Exotische Auslandssemester Kulturschock gesuchtSeite 3/3

Mit dem Roller durch Bali: Studentin Lisa am Batursee, mitten im Krater des Vulkans Gunung Agung

Mit dem Roller durch Bali: Studentin Lisa am Batursee, mitten im Krater des Vulkans Gunung Agung

Ich habe meine Kölner 1-Zimmerwohnung gerne gegen die luxuriöse Villa auf Bali eingetauscht. Mein Zimmer habe ich schon in Deutschland im Internet gefunden. Was ich nicht wusste, aber schon geahnt habe: Alle anderen Zimmer sind auch von Deutschen belegt.

Eigentlich ist das ein herrliches Leben: Wir leben in einer großen Villa-WG, springen ab und zu mal in den Pool und genießen das tropische Klima – meistens jedenfalls. Um sich aufs Lernen zu konzentrieren, ist die Schwüle nicht gerade hilfreich. In der Uni ist trotzdem Anwesenheitspflicht, also schwingen wir uns viermal in der Woche auf unsere Roller und düsen zur Vorlesung. Da treffe ich allerdings auch keine balinesischen Studenten, leider. In meinen Kursen sitzen nur Deutsche – sie nehmen alle an einem Programm der Fachhochschule Dortmund teil, die jedes Jahr 150 deutsche Studenten hier nach Denpasar schickt. Die Einheimischen haben ihre Vorlesungen sogar in einem anderen Gebäude.

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Am Anfang haben wir noch versucht, wenigstens in den Pausen ein paar Balinesen kennen zu lernen. In der Mensa haben wir uns einfach zu ihnen an den Tisch gesetzt und versucht, ein Gespräch anzufangen. Was studierst du und wie lange schon, der übliche Smalltalk eben. Aber irgendwie ist der Funke nicht übergesprungen, sie haben sich nur kichernd angesehen und weiter gegessen.

Mit Einheimischen komme ich also nur auf dem Markt, mit Nachbarn oder über unserem Rollervermieter in Kontakt. Und natürlich auf Reisen: Mit meinen Mitbewohnern habe ich einen Roadtrip gemacht, da haben wir viel vom Land gesehen. Wir sind auf unsere Roller gestiegen und gefahren, bis wir das Gefühl hatten, das "richtige" Bali gefunden zu haben: Einsame Strände, Wasserfälle und kleine balinesische Dörfer. Die Einwohner haben sich über den exotischen Besuch gefreut. Und wir, weil wir unser Balinesisch endlich richtig ausprobieren konnten.

Lisa, 22, studiert in Denpasar, Bali

 
Leser-Kommentare
    • lepkeb
    • 19.04.2010 um 13:11 Uhr

    von allen drei Studeka wird bemängelt, dass die anderen keine Party machen oder daran teilnehmen wollen. Dann wird bemängelt das Familie und Uni dort mehr zählt. Ein nettes Spiegelbild D-lands.
    Habe selbst im Ausland (5 Jahre) studiert und hatte während der ganzen Zeit nur einmal Kontakt mit deutschen Mitstudenten, obwohl es einen wöchhentlichen Stammtisch der dt. Studenten gab. Hängt halt davon ab, wie man sich integrieren will.
    Interessant wäre doch, auch mal zu erfahren, wie es Ausländern in D-land geht.

  1. Ich lebe seit mehr als drei Jahren in Indien und kann die Punkte, die zumindest zu den Studienorten in Indien gemacht wurden nachvollziehen.
    Aber man muss sich ein wenig mehr und offener auf die Kultur einlassen, auch wenn das nicht immer ganz einfach ist. Diese Vergleichslogik macht es einem fast unmöglich wirklich offenen und respektvollen Kontakt zu haben.
    Es gehört auch etwas Vorbereitung zu einem solchen Studium in Ausland. Wenn ich lese: "sie lernen für die Uni. Morgens, mittags, abends und ja, auch nachts. Für sie ist das Studium alles. Außerdem haben ihre Eltern viel Geld dafür bezahlt." dann frage ich mich wie gut hier vorbereitet wurde. Es ist allgemein bekannt, dass in den Top Unis, gerade in Delhi vollkommen gnadenlos studiert wird. Die Studenten haben sich in Aufnahmetests gegen hunderttausende anderer Studenten durchgesetzt und dafür seit vielen Jahren kaum ein leben außerhalb der Studienvorbereitung gehabt.
    Wenn man etwas mehr von den Menschen mitkriegen will und nicht nur auf die Kurse scharf ist, muss man einfach zu einer Uni die nicht so hoch im Kurs steht, da sind die Studenten auch viel offener. Und man muss einfach auch verstehen, dass sozialer Kontakt halt bei jungen Studenten nur über die Familie funktioniert, wenn man sich da entsprechend anpasst kann man auch tolle Kontakte knüpfen und Freundschaften begründen.

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