nicht alles"

Das Aneinanderreihen von Praktika bringt nichts, sagt Hochschulforscher Andreas Sarcletti im Interview. Für den Berufseinstieg zählen Noten, Fach und Studiendauer mehr.

Kontakte knüpfen - auch dazu sind Praktika gut

Kontakte knüpfen - auch dazu sind Praktika gut

ZEIT ONLINE: Sie haben sich in einer Studie mit Praktika und studentische Nebenjobs beschäftigt. Wie wichtig sind sie für einen gelungenen Einstieg in den Beruf?

Andreas Sarcletti: Praxiserfahrung ist ein wichtiger Faktor, aber nicht der entscheidende. Wichtiger sind die Abschlussnote, die Studiendauer und vor allem das studierte Fach. In einigen Bereichen haben diejenigen einen Vorteil, die schon eine fachnahe Berufsausbildung absolviert haben. Sie müssen sich im Studium nicht so sehr um Praxiserfahrungen bemühen.

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ZEIT ONLINE: In vielen Studienfächern gibt es kaum oder gar keinen Bezug zum Arbeitsleben. Sind Praktika für Studenten dieser Fächer nicht unverzichtbar?

Andreas Sarcletti
Andreas Sarcletti

Dr. Andreas Sarcletti hat an der Universität Bamberg Soziologie studiert und an dieser Hochschule auch promoviert. Für seine Studie "Zur Bedeutung von Praktika und studentischen Erwerbstätigkeiten für den Berufseinstieg" hat er die Daten von 4600 Absolventen bayerischer Universitäten und Fachhochschulen ausgewertet. Seit 2009 arbeitet er beim Hochschul-Informations-System (HIS) für das "Nationale Bildungspanel".

Sarcletti: Besonders in den Sozialwissenschaften und bei den Sprach- und Kulturwissenschaften sind Praktika wichtig, um überhaupt eine Vorstellung vom Arbeitsmarkt zu bekommen und sich beruflich zu orientieren. In den naturwissenschaftlichen Fächern hingegen sind Praktika weniger bedeutend. Die meisten Studenten in Biologie, Chemie oder Physik wollen promovieren und weiter im wissenschaftlichen Bereich arbeiten.

ZEIT ONLINE: Praktika und Nebenjobs dienen auch dem Knüpfen von Kontakten. Wie groß ist der Nutzen hier tatsächlich?

Sarcletti: Etwa ein Fünftel der offenen Stellen besetzen Unternehmen mit Absolventen, die sie bereits aus einem Praktikum oder von einem Nebenjob kennen.

ZEIT ONLINE: Praktikanten und Studenten, die nebenher jobben, lernen aber unterschiedlich viel, haben Sie festgestellt.

Leser-Kommentare
  1. Selig sei der, der sich hinter Bchern vergräbt und sich auf das "Wesentliche" konzentriert?
    Was bitte ist dend der Reiz eines Studiums wenn man dieses nur noch auf das stumpfe Bestehen von Klausuren in Regelstudienzeit reduziert? Sinn eines Studiums ist es doch herauszufinden was einen interessiert und vor Allem in der Arbeitswelt auszutesten wo die eigenen Stärken liegen. Dies ist nicht nur meine Meinung als Studentin, sondern die vieler Personalverantwortlicher in Unternehmen, die nicht müde werden uns zu predigen wie wichtig Praxiserfahrung und ein weiter Blick seien. Was Letzters angeht, haben auch Kellnern und Fließbandarbeit noch niemandem geschadet, denn das ist nunmal das echte Leben und funktioniert trotz eines Bachelorstudiums an einer der verschrienen Elite-Universitäten dieses Landes. Praktika, Studentenjobs, Auslandsaufenthalte etc. sind doch keine Unternehmungen, die man nur für den Lebenslauf betreibt, sondern weil sie den eigenen Horizont erweitern und Vorstellungen konkretisieren.
    Malen Sie doch unsere Situation bitte nicht schwärzer als sie ist!

  2. erzählen Sie das mal dem Bafög-Amt. "Bitte fördern Sie mich weiter, ich hab ein Praktikum gemacht". Ha. Ha. Wer aus der Regelstudienzeit rausfällt, ist am A****

    • lepkeb
    • 26.01.2010 um 22:58 Uhr

    Beitrag eines steueralimentierten dt. Akademikers (ala Prof. Sinn) der die Welt nur aus seinem Elfenbein sieht und sicherlich weiß, dass er dort mit seinem Abschluss nicht lebensfähig und Teil der Generation Praktikum wäre. Aber dies ist auch ein Erjenntnisgewinn.

