Erfundene Studiengänge Vorlesung mit Loriot
Genug mit langweiligen Seminaren und lebensferner Theorie. ZEIT CAMPUS-Autoren wünschen sich Masterstudiengänge, die zu studieren sich wirklich lohnt.
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Pflichtlektüre für Beziehungswissenschaften: Loriots gesammelte Werke über Mann und Frau
Johanna Schoener, Autorin ZEIT CAMPUS
Relationik (Beziehungswissenschaften )
Der Masterstudiengang richtet sich an Interessenten, die mindestens eine Beziehung abgeschlossen haben und solche, die in Zukunft eine führen wollen. Er befasst sich mit allen Fragen des dauerhaften Zusammenlebens. Zu den Grundlagen gehört die "Einführung in genderspezifische Unterschiede im Telefonverhalten" sowie eine Paarübung mit Kommilitonen – wahlweise "Bei Ikea eine Küche kaufen" oder "120 Kilometer im Stau stehen". Darauf aufbauend wählen die Teilnehmer vertiefende Seminare wie "Der verschnupfte Mann – Mythos und Wahrheit", "Zur Typologie des Beischlafs", "Frauen und Kindernamen".
Die Relationik ist ein noch junger Studiengang, der mit deutlich praxisbezogenen Schwerpunkten auf die Aufgaben in der Beziehungsarbeit vorbereitet. Perspektiven ergeben sich aus dem menschlichen Bedürfnis heraus: Aufgrund wachsender Trennungszahlen ist zu erwarten, dass der Bedarf an hoch qualifizierten Relationikern steigen wird.
Zur Vorbereitung: Loriot, Szenen einer Ehe; Arthur Schnitzler, Traumnovelle; Edward Albee, Wer hat Angst vor Virginia Woolf.

Justus Bender, Autor ZEIT CAMPUS
Vitasophie (Lebensweisheit)
Der Studiengang "Master of Vitasophical Investigation and Reasoning" ist ein nicht-konsekutives englischsprachiges Masterprogramm für Bachelor-Absolventen aller Fachrichtungen. Studienanfänger wählen zwischen den Schwerpunkten "Life and Prosperity", "Emotional Balance" und "Practical Wisdom". Im Zentrum des Studiums stehen eine intensive Auseinandersetzung mit Fragen der klugen Lebensführung und die Lektüre der ganzen Bandbreite der vitasophischen Literatur.
Von Absolventen wird erwartet, dass sie den fundamentalen Problemen des Alltags der Sorte Kann-ich-die-Hausarbeit-auf-morgen-verschieben-und-Party-machen und Bin-ich-ein-Schwein-wenn-ich-dem-Bettler-nichts-gebe mit einer fast schon beängstigenden Gelassenheit begegnen, die bei vitasophisch nicht bewanderten Menschen nur ungläubiges Staunen auslöst. Das Studium beinhaltet Exkurse zu einschlägigen Fachtagungen nach Goa und Okinawa.
Bisherige Absolventen schlossen ihr Studium erfolgreich mit Abschlussarbeiten über Sociological Perspectives on Post-Modern Fortune Cookie Consumption und Why Happy isn't only a Word: Psychological Implications of Getting Seriously Drunk ab. Nach dem Abschluss haben Vitasophen vor allem im freiberuflichen Bereich der Lebensberatung eine Perspektive.
Zur Vorbereitung: ALF, Zweites Deutsches Fernsehen, gesammelte Folgen.

Julian Hans, Chefredakteur ZEIT CAMPUS
Master of Work-Life-Balance and Sophisticated Idleness
Im Mittelpunkt des Programms steht der zuletzt viel diskutierte Begriff der "Entschleunigung". Neben der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema wird viel Wert auf praktische Übungen gelegt. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, im Verlauf des Studiums Schwerpunkte zu setzen wie etwa "Später kommen, früher gehen", "Power-Napping" oder "Fünfe gerade sein lassen".
Die internationale Ausrichtung des Programms macht es möglich, dass die Studenten untereinander das Leistungsethos ihrer Herkunftskulturen vergleichen und hinterfragen. Absolventen sind in Unternehmen gefragt, die bewusst kreatives Potenzial ihrer Mitarbeiter heben möchten, das aus dem Müßiggang entsteht.
Bewerber müssen einen anderthalbstündigen Aufnahmetest bestehen, ohne dabei einmal E-Mails zu lesen, auf den Blackberry zu schauen oder ans Handy zu gehen. Auf eine Regelstudienzeit wird bewusst verzichtet. Eine Anwesenheitspflicht besteht nicht.
Einführende Literatur: Stifter, Adalbert: Der Nachtsommer; Hodgkinson, Tom: Anleitung zum Müßiggang; Barks, Carl: Gesammelte Werke

