Stipendien Schauen, was den Studenten ausmacht

Bei der Studienstiftung können sich Studenten jetzt selbst um ein Stipendium bewerben. Kommissionsmitglied Kerstin Helfrich spricht im Interview über die Bewerberauswahl.

Mit einem Stipendium ist das Studium etwas entspannter

Mit einem Stipendium ist das Studium etwas entspannter

ZEIT ONLINE: Sie durften zum ersten Mal in der Auswahlkommission der Studienstiftung über die Aufnahme neuer Stipendiaten entscheiden. Für die Studenten hängt viel davon ab, ob sie aufgenommen werden oder nicht. Keine leichte Aufgabe, oder?

Kerstin Helfrich: Ich war auch etwas überrumpelt, als die Studienstiftung mich gefragt hat, ob ich Lust und Zeit hätte, bei den Auswahltagen in der Jury zu sitzen. Ich habe mir eine Stunde Bedenkzeit gegeben. Schließlich hat man ja eine ziemlich große Verantwortung, wenn man entscheidet, wer in den kommenden Jahren gefördert wird. Grundsätzlich sitzen in der Jury möglichst ein oder zwei aktuelle Stipendiaten, nicht nur Ehemalige. Letztendlich siegte aber bei mir die Neugierde, schließlich trifft man an diesen zwei Tagen bestimmt viele sehr interessante junge Menschen. Auf die Gespräche und Diskussionen hatte ich wirklich Lust.

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ZEIT ONLINE: Wie haben Sie sich auf die zwei Tage vorbereitet?

Helfrich: Ich habe mir überlegt, was ich in den Einzelgesprächen fragen könnte und wie ich das Gespräch vom Ablauf her gestalten möchte. Was mich interessiert, ist ja auch das, was die Studenten ausmacht, und wofür sie sich begeistern. Ein paar Vorgaben gab es auch von der Studienstiftung: Keine reine Wissensfragen. Und wir sollten die drei Bereiche Leistung, Initiative und Verantwortung abklopfen. Also herausfinden, ob jemand leistungsbereit ist, Selbstinitiative zeigt und Verantwortungsgefühl hat.

Kerstin Helfrich
Früher selbst Stipendiatin, jetzt in der Jury: Physik-Doktorandin Kerstin Helfrich

Früher selbst Stipendiatin, jetzt in der Jury: Physik-Doktorandin Kerstin Helfrich

ZEIT ONLINE: Wie macht man das?

Helfrich: Wenn jemand sich in irgendeiner Form engagiert, sei es als Schülersprecher oder als Mitglied bei amnesty international zeigt er Verantwortungsgefühl. Ich versuche dann in dem Gespräch abzuklopfen, ob jemand sich wirklich regelmäßig engagiert oder er nur zwei Mal im Jahr bei den Mitgliederversammlungen auftaucht. Um die Leistung zu prüfen, habe ich zum Beispiel den Studenten mit einem Thema konfrontiert, auf das er sich nicht vorbreiten konnte. Erzählen Sie mir etwas zum Gerechtigkeitsbegriff, habe ich einen Studenten aufgefordert. Da sollte man nicht total ins Schwimmen geraten. Es geht schließlich nicht um Wissen, sondern wir wollen sehen, wie jemand in einer Situation reagiert, die er nicht vorbereiten konnte.

ZEIT ONLINE: Wie liefen die zwei Tage ab?

Leser-Kommentare
    • Puzi
    • 16.02.2010 um 12:38 Uhr

    Vielleicht etwas präziser: Wer weniger als 27 von 3x10 Punkten bekommt fliegt. Wenn man eins versaut, wars das :)

    Ansonsten ist das Umfeld der Studenten sehr nett, 'inspirierend' sogar... Die beiden Tage sind trotzdem Stress pur, schließlich wollen die meisten das Stipendium haben, sei es weil sie es benötigen oder weil es im Lebenslauf sehr gut aussieht oder weil man damit zT 500 Euro pro Semester an Studiengebühren sparen kann.

    • Timo K
    • 16.02.2010 um 13:10 Uhr

    Soziales Engagement von sozial Benachteiligten zu forden, am liebsten im Ausland, mit genau so einer Haltung schliesst man "Bildungsferne" Schichten am geschicktesten aus.
    Möglichst exklusive Hobbies einfordern, wenn ich das so lese vergeht's mir...

    • Sted
    • 16.02.2010 um 13:53 Uhr

    Ich nur zustimmen. Ich selbst ein Mal die Erfahrung machen, bei so einem "Auswahlwochenende" teilzunehmen nachdem ich von der Fakultät vorgeschlagen wurde. Was Frau Helfrich sagt kann ich aber auch nur zum Teil bestätigen. Eine Frage aus einem fachfremden Bereich wurde mir nicht gestellt. Dafür aber von der VWL-Beauftragten im Einzelgespräch (es gibt 1 fachbezogenes und 1 nicht fachbezogenes sowie die Gruppendiskussion) wo ich mich denn in 10 Jahren sehe und ob ich mich denn irgendwann auch Mal gegen Widerstände und Sanktion für etwas eingesetzt hätte. Im fachspezifischen Bereich wurden 2 fachspezifische Fragen gestellt und dabei betont man solle keine Angst haben, es sei kein Wissenstest.

