Stipendien Schauen, was den Studenten ausmachtSeite 2/2
Helfrich: Insgesamt hat jeder Bewerber zwei Einzelgespräche und eine Gruppendiskussion. Jedes Mal wird er von insgesamt drei Kommissionsmitgliedern bewertet. Ich hatte zwölf Einzelgespräche und musste sechs Gruppendiskussionen beobachten. Am Abend vor den Einzelgesprächen bin ich die Unterlagen der jeweiligen Kandidaten noch einmal durchgegangen und habe mir besonders die Lebensläufe genau anguckt. War jemand vielleicht nach dem Abitur im Ausland oder hat ein Praktikum gemacht? Hat jemand ein ganz spezielles Interessengebiet? Oder auch ein spannendes Hobby? Meistens entwickelt sich dann ja auch ein Gespräch, was natürlich auch davon abhängt, was einen persönlich interessiert.
ZEIT ONLINE: Ist es da nicht schwer, objektiv zu sein? Ein Student, der ähnliche Themen spannend findet, bekommt dann doch automatisch eine bessere Punktzahl.
Helfrich: Das Gute ist ja, dass jeder Bewerber von drei Kommissionsmitgliedern bewertet wird und es deshalb nicht nur an einem persönlich hängt, ob jemand gefördert wird oder nicht. Aber häufig gehen die Bewertungen nicht so sehr auseinander. Ein guter Kandidat bekommt meistens von allen drei Juroren viele Punkte.
ZEIT ONLINE: Und wenn die Meinungen doch mal auseinandergehen?
Helfrich: Bei Fällen, die mit ihrer Punktzahl im Grenzbereich zwischen Aufnahme und Ablehnung sind, wird am Ende noch einmal ausführlich diskutiert. Was fanden wir gut? Was schlecht? Das Jurymitglied, welches den Kandidaten unbedingt dabeihaben möchte, muss versuchen, die anderen beiden zu überzeugen.
ZEIT ONLINE: Wie war es bei Ihnen? Sie haben ja auch die Seite der Bewerber vor fünf Jahren kennengelernt. Wie haben Sie die zwei Tage erlebt?
Helfrich: Ich war ziemlich aufgeregt. Schließlich weiß man ja nicht, ob die Noten gut genug sind oder ob das Engagement ausreicht. Es war auch ungewohnt, plötzlich unter ganz vielen Gleichaltrigen zu sein, die alle sehr gute Noten hatten und alle etwas zu sagen hatten.
ZEIT ONLINE: Wie ist die Stimmung unter den Bewerbern? Gibt es dort Neid?
Helfrich: Nein, eigentlich war die Stimmung total nett und kollegial. Da es nicht eine bestimmte Anzahl von Plätzen gibt, sondern einfach nur die aufgenommen werden, die eine bestimmte Punktzahl erreichen, erlebt man die Mitbewerber nicht so als Konkurrenten. Theoretisch hätten ja auch alle aufgenommen werden können.
ZEIT ONLINE: Ab Februar 2010 kann man sich bei der Studienstiftung auch selbst um ein Stipendium bewerben. Man möchte dadurch besonders die Kinder aus bildungsfernen Familien erreichen. Meinen Sie, das funktioniert?
Helfrich: Ich glaube, es bringt etwas, wenn genug Werbung gemacht wird und Ehemalige wie ich zum Beispiel in die Vorlesungen gehen und dort die Studenten motivieren: Traut euch, ihr seid bestimmt gut genug! Studenten aus bildungsfernen Familien sind manchmal da nicht so selbstbewusst.
Die Fragen stellte Linda Tutmann.
Weitere Informationen zu den Programmen der Studienstiftung finden Sie hier
- Datum 16.02.2010 - 09:53 Uhr
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Vielleicht etwas präziser: Wer weniger als 27 von 3x10 Punkten bekommt fliegt. Wenn man eins versaut, wars das :)
Ansonsten ist das Umfeld der Studenten sehr nett, 'inspirierend' sogar... Die beiden Tage sind trotzdem Stress pur, schließlich wollen die meisten das Stipendium haben, sei es weil sie es benötigen oder weil es im Lebenslauf sehr gut aussieht oder weil man damit zT 500 Euro pro Semester an Studiengebühren sparen kann.
Soziales Engagement von sozial Benachteiligten zu forden, am liebsten im Ausland, mit genau so einer Haltung schliesst man "Bildungsferne" Schichten am geschicktesten aus.