Philipp Schwenke, Autor ZEIT CAMPUS
Master of Decision Making
Dieser Masterstudiengang steht allen Bachelor-Absolventen offen, die sich ob der Fülle der Möglichkeiten noch nicht für einen weiteren Studien- geschweige denn Lebensweg entschieden haben. Aufbauend auf Grundkurse wie "Kirsch oder Erdbeer – Geschmacksentscheidungen in Yoghurt- und Eisfragen", "Seltener Umschalten – die Kunst des gelungenen Fernsehgenusses" werden einfache Entscheidungswege analysiert und ihre Anwendung in praktischen Übungen verfestigt.
Die vorherige Teilnahme an der Einführungsveranstaltung "Hingehen oder liegen bleiben?" ist dabei unabdingbar. Ab dem zweiten Semester werden die theoretischen Analysen in Seminaren wie "Die permanente Überforderung des Menschen in der Post-Postmoderne" weiter vertieft; untreffbare, aber dennoch folgenschwere Entscheidungen werden dabei im Modul "Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien!" gesondert behandelt. Die Studenten werden gleichzeitig dazu angehalten, sich in Hausarbeiten mit ihren eigenen Möglichkeiten und Plänen auseinanderzusetzen, das Thema der Abschlussarbeit ist jedem vorgegeben: das eigenen Leben.
Der Abschluss Master of Decision Making qualifiziert für eine große Bandbreite an Tätigkeiten vom Unternehmensberater bis zum Elfmeterschützen. Absolventen des Studiengangs pflanzen zum Abschluss traditionell einen Entscheidungsbaum vor dem Fakultätsgebäude.

Inge Kutter, Autorin ZEIT CAMPUS
Master of Growing up
Im eng getakteten Bachelorstudium kommen viele Studenten nicht zu dem, was sie in dieser Lebensphase auch noch tun sollten: Erwachsen werden. Das können sie daher anschließend im Master of Growing up nachholen.
Zulassungsvoraussetzung ist eine Wohnung, die sich nicht unter dem Dach der Eltern befindet; der Mietvertrag muss bei der Einschreibung vorgelegt werden. Wer es noch nicht geschafft hat, das elterliche Nest zu verlassen, kann vor Semesterbeginn den Crashkurs "Wie ziehe ich von zu Hause aus in 10 Tagen" absolvieren.
Im ersten Semester werden die Grundlagen der Selbstständigkeit gelehrt und in Übungen die wichtigsten Überlebenshandgriffe eingeübt (Glühbirne einschrauben; Spiegelei braten). Wichtigstes Lernziel ist, die Wäsche nicht mehr bei Mama abzugeben; wer seine Wohnung vom elterlichen Reinigungspersonal pflegen lässt, wird mit sofortiger Wirkung disqualifiziert. Im zweiten Semester steht die Kommunikation mit den Eltern im Vordergrund. Dazu werden in den Vorlesungen verschiedene Kommunikationsmodelle vermittelt; in den Seminaren werden etwa der Einsatz der Schweigespirale in Telefonaten vertieft und Techniken aufgezeigt, mittels derer sich die elterlichen Anrufe auf ein Mal pro Woche reduzieren lassen.
Ist die Ablösung erfolgt, wird im zweiten Teil des Studiums der Schwerpunkt auf die Persönlichkeitsentwicklung gelegt. Angeboten werden unter anderem die Ring-Vorlesung "Entscheidungen fällen" und das Seminar "Für Fehler geradestehen", bei dem der Professor kategorisch schlechte Noten vergibt und nicht zulässt, dass man die Schuld dafür auf ihn schiebt. Wer den Master of Growing up absolviert hat, besitzt die zertifizierte Eignung, im Beruf und/oder in einer Beziehung Verantwortung zu übernehmen.
Zur Vorbereitung:
Bernhard Finkbeiner, Hans-Jörg Brekle: Frag Mutti (nicht)
Dr. Oetker: Das Dr. Oetker Schulkochbuch
Gottfried Keller: Der grüne Heinrich
Johann Wolfgang von Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre
Wer während der Vorlesung Neon liest, wird rausgeschmissen.
- Datum 01.04.2010 - 10:26 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Über Twitter haben wir schon einige Vorschläge für weitere dringend fehlende Studiengänge bekommen.
Zum Beispiel von projecthires: Master of saving the planet oder wahlweise master of choice editing for a better world.
tcmoustache würde in Zeiten des Raubtierkapitalismus "Master of Economic Social Consciousness" werden. (kh)
euer ernst sein?! Was sind denn das für Studiengänge?
Wie heißt denn der nächste? Nimm mich an die Hand damit ich in der großen weiten Welt zurechtkomme???
Das ist doch nur n Lacher wert...
... na dann viel Spass.
Ganz lustig sind sie ja, die Vorschläge, aber das Vorbild sollte nicht unterschlagen werden: die Akademie für Vergleichende Irrelevanz, in der man unnütze oder unmögliche Fächer studieren kann, die in Umcerto Ecos Roman vorkommt.
Im Dialog zwischen Belbo und Diatellevi sind bereits so gute Ideen entstanden wie die Abteilung Tetrapilotomie, in der gelehrt wird, ein Haar in vier Teile zu teilen, sowie die Abteilung der Adynata oder Impossibilia, an der man zum Beispiel Zigeunerische Urbanistik studieren kann.
Zugegbenermaßen etwas weniger praxisorientiert als ihre Studiengänge, ach Bologna!
Nach Ecos Vorbild existiert die Akademie für Analytische Irrelevanz bereits seit mehreren Jahren und freut sich auf ihren Besuch www.irrelevanz.de.
Für die Zeit-Autoren wäre vielleicht ein Diplom in Autodidaktik noch empfehlenswert:
http://www.uni-koenigsber...
Viel Spaß!
Mir würde noch ganz dringend das Fach "Humoristik" fehlen.
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