Junge palästinensische Brauerin Die Königin der Biere

Die Familie von Madees Khoury gründete die erste Brauerei in der Westbank. Madees soll den Betrieb einmal übernehmen. Mit einem Studium in Bayern bereitet sie sich vor.

Madees beim Bemalen von Fässern in der Brauererei der Familie

Madees beim Bemalen von Fässern in der Brauererei der Familie

Madees Khoury schiebt die schwere Eisentür auf, kontrolliert die Kisten und klopft ihrem Bruder auf die Schulter. Sie ist gerade mal 24, trägt dezentes Make-up, hat ihre Haare hochgesteckt. In Jeans und Sneakern läuft sie durch die Brauerei, als wäre es ihr Königreich. Eine einfache Industriehalle, ein Gabelstapler, ein paar Tanks, eine Abfüllmaschine. Mehr braucht es nicht für gutes Bier, finden die Khourys. Eines Tages wird Madees den Familienbetrieb übernehmen und die Chefin von Taybeh Bier sein.

Mit zehn Jahren faltete sie ihre ersten Kartons, nach der Schule ging sie zum Wirtschaftsstudium nach Boston, zurzeit macht sie ihren MBA an der Birzeit Uni in der Westbank. Bald will sie nach Deutschland, Diplombraumeisterin in Weihenstephan werden. "Wo sonst? Aber nur, wenn mich jemand in der Brauerei ablöst." Ohne Madees läuft hier mittlerweile kaum noch etwas. "Einer muss hier sein, ich oder Madees, sonst gibt es kein Bier", sagt ihr Vater Nadim.

Anzeige

Nadim Khoury ist mächtig stolz auf sein Lebenswerk: "Wir haben zwar kein eigenes Land, aber wir haben unser eigenes Bier." Die Hälfte davon verkaufen sie zu Hause, in der Westbank, 40 Prozent an Israel. Der Rest wird exportiert. 26 Khourys arbeiten hier täglich mit im Familienbetrieb. "Sogar meine Oma kam früher immer herunter, um die Pakete abzuzählen", sagt Madees.

Fragt man sie nach ihren persönlichen Zielen, kommt sie schnell auf das geplante Studium in Weihenstephan, auf Bildungsreisen für Bierbrauer und die Expansion des Geschäfts zu sprechen. "Ich würde auch gerne ausziehen", sagt sie. Direkt ins Dorf damit sie morgens pünktlich in der Brauerei sein kann. Es scheint, als gäbe es keinen Teil ihres Lebens, der nicht mit Bier getränkt ist. "Wenn man ein Familiengeschäft hat, ist alles damit verbunden."

Jeden Morgen gegen sieben Uhr beginnt der Tag für sie in der Brauerei. Nach Feierabend verbringt sie ihre Zeit mit der Familie, schaut amerikanische Serien wie Boston Legal, CSI oder Scrubs. Sie liest Brauereifachbücher ebenso gerne wie Romane. Auf ihrem iPod ist überwiegend arabische Musik gespeichert, sie hat mehr als 300 Freunde auf Facebook und abends geht sie gerne in Ramallah aus, meistens zu Kunden der Brauerei. Es komme auch schon mal, vor dass sie dann mitten in der Nacht nach ein paar Bieren kontrolliert, ob die Bar noch genug Taybeh Golden auf Lager hat.

Bis zu ihrem zehnten Lebensjahr lebte Madees in Boston. Dann entschied ihr Vater die erste Brauerei Palästinas zu eröffnen. Aus der amerikanischen Millionenstadt zog die Familie um die halbe Welt in ein Dorf mit weniger als 1500 Einwohnern. Ein Kulturschock? Madees empfindet das nicht so: "Es war ja nicht das erste Mal das wir nach Taybeh kamen. Wir haben schon vorher jeden Sommer hier verbracht, hatten einen Pool und Kabelfernsehen und gingen auf die besten Schulen in Ramallah." Arabisch konnte sie schon, nur fürs Lesen und Schreiben gab es Nachhilfe.

Ein kleiner Kulturschock traf sie erst viel später, als sie ihr Studium an der Uni Birzeit in der Westbank begann. "Ich war geschockt, wie viele Mädchen dort mit Kopftuch herumlaufen. In Boston hat niemand seinen Kopf bedeckt, wir sind manchmal im Pyjama zum Unterricht gegangen." Wenn sie heute zur Uni geht, sie macht nur zwei Kurse am Samstagnachmittag, überlege sie sich immer genau, was sie anzieht.