Möglichst exklusive Hobbies einfordern, wenn ich das so lese vergeht's mir...
Ich nur zustimmen. Ich selbst ein Mal die Erfahrung machen, bei so einem "Auswahlwochenende" teilzunehmen nachdem ich von der Fakultät vorgeschlagen wurde. Was Frau Helfrich sagt kann ich aber auch nur zum Teil bestätigen. Eine Frage aus einem fachfremden Bereich wurde mir nicht gestellt. Dafür aber von der VWL-Beauftragten im Einzelgespräch (es gibt 1 fachbezogenes und 1 nicht fachbezogenes sowie die Gruppendiskussion) wo ich mich denn in 10 Jahren sehe und ob ich mich denn irgendwann auch Mal gegen Widerstände und Sanktion für etwas eingesetzt hätte. Im fachspezifischen Bereich wurden 2 fachspezifische Fragen gestellt und dabei betont man solle keine Angst haben, es sei kein Wissenstest.
Auslandsaufenthalte, spannende Hobbies? Ich habe selbst den eher bildungsfernen Hintergrund und konnte bei keinem dieser Kriterien etwas aufweisen. Hier kommt wieder der selbe Faktor ins Spiel, der schon ein Mal in einem Artikel der Zeit kritisiert wurde. Bildungsfern, ja gerne. Aber bitte doch mit den selben Qualifikationen wie alle anderen. Man ist ja Elite (was bei ca. jeder Rede der Verantwortlichen noch Mal betont wurde). Und gerade das ist bei Menschen mit bildungsfernem Hintergrund, wie Frau Hellfrich bestätigt, eher selten zu finden.
Es war deshalb auch keine Überraschung für mich, dass ein Absageschreiben ins Haus kam. "Leider können wir Sie nicht aufnehmen [...] das hat die Auswahlkommission nach langer Diskussion entschieden." Genaue Angaben über die Punktzahl gab es nicht.
Es heisst natürlich "Da kann ich nur zustimmen" und "ich durfte selbst".
Wo Frau Hellfrich übrigens richtig liegt: Die Haltung unter den Studenten war wirklich sehr kollegial und schon fast rücksichtsvoll. In den Gruppendiskussionen wurde tunlichst vermieden, sich gegenseitig anzugreifen oder zu kritisieren und die Kommentare wurden beinahe pflichtbewusst immer der Reihe nach abgegeben.
Eine "Mitstreiterin" sagte mir nach ihrem Einzelgespräch, dass sie von ihrem Gesprächspartner, der aus dem Wirtschaftsbereich kam, gefragt wurde ob sie die Ursache der Finanzkrise erklären könne. Sie wusste die Antwort nicht, antwortete aber ihr sei sowieso egal ob sie genommen würde, sie brauche das Geld eigentlich nicht, da sie aus gutem Hause stamme.
Interessant war auch, dass der Anteil der Vertreter aus den Wirtschaftswissenschaften bei den Teilnehmern und damit auch logischerweise bei den Gesprächspartnern der Stiftung bei zwei Dritteln lag. Vor allem die Geisteswissenschaften waren dramatisch unterrepräsentiert.
es hat nie wirklich jemand geglaubt ,dass ein halbherzig aufgezogenes Stipendiensystem funktionieren würde,zumal sich hier der Verdacht aufschiebt,dass dieses Stipendiatensystem nur erfunden wurde,um die soziale Abfederung der Studiengebühren zu rechtfertigen.
Meine Hoffnungen liegt auf der NRW-Wahl.Und mit Genugtuung sehe ich ,dass die FDP sich gerade selbst zerlegt.
es hat nie wirklich jemand geglaubt ,dass ein halbherzig aufgezogenes Stipendiensystem funktionieren würde,zumal sich hier der Verdacht aufschiebt,dass dieses Stipendiatensystem nur erfunden wurde,um die soziale Abfederung der Studiengebühren zu rechtfertigen.
Meine Hoffnungen liegt auf der NRW-Wahl.Und mit Genugtuung sehe ich ,dass die FDP sich gerade selbst zerlegt.
es hat nie wirklich jemand geglaubt ,dass ein halbherzig aufgezogenes Stipendiensystem funktionieren würde,zumal sich hier der Verdacht aufschiebt,dass dieses Stipendiatensystem nur erfunden wurde,um die soziale Abfederung der Studiengebühren zu rechtfertigen.
Meine Hoffnungen liegt auf der NRW-Wahl.Und mit Genugtuung sehe ich ,dass die FDP sich gerade selbst zerlegt.
