Exotische Auslandssemester Kulturschock gesucht

Für ihr Auslandssemester sind sie bis nach Mauritius, Indien und Bali gereist – und treffen an der Uni doch lauter Deutsche. Drei Studenten auf der Suche nach dem Abenteuer.

Student Mosche mit Riesenschildkröten auf Mauritius

Student Mosche mit Riesenschildkröten auf Mauritius

Natürlich wollte ich Strand, Sonne und türkisblaues Meer, als ich mich für Mauritius entschieden habe. Aber das war nicht alles: Ich wollte raus aus Europa und endlich was für mein Englisch tun. Und außerdem hat Mauritius einen interessanten indisch-europäisch-afrikanischen Kulturmix, das fand ich spannend.

Deswegen wollte ich mir eine WG mit einheimischen Studenten suchen, das war jedoch leichter gesagt als getan. Die Mauritianer wohnen bei ihren Eltern, bis sie heiraten und Studentenwohnheime gibt es auch nicht. Dumm gelaufen. Also bin ich mit vier Kommilitonen aus Bremen in ein Haus gezogen. Am Anfang hat mich genervt, dass ich die meiste Zeit von Deutschen umgeben bin und nicht so viel Englisch spreche. Meine Rettung heißt Adam und kommt aus Tschechien. Adam spricht super Englisch und ist vor Kurzem bei uns eingezogen.

Ich habe auch gedacht, dass ich in der Uni Einheimische kennen lerne, schließlich bin ich einer von wenigen Austauschstudenten. Aber es ist nicht so einfach, Kontakte aufzubauen. Für die Studenten hier zählen vor allem die Uni und ihre Familie, viel mehr als in Deutschland. Anstatt was zu unternehmen, treffen sie sich abends bei Facebook. Zu unseren Strandpartys kommen sie selten.

Es gibt aber auch Ausnahmen: Zu Divali, einem hinduistischen Lichterfest, wurden wir von einer einheimischen Familie zum Essen eingeladen. Durch solche Dinge habe ich schon das Gefühl, dass ich einen Einblick in die Kultur bekomme.

Damit mein Englisch sich doch noch verbessert, mache ich nach dem Auslandssemester noch ein Praktikum in Tansania. Diesmal aber ganz allein.

Mosche, 29, studiert auf Mauritius

Leser-Kommentare
    • lepkeb
    • 19.04.2010 um 13:11 Uhr

    von allen drei Studeka wird bemängelt, dass die anderen keine Party machen oder daran teilnehmen wollen. Dann wird bemängelt das Familie und Uni dort mehr zählt. Ein nettes Spiegelbild D-lands.
    Habe selbst im Ausland (5 Jahre) studiert und hatte während der ganzen Zeit nur einmal Kontakt mit deutschen Mitstudenten, obwohl es einen wöchhentlichen Stammtisch der dt. Studenten gab. Hängt halt davon ab, wie man sich integrieren will.
    Interessant wäre doch, auch mal zu erfahren, wie es Ausländern in D-land geht.

  1. Ich lebe seit mehr als drei Jahren in Indien und kann die Punkte, die zumindest zu den Studienorten in Indien gemacht wurden nachvollziehen.
    Aber man muss sich ein wenig mehr und offener auf die Kultur einlassen, auch wenn das nicht immer ganz einfach ist. Diese Vergleichslogik macht es einem fast unmöglich wirklich offenen und respektvollen Kontakt zu haben.
    Es gehört auch etwas Vorbereitung zu einem solchen Studium in Ausland. Wenn ich lese: "sie lernen für die Uni. Morgens, mittags, abends und ja, auch nachts. Für sie ist das Studium alles. Außerdem haben ihre Eltern viel Geld dafür bezahlt." dann frage ich mich wie gut hier vorbereitet wurde. Es ist allgemein bekannt, dass in den Top Unis, gerade in Delhi vollkommen gnadenlos studiert wird. Die Studenten haben sich in Aufnahmetests gegen hunderttausende anderer Studenten durchgesetzt und dafür seit vielen Jahren kaum ein leben außerhalb der Studienvorbereitung gehabt.
    Wenn man etwas mehr von den Menschen mitkriegen will und nicht nur auf die Kurse scharf ist, muss man einfach zu einer Uni die nicht so hoch im Kurs steht, da sind die Studenten auch viel offener. Und man muss einfach auch verstehen, dass sozialer Kontakt halt bei jungen Studenten nur über die Familie funktioniert, wenn man sich da entsprechend anpasst kann man auch tolle Kontakte knüpfen und Freundschaften begründen.

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