    Hinweis an die Redaktion man promoviert nicht, sondern man wird promoviert.

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    • Acar
    • 28.02.2011 um 13:40 Uhr

    falsch, promovieren kann transitiv wie intransitiv verwendet werden.

    • Acar
    • 28.02.2011 um 13:40 Uhr

    falsch, promovieren kann transitiv wie intransitiv verwendet werden.

  3. Hätte gerne etwas zu angehenden Ingenieuren gelesen, denn ich denke, dass die Institution des sog. Werkstudenten hier eine ganz tolle Einrichtung ist.

    Mit diesem Konzept kann man fachnah, fair bezahlt viele interessante Einblicke in Unternehmen gewinnen und vom gegenseitigen Kennenlernen können am Ende beide Seite profitieren.

    Und zur Frage der ZEIT:
    Gute Noten, die Regelstudienzeit einhalten, Praktika machen, fachnah jobben und noch ins Ausland gehen – wie soll man das denn alles schaffen?

    Ich muss zwar ein Semester aufgrund meines Auslandsaufenthaltes an meinen Bachelor dran hängen, aber das sehe ich nicht so wild, da ich dank Wirtschaftskooperation nicht nur im Ausland studieren kann, sondern auch gleich ein passendes Praktikum absolviere. Ansonsten habe ich mir guten Leistungen immer parallel zum Studium als Werkstudent gearbeitet.

  4. Ääähmm... ja also ich bin mit Sicherheit kein Vorzeige-Student, habe weder Praktika noch kurze Studiendauer oder ansprechende Noten vorzuweisen.

    So gesehen wäre ich laut dem Artikel ziemlich am Ende. Für mich ist aber der Artikel bzw. das Interview eher am Ende und zwar von der Qualität.

    Welcher Bachelor-Student hat denn heute bitteschön noch Zeit für Praktikum bzw. kann es sich finanziell leisten vollzeit arbeiten zu gehen für einen Hungerlohn????

    Da lobe ich mir die studentischen Jobs oder Werkstudententätigkeiten, die zum einen besser bezahlt werden und zum anderen erfahrungstechnisch mindestens genauso wertvoll sind wie ein Praktikum!

    Die Einsichten des Herrn Dr. sind meiner bescheidenen Meinung nach absolut nicht mehr zeitgemäß für unsere heutiges - zugegebenermaßen extrem kränkelndes - Hochschul-/Bildungssystem.

    Für dieses Interview Daumen runter!

  5. Hinzufügen möchte ich noch zum Thema Studiendauer und Noten, dass ich es für sehr bedauerlich halte, dass viele Unternehmen diese beiden Kriterien heute noch als die Wichtigsten definieren.

    Warum? Ganz einfach weil Studenten häufig ohne Schuld eine längere Studiendauer in Kauf nehmen müssen, z.B. aufgrund von überfüllten Seminaren, kollidierende Kurse usw. Von den Noten ganz zu Schweigen. Jeder Student weiß, wie willkürlich die Dozenten teilweise ihre Noten vergeben. Nicht selten ist das Ergebnis verblüffend nah an der Wahrscheinlichkeitsverteilung eines Würfelexperiments!

    Kurzum: Noten und Studiendauer sagen rein gar nichts über die Absolventen aus. Weder über die Intelligenz, noch über die Arbeitswisse, das Fachwissen, schon gar nicht über ide persönlichen Fähigkeiten.

    Auch wenn es nicht zum Thema passt: Das gleiche Problem haben übrigens die meisten Master-Studiengänge auch, Stichwort Zulassungskriterium Bachelor-Note von < 2.5 !

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    • torec
    • 10.03.2010 um 21:42 Uhr

    Ich habe leider keinen Einblick, wie die Noten in den meisten Gesellschafts- und Sozialwissenschaften vergeben werden, aber nach meiner Erfahrung spiegeln die Noten im technischen/naturwissenschaftlichen Bereich doch meistens relativ gut das Können des jeweiligen Studenten wieder. Natürlich gibt es auch da "Willkür" und andere Ungereimtheiten, dies hält sich jedoch meiner Meinung nach in Grenzen ( -0,5 Notenpunkte)

    Aus meiner Erinnerung an das Abitur kann ich mir gut vorstellen, dass im sozialen Bereich o.ä. Noten nicht unbedingt allzu aussagekräftig sein müssen, ich würde jedoch davon absehen, alle Studienrichtungen an der Stelle über einen Kamm zu scheren.