    Auslandsaufenthalte, spannende Hobbies? Ich habe selbst den eher bildungsfernen Hintergrund und konnte bei keinem dieser Kriterien etwas aufweisen. Hier kommt wieder der selbe Faktor ins Spiel, der schon ein Mal in einem Artikel der Zeit kritisiert wurde. Bildungsfern, ja gerne. Aber bitte doch mit den selben Qualifikationen wie alle anderen. Man ist ja Elite (was bei ca. jeder Rede der Verantwortlichen noch Mal betont wurde). Und gerade das ist bei Menschen mit bildungsfernem Hintergrund, wie Frau Hellfrich bestätigt, eher selten zu finden.

    Es war deshalb auch keine Überraschung für mich, dass ein Absageschreiben ins Haus kam. "Leider können wir Sie nicht aufnehmen [...] das hat die Auswahlkommission nach langer Diskussion entschieden." Genaue Angaben über die Punktzahl gab es nicht.

  1. 5. Naja,

    es hat nie wirklich jemand geglaubt ,dass ein halbherzig aufgezogenes Stipendiensystem funktionieren würde,zumal sich hier der Verdacht aufschiebt,dass dieses Stipendiatensystem nur erfunden wurde,um die soziale Abfederung der Studiengebühren zu rechtfertigen.

    Meine Hoffnungen liegt auf der NRW-Wahl.Und mit Genugtuung sehe ich ,dass die FDP sich gerade selbst zerlegt.

    Antwort auf "Tippfehler"
  2. 6. Naja,

    [...] Entfernt wegen Doppelposting. Die Redaktion/sh

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Sted
    • 16.02.2010 um 15:57 Uhr

    Der Eindruck drängt sich wirklich auf. Aber viel schlimmer finde ich, dass eine Studienstiftung des Deutschen Volkes solche Probleme damit hat, sich sozial gerecht aufzustellen. Man kann nun Mal nicht aus Pflichtbewusstsein pro Förderung von sozial schwachen aber talentierten sprechen, das Ganze aber dann so halbherzig durchziehen. Dass den Studenten aus "bildungsfernen" Familien teilweise die Übersicht, das Wissen, die Mittel fehlen, das wird sehr oft vergessen.

    Der Artikel von Simon Kerbusk (http://www.zeit.de/2009/4...) zu dem selben Thema hat mir da stellenweise wirklich aus der Seele gesprochen und wurde durch meine eigenen Erfahrungen mit der Studienstiftung und meinen Mitbewerbern noch bestätigt.

    • Sted
    • 16.02.2010 um 15:57 Uhr

    Der Eindruck drängt sich wirklich auf. Aber viel schlimmer finde ich, dass eine Studienstiftung des Deutschen Volkes solche Probleme damit hat, sich sozial gerecht aufzustellen. Man kann nun Mal nicht aus Pflichtbewusstsein pro Förderung von sozial schwachen aber talentierten sprechen, das Ganze aber dann so halbherzig durchziehen. Dass den Studenten aus "bildungsfernen" Familien teilweise die Übersicht, das Wissen, die Mittel fehlen, das wird sehr oft vergessen.

    Der Artikel von Simon Kerbusk (http://www.zeit.de/2009/4...) zu dem selben Thema hat mir da stellenweise wirklich aus der Seele gesprochen und wurde durch meine eigenen Erfahrungen mit der Studienstiftung und meinen Mitbewerbern noch bestätigt.

    • joflo
    • 16.02.2010 um 15:51 Uhr

    Ich kann nur jedem empfehlen, zu einem solchen Seminar zu gehen - aber nur, wenn es einem egal ist, ob man genommen wird. Dann kann man sich naemlich in aller Ruhe die anderen Teilnehmer anschauen, die uebertrieben hoeflich und "ordentlich-aber-leger" gekleidet sind. Noch schoener natuerlich die Diskussionen, in denen zwar Argumente ausgetauscht werden, aber inhaltlich nichts gesagt wird (spaetestens bei "Das ist deine Meinung und dieses ist meine Meinung, und bei dem Thema kann man halt unterschiedlicher Meinung sein" sind sich alle einig, und keiner hat grosse Lust, der Wahrheit nachzuspueren - ob man solche Wissenschaftler von morgen eigentlich haben will?).

    Das allerschoenste waren aber die einleitenden Worte vom Geschaeftsfuehrer der Stiftung, der bei meinem Seminar dabei war: Im Prinzip solle das Ziel des Stipendiums sein, dass sich der Wohlstand Deutschlands erhoehe - obwohl es sein koennte, dass man vielleicht nur den Wohlstand einer einzelnen Person erhoehe. Daraufhin haben sich dann einige der Kandidaten empoert, wie man so etwas sagen koenne. Alleine fuer diesen Moment hat sich das Seminar gelohnt.

    • Sted
    • 16.02.2010 um 15:57 Uhr
    8. Ja,

    Der Eindruck drängt sich wirklich auf. Aber viel schlimmer finde ich, dass eine Studienstiftung des Deutschen Volkes solche Probleme damit hat, sich sozial gerecht aufzustellen. Man kann nun Mal nicht aus Pflichtbewusstsein pro Förderung von sozial schwachen aber talentierten sprechen, das Ganze aber dann so halbherzig durchziehen. Dass den Studenten aus "bildungsfernen" Familien teilweise die Übersicht, das Wissen, die Mittel fehlen, das wird sehr oft vergessen.

    Der Artikel von Simon Kerbusk (http://www.zeit.de/2009/4...) zu dem selben Thema hat mir da stellenweise wirklich aus der Seele gesprochen und wurde durch meine eigenen Erfahrungen mit der Studienstiftung und meinen Mitbewerbern noch bestätigt.

    Antwort auf "Naja,"

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