Studenten auf dem Balkan Im Krieg hat niemand gewonnen
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 Mit Hass lässt sich immer noch Politik machen

"Eigentlich verrückt, dass die Völker damals Krieg gegeneinander geführt haben", sagt sie. Wie sie hätten auch andere viele Freunde in den Republiken des ehemaligen Jugoslawiens gehabt. Während der Kriege sei ein Kontakt schwer möglich gewesen - das Internet war noch nicht so verbreitet und die Grenzen gesperrt. Nun schreibt sie ihren Freunden regelmäßig und besucht sie auch. Über die Kriege der 1990er reden sie nicht miteinander.

Ist also heute alles eitel Sonnenschein? Nein. Das Stichwort "Krimineller Aggressor", fällt dem 24-jährigen Stipe Korunić ein. Krimineller Aggressor, so nannte sein kroatisches Schulbuch die jugoslawisch-serbische Armee des Jahres 1991, die das nach Unabhängigkeit strebende Kroatien attackierte. Der Jura-Student aus Split hofft, dass die kroatischen Schulbücher überarbeitet werden. Ihn ärgert, dass sich mit Hass immer noch gut Politik machen lässt. So würde der Bürgermeister der kroatischen Stadt Split Journalisten beschimpfen, indem er behauptet, sie alle seien Serben. Aber dafür sei er von vielen Studenten ausgepfiffen worden.

Witze seien eines der besten Hilfsmittel gegen die Lasten der Vergangenheit. So hofft er, auch nächstes Jahr wieder im Finale des Belgrader Debattierturniers zu stehen. Früher, da hätten die Serben ihn dafür erschießen wollen. Heute gehen sie gemeinsam einen trinken.

 
Leser-Kommentare
  1. kann man im positivsten Sinne des Wortes wohl zu dieser Entwicklung sagen.
    Doch sollten die jungen Leute vorsichtig sein, denn ihr entspannte Haltung ist das Ergebnis des Krieges und wäre ohne Ihn vermutlich nicht möglich gewesen.
    Rein objektiv kann man natürlich dem Endruck verfallen, wie sinnlos das war, doch Gesellschaften handeln genauso selten wie das Individuum objektiv. Wenn Emotionen einzeln oder im kollektiv zu stark sind, entsprechedende Dynamiken erst mal in Gang gekommen sind, ist rationaler Umgang unmöglich und nicht immer gibt es die Chance oder Rahmenbedingungen diese Emotionen und deren Dynamik wieder friedlich abzubauen.

    Ohne den Krieg würden die Studenten wohl kaum in der Lage sein heute Ausgleich zu pflegen.

    H.

    • dorena
    • 09.03.2010 um 17:22 Uhr

    Da gibt es nichts hinzuzufügen,ausser dass man hofft,dass auch in anderen Teilen der Welt junge Leute dafür eintreten,dass Krieg zu nichts führt und daher unterbleiben muss.
    Aber leder scheint es starke unbelehrbare Kräfte zu geben,die es immer wieder schaffen,dass Regierungen hohe finanzielle Mittel bereitstellen für den Kauf neuer Rüstungsgüter. Über die Bestellung des neuesten Transportfllugzeuges seitens der Bundesregierung kann ich mich jedenfalls nur wundern.Was will unser Land mit so viel grossen Transportflugzeugen ?
    Seufz! Gruss Dorena

    • Puella
    • 09.03.2010 um 18:41 Uhr

    Entweder man setzt diakritische Zeichen (Hatscheks) oder man verzichtet ganz darauf. Im Artikel ist es uneinheitlich,ausserdem hiess der 1928 angeschossene Stjepan Radić.

    Von der ZEIT ist man eigentlich Besseres gewohnt...dies nur am Rande.

    • wremja
    • 10.03.2010 um 2:14 Uhr

    Die offene Auseinandersetzung der Jugend ist zu begrüßen. Was ist mit den "Bosniern" und den Armeniern? Ich hoffe daraus wächst noch mehr. Was mir auf meiner Reise nach Kroatien und Bosnien gefehlt hat ist, dass die Studenten recht satt vom Krieg waren. Statt der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, besonders mit Fehlern der älteren Generation, wollte man lieber Spaß, Geld und Karriere haben. Prinzip: Vergesst gestern, lebt den Kapitalismus von morgen! - Zugegeben nicht ganz unverständlich.

    Ein Paar Beispiele: Die Denkmäler die ich gesehen haben, erinnerten oft nur an Verbrechen der Anderen. Eine serbische Studentin mit Schwierigkeiten in Ämtern/Behörden und bei der Jobsuche in Kroatien. Wahlplakate für die Wahl in Kroatien in großen Bannern in bosnisch-kroatischen Bezirken. Religionskrieg in Mostar, wer hat mehr und den Längsten (Turm), besonders die katholische Kirche. Der Kirchturm auf "kroatischer" Seite, der glatt als Hochbunker gelten könnte und das riesige Kreuz am Berg.

    Ich Frage mich, was ist mit den Spannungen geworden: Religion, Sprache, Land-, Reichtums- und Machtverteilung? Alles wieder gut?

    Ich hatte 2007 Gelegenheit einige Monate in Kroatien zu arbeiten und nach Bosnien-Herzegowina zu reisen. Da ich (glücklicher Weise) in meiner Generation nur den Balkankrieg per Medien, Europa nah erleben durfte hat mich der Krieg sehr interessiert. Ich habe mich vor der Reise belesen sowie in Kroatien Bücher, Studenten, alte Kriegsschauplätze und Museen aufgesucht.

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