Leser-Kommentare
  1. Wann gibt es das in Deutschland?

    Möchte mal probieren!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • eras
    • 03.02.2010 um 17:53 Uhr

    ...sondern palästinensisches Bier. Und so ziemlich das Beste in der Region ist es auch noch. Wenn der Konflikt hier mit einer Bierbraumeisterschaft ausgetragen würde, dann hätten die Palästinenser klar die Oberhand. Israel kann zwar mit Goldstar und Knaan zwei gute Brauereien dagegensetzen, aber an Taybeh kommen die beiden nicht ran.

    Im Übrigen auch mal ein schönes Beispiel für die Mehrheit der Palästinenser, die nicht mit Terror und Vernichtung gegen Israels Existenz, sondern mit (oftmals harter) Arbeit für einen bescheidenen Wohlstand kämpfen.

    Unterstützenswert, wie ich finde. Und da es meiner Meinung nach in Deutschland durchaus vertrieben wird: Einfach mal danach fragen. Die palästinensische Wirtschaft zu stützen heisst, aktiv und in positiver Weise zur Konfliktlösung beizutragen. Genuss inklusive, was will man mehr...

    Im Sinne der Wahrheit darf man allerdings auch nicht verschweigen (oder hab ich das übersehen?), dass es sich hier (zumindest nach meinem Wissen) um eine christliche palästinensische Familie handelt. Im Hinblick auf die Kopftuch-Bemerkung ist das ja nicht uninteressant.

    • eras
    • 03.02.2010 um 17:53 Uhr

    ...sondern palästinensisches Bier. Und so ziemlich das Beste in der Region ist es auch noch. Wenn der Konflikt hier mit einer Bierbraumeisterschaft ausgetragen würde, dann hätten die Palästinenser klar die Oberhand. Israel kann zwar mit Goldstar und Knaan zwei gute Brauereien dagegensetzen, aber an Taybeh kommen die beiden nicht ran.

    Im Übrigen auch mal ein schönes Beispiel für die Mehrheit der Palästinenser, die nicht mit Terror und Vernichtung gegen Israels Existenz, sondern mit (oftmals harter) Arbeit für einen bescheidenen Wohlstand kämpfen.

    Unterstützenswert, wie ich finde. Und da es meiner Meinung nach in Deutschland durchaus vertrieben wird: Einfach mal danach fragen. Die palästinensische Wirtschaft zu stützen heisst, aktiv und in positiver Weise zur Konfliktlösung beizutragen. Genuss inklusive, was will man mehr...

    Im Sinne der Wahrheit darf man allerdings auch nicht verschweigen (oder hab ich das übersehen?), dass es sich hier (zumindest nach meinem Wissen) um eine christliche palästinensische Familie handelt. Im Hinblick auf die Kopftuch-Bemerkung ist das ja nicht uninteressant.

    • Juhlz
    • 03.02.2010 um 16:43 Uhr

    War letztes Jahr auf dem Oktoberfest in Taybeh und kann das Bier nur weiterempfehlen.

    • eras
    • 03.02.2010 um 17:53 Uhr

    ...sondern palästinensisches Bier. Und so ziemlich das Beste in der Region ist es auch noch. Wenn der Konflikt hier mit einer Bierbraumeisterschaft ausgetragen würde, dann hätten die Palästinenser klar die Oberhand. Israel kann zwar mit Goldstar und Knaan zwei gute Brauereien dagegensetzen, aber an Taybeh kommen die beiden nicht ran.

    Im Übrigen auch mal ein schönes Beispiel für die Mehrheit der Palästinenser, die nicht mit Terror und Vernichtung gegen Israels Existenz, sondern mit (oftmals harter) Arbeit für einen bescheidenen Wohlstand kämpfen.

    Unterstützenswert, wie ich finde. Und da es meiner Meinung nach in Deutschland durchaus vertrieben wird: Einfach mal danach fragen. Die palästinensische Wirtschaft zu stützen heisst, aktiv und in positiver Weise zur Konfliktlösung beizutragen. Genuss inklusive, was will man mehr...

