Inge Kutter: Master of Growing Up

Inge Kutter, Autorin ZEIT CAMPUS
Master of Growing up
Im eng getakteten Bachelorstudium kommen viele Studenten nicht zu dem, was sie in dieser Lebensphase auch noch tun sollten: Erwachsen werden. Das können sie daher anschließend im Master of Growing up nachholen.
Zulassungsvoraussetzung ist eine Wohnung, die sich nicht unter dem Dach der Eltern befindet; der Mietvertrag muss bei der Einschreibung vorgelegt werden. Wer es noch nicht geschafft hat, das elterliche Nest zu verlassen, kann vor Semesterbeginn den Crashkurs "Wie ziehe ich von zu Hause aus in 10 Tagen" absolvieren.
Im ersten Semester werden die Grundlagen der Selbstständigkeit gelehrt und in Übungen die wichtigsten Überlebenshandgriffe eingeübt (Glühbirne einschrauben; Spiegelei braten). Wichtigstes Lernziel ist, die Wäsche nicht mehr bei Mama abzugeben; wer seine Wohnung vom elterlichen Reinigungspersonal pflegen lässt, wird mit sofortiger Wirkung disqualifiziert. Im zweiten Semester steht die Kommunikation mit den Eltern im Vordergrund. Dazu werden in den Vorlesungen verschiedene Kommunikationsmodelle vermittelt; in den Seminaren werden etwa der Einsatz der Schweigespirale in Telefonaten vertieft und Techniken aufgezeigt, mittels derer sich die elterlichen Anrufe auf ein Mal pro Woche reduzieren lassen.
Ist die Ablösung erfolgt, wird im zweiten Teil des Studiums der Schwerpunkt auf die Persönlichkeitsentwicklung gelegt. Angeboten werden unter anderem die Ring-Vorlesung "Entscheidungen fällen" und das Seminar "Für Fehler geradestehen", bei dem der Professor kategorisch schlechte Noten vergibt und nicht zulässt, dass man die Schuld dafür auf ihn schiebt. Wer den Master of Growing up absolviert hat, besitzt die zertifizierte Eignung, im Beruf und/oder in einer Beziehung Verantwortung zu übernehmen.
Zur Vorbereitung:
Bernhard Finkbeiner, Hans-Jörg Brekle: Frag Mutti (nicht)
Dr. Oetker: Das Dr. Oetker Schulkochbuch
Gottfried Keller: Der grüne Heinrich
Johann Wolfgang von Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre
Wer während der Vorlesung Neon liest, wird rausgeschmissen.
- Datum 01.04.2010 - 10:26 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Über Twitter haben wir schon einige Vorschläge für weitere dringend fehlende Studiengänge bekommen.
Zum Beispiel von projecthires: Master of saving the planet oder wahlweise master of choice editing for a better world.
tcmoustache würde in Zeiten des Raubtierkapitalismus "Master of Economic Social Consciousness" werden. (kh)
euer ernst sein?! Was sind denn das für Studiengänge?
Wie heißt denn der nächste? Nimm mich an die Hand damit ich in der großen weiten Welt zurechtkomme???
Das ist doch nur n Lacher wert...
... na dann viel Spass.
Ganz lustig sind sie ja, die Vorschläge, aber das Vorbild sollte nicht unterschlagen werden: die Akademie für Vergleichende Irrelevanz, in der man unnütze oder unmögliche Fächer studieren kann, die in Umcerto Ecos Roman vorkommt.
Im Dialog zwischen Belbo und Diatellevi sind bereits so gute Ideen entstanden wie die Abteilung Tetrapilotomie, in der gelehrt wird, ein Haar in vier Teile zu teilen, sowie die Abteilung der Adynata oder Impossibilia, an der man zum Beispiel Zigeunerische Urbanistik studieren kann.
Zugegbenermaßen etwas weniger praxisorientiert als ihre Studiengänge, ach Bologna!
Nach Ecos Vorbild existiert die Akademie für Analytische Irrelevanz bereits seit mehreren Jahren und freut sich auf ihren Besuch www.irrelevanz.de.
Für die Zeit-Autoren wäre vielleicht ein Diplom in Autodidaktik noch empfehlenswert:
http://www.uni-koenigsber...
Viel Spaß!
Mir würde noch ganz dringend das Fach "Humoristik" fehlen.
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