[...] Entfernt wegen Doppelposting. Die Redaktion/sh
Der Eindruck drängt sich wirklich auf. Aber viel schlimmer finde ich, dass eine Studienstiftung des Deutschen Volkes solche Probleme damit hat, sich sozial gerecht aufzustellen. Man kann nun Mal nicht aus Pflichtbewusstsein pro Förderung von sozial schwachen aber talentierten sprechen, das Ganze aber dann so halbherzig durchziehen. Dass den Studenten aus "bildungsfernen" Familien teilweise die Übersicht, das Wissen, die Mittel fehlen, das wird sehr oft vergessen.
Der Artikel von Simon Kerbusk (http://www.zeit.de/2009/4...) zu dem selben Thema hat mir da stellenweise wirklich aus der Seele gesprochen und wurde durch meine eigenen Erfahrungen mit der Studienstiftung und meinen Mitbewerbern noch bestätigt.
Der Eindruck drängt sich wirklich auf. Aber viel schlimmer finde ich, dass eine Studienstiftung des Deutschen Volkes solche Probleme damit hat, sich sozial gerecht aufzustellen. Man kann nun Mal nicht aus Pflichtbewusstsein pro Förderung von sozial schwachen aber talentierten sprechen, das Ganze aber dann so halbherzig durchziehen. Dass den Studenten aus "bildungsfernen" Familien teilweise die Übersicht, das Wissen, die Mittel fehlen, das wird sehr oft vergessen.
Der Artikel von Simon Kerbusk (http://www.zeit.de/2009/4...) zu dem selben Thema hat mir da stellenweise wirklich aus der Seele gesprochen und wurde durch meine eigenen Erfahrungen mit der Studienstiftung und meinen Mitbewerbern noch bestätigt.
Ich kann nur jedem empfehlen, zu einem solchen Seminar zu gehen - aber nur, wenn es einem egal ist, ob man genommen wird. Dann kann man sich naemlich in aller Ruhe die anderen Teilnehmer anschauen, die uebertrieben hoeflich und "ordentlich-aber-leger" gekleidet sind. Noch schoener natuerlich die Diskussionen, in denen zwar Argumente ausgetauscht werden, aber inhaltlich nichts gesagt wird (spaetestens bei "Das ist deine Meinung und dieses ist meine Meinung, und bei dem Thema kann man halt unterschiedlicher Meinung sein" sind sich alle einig, und keiner hat grosse Lust, der Wahrheit nachzuspueren - ob man solche Wissenschaftler von morgen eigentlich haben will?).
Das allerschoenste waren aber die einleitenden Worte vom Geschaeftsfuehrer der Stiftung, der bei meinem Seminar dabei war: Im Prinzip solle das Ziel des Stipendiums sein, dass sich der Wohlstand Deutschlands erhoehe - obwohl es sein koennte, dass man vielleicht nur den Wohlstand einer einzelnen Person erhoehe. Daraufhin haben sich dann einige der Kandidaten empoert, wie man so etwas sagen koenne. Alleine fuer diesen Moment hat sich das Seminar gelohnt.
Ich würde gerne mehr über das Auswahlseminar der Studienstiftung erfahren, da ich selbst für eines eingeladen wurde, zb was für Fragen in den Einzelgesprächen gestellt werden. Auch wenn es bei dir etwas länger her ist :).
Ich würde gerne mehr über das Auswahlseminar der Studienstiftung erfahren, da ich selbst für eines eingeladen wurde, zb was für Fragen in den Einzelgesprächen gestellt werden. Auch wenn es bei dir etwas länger her ist :).
Der Eindruck drängt sich wirklich auf. Aber viel schlimmer finde ich, dass eine Studienstiftung des Deutschen Volkes solche Probleme damit hat, sich sozial gerecht aufzustellen. Man kann nun Mal nicht aus Pflichtbewusstsein pro Förderung von sozial schwachen aber talentierten sprechen, das Ganze aber dann so halbherzig durchziehen. Dass den Studenten aus "bildungsfernen" Familien teilweise die Übersicht, das Wissen, die Mittel fehlen, das wird sehr oft vergessen.
Der Artikel von Simon Kerbusk (http://www.zeit.de/2009/4...) zu dem selben Thema hat mir da stellenweise wirklich aus der Seele gesprochen und wurde durch meine eigenen Erfahrungen mit der Studienstiftung und meinen Mitbewerbern noch bestätigt.
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