    Im Sinne der Wahrheit darf man allerdings auch nicht verschweigen (oder hab ich das übersehen?), dass es sich hier (zumindest nach meinem Wissen) um eine christliche palästinensische Familie handelt. Im Hinblick auf die Kopftuch-Bemerkung ist das ja nicht uninteressant.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Kopftuchbemerkung ist bei genauerem hinsehen tatsächlich reichlich pikant. Sie soll anscheinend in die Irre leiten: Nicht die konfessionelle Prägung, so wird suggeriert, sondern Bildung im westlichen Ausland, ist der Hintergrund für die moderne Einstellung (und Erscheinung) von Frau Khoury.
    Die Angst vor einem tabufreien Diskrus über die Islamproblematik schwebt in der Unschärfe also auch über scheinbar unpolitschen Beiträgen wie diesem.

    • Prach
    • 08.02.2010 um 15:42 Uhr

    "Im Übrigen auch mal ein schönes Beispiel für die Mehrheit der Palästinenser, die nicht mit Terror und Vernichtung gegen Israels Existenz, sondern mit (oftmals harter) Arbeit für einen bescheidenen Wohlstand kämpfen."

    Aha, eine in den USA geborene Christin ist also ein Musterbeispiel fuer die hart arbeitenden Palästinenser. Und an den 80 % Arbeitslosigkeit sind nur die Israelis Schuld.

    Bei allem Respekt, vielleicht ist der Film über palästinensische Selbstmordattentäterinnen namens
    Shahida - Allahs Bräute auf Arte da aussagekräftiger...

    • Chayal
    • 08.02.2010 um 20:43 Uhr

    es ist eine christliche Familie. Und das 2000 Seelen Dorf Taybeh, in dem die in beiden Berichten beschriebene Bierbrauerei steht, ist die einzige verbliebene vollkommen christliche Ortschaft im Westjordanland – was die Zeit bewusst ungenannt lässt. Viele Christen sind, seit die judäischen Berge sich unter palästinensischer Herrschaft befinden, wegen Verfolgung aus dem Land geflohen. Es kam auch in Taybeh zu Anschlägen: Das Auto des Bürgermeisters wurde angezündet, er selbst wurde angeschossen, ein neues Einkaufszentrum wurde in Brand gesetzt. 2005 brannten 14 Häuser und die Brauerei wurde beinahe zerstört, nur weil ein Christ aus Taybeh eine Beziehung mit einer Muslimin aus dem Nachbardorf hatte. Die 16 umliegenden muslimischen Ortschaften stehen der Bierbrauerei aber sowieso feindlich gegenüber, weil Alkohol im Islam verboten ist. Anders sehen das die israelischen Juden, sie deklarierten die Brauerei als “koscher”. Alles Informationen, die im Zeit-Bericht fehlen.

    Kopftuchbemerkung ist bei genauerem hinsehen tatsächlich reichlich pikant. Sie soll anscheinend in die Irre leiten: Nicht die konfessionelle Prägung, so wird suggeriert, sondern Bildung im westlichen Ausland, ist der Hintergrund für die moderne Einstellung (und Erscheinung) von Frau Khoury.
    Die Angst vor einem tabufreien Diskrus über die Islamproblematik schwebt in der Unschärfe also auch über scheinbar unpolitschen Beiträgen wie diesem.

    • Prach
    • 08.02.2010 um 15:42 Uhr

    "Im Übrigen auch mal ein schönes Beispiel für die Mehrheit der Palästinenser, die nicht mit Terror und Vernichtung gegen Israels Existenz, sondern mit (oftmals harter) Arbeit für einen bescheidenen Wohlstand kämpfen."

    Aha, eine in den USA geborene Christin ist also ein Musterbeispiel fuer die hart arbeitenden Palästinenser. Und an den 80 % Arbeitslosigkeit sind nur die Israelis Schuld.

    Bei allem Respekt, vielleicht ist der Film über palästinensische Selbstmordattentäterinnen namens
    Shahida - Allahs Bräute auf Arte da aussagekräftiger...

    • Chayal
    • 08.02.2010 um 20:43 Uhr

    es ist eine christliche Familie. Und das 2000 Seelen Dorf Taybeh, in dem die in beiden Berichten beschriebene Bierbrauerei steht, ist die einzige verbliebene vollkommen christliche Ortschaft im Westjordanland – was die Zeit bewusst ungenannt lässt. Viele Christen sind, seit die judäischen Berge sich unter palästinensischer Herrschaft befinden, wegen Verfolgung aus dem Land geflohen. Es kam auch in Taybeh zu Anschlägen: Das Auto des Bürgermeisters wurde angezündet, er selbst wurde angeschossen, ein neues Einkaufszentrum wurde in Brand gesetzt. 2005 brannten 14 Häuser und die Brauerei wurde beinahe zerstört, nur weil ein Christ aus Taybeh eine Beziehung mit einer Muslimin aus dem Nachbardorf hatte. Die 16 umliegenden muslimischen Ortschaften stehen der Bierbrauerei aber sowieso feindlich gegenüber, weil Alkohol im Islam verboten ist. Anders sehen das die israelischen Juden, sie deklarierten die Brauerei als “koscher”. Alles Informationen, die im Zeit-Bericht fehlen.