    • torec
    • 10.03.2010 um 21:42 Uhr

    Ich habe leider keinen Einblick, wie die Noten in den meisten Gesellschafts- und Sozialwissenschaften vergeben werden, aber nach meiner Erfahrung spiegeln die Noten im technischen/naturwissenschaftlichen Bereich doch meistens relativ gut das Können des jeweiligen Studenten wieder. Natürlich gibt es auch da "Willkür" und andere Ungereimtheiten, dies hält sich jedoch meiner Meinung nach in Grenzen ( -0,5 Notenpunkte)

    Aus meiner Erinnerung an das Abitur kann ich mir gut vorstellen, dass im sozialen Bereich o.ä. Noten nicht unbedingt allzu aussagekräftig sein müssen, ich würde jedoch davon absehen, alle Studienrichtungen an der Stelle über einen Kamm zu scheren.

  6. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen und zwar hin vielerlei hinsicht.
    Man kann ein BWL, SozPäd oder gar ein Physik Studium nicht mit einem Ingenieursstudium vergleichen. Dann kann man nicht alle Branchen der Ingenieurswelt vergleichen. Da liegen Welten zwischen den einzelnen Zweigen und somit auch Welten zwischen den Anforderungen an den Absolventen. Wird beim einen Fach fast ausschließlich der Ing. gefragt, zählt beim anderen viel mehr die soziale Kompetenz, da er zwangläufig mit Menschen zu tun haben wird.
    Desweiteren: man kann nicht große Unternehmen -z.B. Siemens, BMW, etc- mit kleinen Unternehmen -<200 Mitarbeiter- vergleichen. Sicherlich gibt es überall "ausreisser", doch ist die Mentalität und der Bezug zum Einzustellenden ein ganz anderer.
    Ich möchte behaupten dass 2/3 aller Absagen nach einem Vorstellungsgespräch nicht an den Noten oder den Praktika liegen, sonder vielmehr an den ersten 20 Sekunden im Raum. Da trennt sich die Spreu vom Weizen, wenn der zwar vollkommen selbstsichere, aber doch schon arrogant wirkendene 1,0 Absolvent im Armani-Outfit in einer 200 Euro Duftwolke sich selber am liebsten reden hört. Und warum? Weil ihnen erzählt wird, ihnen läge die Welt zu Füßen und andere mit "schlechten" Noten würden ihnen Kaffee holen...auf dem Silbertablett, versteht sich.

  7. Die Disziplinen sind untereinander nur sehr eingeschränkt vergleichbar.
    Außerdem muss man differenzieren, ob der angehende Angestellte Karriere machen möchte, oder nur beschäftigt werden will.

    Möchte ich später einmal Führungskraft mit Personalverantwortung werden, reicht es nicht sich mit den Pflichtpraktika durch das Studium zu hangeln. Stattdessen braucht man ein Profil im Lebenslauf, was man durch entsprechende Kurse/Praktika nachweist. Außerdem bewirbt man sich nicht regional!

    Möchte ich später nur "Arbeit" finden, reichen die Pflichtpraktika. Frei nach der 15/85-Regel sind die anderen 85 % auch nicht besser und aus irgend einer Quelle muss das Unternehmen ja schöpfen.

    Meine Praktika waren immer bezahlt und das nicht zu knapp. Allerdings habe ich mich auch nicht zu blöd angestellt.

    Diejenigen, die sich über die "ach so unbedeutende" Notengebung aufregen sind meistens genau die Gestalten mit den schlechten Zensuren.
    Ein intelligenter Mensch weis, dass Personalverantwortliche keine Individualtests veranstalten können und deshalb auf die Noten schauen.
    Schlechtere Noten als 2 haben daher 2 mögliche Aussagen:
    Entweder die Person schafft es geistig trotz aller Anstrengungen nicht höher, oder die Person ist zu faul/dumm/arrogant ihre Leistungsreserven zu mobilisieren.

    Beide Möglichkeiten sind Ausschlusskriterien

    Wer sich mal den Staub aus den Augen wischen lassen möchte, dem empfehle ich die VDI Karriereberatung von Heiko Mell. Einfach bei Google suchen.

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