  2. Der Artikel
    http://www.time.com/time/...
    war da wesentlich ehrlicher.
    Wurde hier abgeschrieben bzw. ein alter Artikel aus dem Ausland aufgewärmt?
    Dann sind aber wesentliche Tatsachen weggelassen...
    Und solche Nachwuchskräfte haben dann auch noch ein Stipendium von der Konrad-Adenauer-Stiftung?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Danke für den link zur "times"!
    Damit hat der "Zeit"-Artikel für mich ein "Gschmäckle".
    Ich gebe zu, soviel Fehlinformation hatte ich der "Zeit" nicht zugetraut....

    Möchte den Journalisten zurufen: Leute, werdet genauer und vor allem ehrlicher, im Zeitalter des Internets werden eure Lügen und Halbwahrheiten früher oder später enttarnt!

    Danke für den link zur "times"!
    Damit hat der "Zeit"-Artikel für mich ein "Gschmäckle".
    Ich gebe zu, soviel Fehlinformation hatte ich der "Zeit" nicht zugetraut....

    Möchte den Journalisten zurufen: Leute, werdet genauer und vor allem ehrlicher, im Zeitalter des Internets werden eure Lügen und Halbwahrheiten früher oder später enttarnt!

  3. ich habe es bereits vor drei Jahren probiert. Es bleibt zu hoffen, dass der Betrieb der christlichen Familie nicht zur Zielscheibe radikaler islamischer Gruppen wird.

  4. Kopftuchbemerkung ist bei genauerem hinsehen tatsächlich reichlich pikant. Sie soll anscheinend in die Irre leiten: Nicht die konfessionelle Prägung, so wird suggeriert, sondern Bildung im westlichen Ausland, ist der Hintergrund für die moderne Einstellung (und Erscheinung) von Frau Khoury.
    Die Angst vor einem tabufreien Diskrus über die Islamproblematik schwebt in der Unschärfe also auch über scheinbar unpolitschen Beiträgen wie diesem.

    Antwort auf "Nicht israelisches..."
    • Prach
    • 08.02.2010 um 15:42 Uhr

    "Im Übrigen auch mal ein schönes Beispiel für die Mehrheit der Palästinenser, die nicht mit Terror und Vernichtung gegen Israels Existenz, sondern mit (oftmals harter) Arbeit für einen bescheidenen Wohlstand kämpfen."

    Aha, eine in den USA geborene Christin ist also ein Musterbeispiel fuer die hart arbeitenden Palästinenser. Und an den 80 % Arbeitslosigkeit sind nur die Israelis Schuld.

    Bei allem Respekt, vielleicht ist der Film über palästinensische Selbstmordattentäterinnen namens
    Shahida - Allahs Bräute auf Arte da aussagekräftiger...

    Antwort auf "Nicht israelisches..."
    • Prach
    • 08.02.2010 um 16:29 Uhr

    ... und dort unter anderem folgende, doch recht aussagekräftige Zitate gefunden:

    Zur Familie:

    "they met open hostility from the 16 Muslim villages surrounding them"

    Zu den "Erlebnissen" mit den Muslimen:

    "In 2005, 14 homes were torched and the brewery nearly destroyed when a mob descended on Taybeh after a love affair between a Taybeh man and a Muslim woman from the neighboring village."

    Außerdem wurden noch Autos der Familienmitglieder angezündet bzw. Familienangehörige angeschossen - und zwar definitiv nicht von den Israelis, sondern von den eigenen Landsleuten.

    Wenn man sich schon von einem englischsprachigen Artikel "inspirieren" läßt, warum wird dann nicht die ganze Wahrheit geschrieben?

    Wer den obigen Artikel ohne Hintergrundinformationen liest, der könnte den Eindruck gewinnen, es ginge in den palästinensischen Gebieten seitens des Mehrheitsglaubens überaus tolerant zu - sogar Bier ist erlaubt. Leider spricht die Realität wohl eine andere Sprache, nämlich die der Fanatisierung und Intoleranz.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service