Studentenvertretung Der Asta ist für alle da

Viele Asten verschwenden Geld. Der Hamburger Studentenvertreter Séverin Pabsch hat Ideen, wie man es besser machen kann.

Séverin Pabsch war bis Anfang Mai im Vorstand des Asta der Uni Hamburg

Séverin Pabsch war bis Anfang Mai im Vorstand des Asta der Uni Hamburg

Wenn ich lese, dass der Asta der FHTW Berlin mit Industrievertretern im Adlon essen war, muss ich schmunzeln. So etwas geht natürlich nicht. Aber es ist auch nicht der Untergang des Abendlandes. Überall dort, wo Menschen am Werk sind, werden Fehler gemacht. Das ist in der großen Politik genauso wie auf dem Campus. Fragen Sie mal den Bund der Steuerzahler wie viel Geld die Bundesregierung jedes Jahr verschwendet! Niemand macht keine Fehler, auch wir nicht, aber so etwas wie ein Abendessen im Adlon wäre bei uns nicht passiert. Vielleicht sollten sich alle Asten solche Regeln auferlegen, wenn sie es nicht schon getan haben.

Als Asta-Chef der Uni Hamburg hatte ich gerade meinen letzten Tag. Ich war verantwortlich für ein Budget von rund 800.000 Euro im Jahr. Das ist sehr viel Geld. Andererseits ist es auch nicht so, dass ich damit machen kann, was ich will. Bei uns wird jede Ausgabe minutiös kontrolliert. Angenommen ich kaufe eine Packung Papier für den Kopierer, die kostet 20 Euro. Dann gehe ich an unseren Safe im Asta-Büro und nehme mir Bargeld raus. An den Safe dürfen nur bestimmte Leute, der Vorstand, der Finanzreferent und der Kassenwart, sonst niemand. Wer sich etwas raus nimmt, muss seinen Namen eintragen und wie viel er genommen hat. Später muss er die Quittung hineinlegen, zum Beispiel für das Papier. Wenn ich zum Beispiel keine Quittung bringe, muss ich das Geld aus eigener Tasche zurückzahlen. Natürlich könnte ich betrügen, ich könnte an den Safe gehen, mir Geld nehmen, nicht unterschreiben und meinen Freunden ein Bier ausgeben. Aber obwohl ich Asta-Chef bin, würde der Diebstahl nach kürzester Zeit auffliegen, denn unser Kassenwart zählt regelmäßig das Geld im Safe. Fehlt etwas, schlägt er Alarm, und dann ist die Aufregung groß.

Kopierpapier ist aber bei Weiten nicht unsere größte Ausgabe. Der größte Posten im Haushalt ist das Budget für die 70 Fachschaftsräte. Jede Fachschaft bekommt im Semester zwischen 600 und 3500 Euro, je nachdem wie groß der Studiengang ist. Die Studenten vom Fachschaftsrat können damit frei verfügen, aber das heißt nicht, dass sie nicht kontrolliert werden. Jede Anschaffung über 100 Euro, egal ob vom den Fachschaftsräten oder dem Asta selbst, muss von der Asta Sitzung beschlossen werden.

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Die Asta-Sitzung besteht aus dem Vorstand und den anderen gewählten Referenten und tagt einmal die Woche. Auf dieser Sitzung werden unter anderem entsprechende Finanzbeschlüsse getroffen.

Angenommen ein Fachschaftsrat will sich einen Laptop kaufen, der 500 Euro kostet. Das können sie machen, es ist ja ihr Geld. Aber sie müssen einen Finanzierungsantrag an uns stellen, und wir fragen dann: Ist das die günstigste Lösung? Zeigt uns zwei Vergleichsangebote! Wenn die Angebote da sind, genehmigen wir die sinnvollste und günstigste Lösung.

Der gesamte Haushalt der Verfassten Studierendenschaft wird vom Studierendenparlament beschlossen und wird durch den sogenannten Wirtschaftsrat kontrolliert. Dieser entlässt auch die jeweiligen Asta-Verantwortlichen nach Legislaturende. Im Wirtschaftsrat sitzen Studenten aber auch ein Vertreter der Professorenschaft. Die allgemeine Rechtsaufsicht über die Verfasste Studierendenschaft trägt das Präsidium der Universität.

Natürlich ist es nicht so leicht, wie es klingt. Weil bei Asta-Wahlen meist nur 25 Prozent der Studenten zur Wahlurne gehen, begünstigt das die extremen Kräfte. Das ist genauso wie in der großen Politik. Wir haben Leninisten, Marxisten und knallharte Kommunisten im Parlament. Da wird hart darüber diskutiert, wofür wir Geld ausgeben und am Ende setzt die sich Mehrheit durch, so funktioniert Demokratie. Manche aus dem Studentenparlament haben eine naive Vorstellung davon, was sie erreichen wollen, zum Beispiel den Sturz des kapitalistischen Systems in Deutschland. Aber es gibt auch Pragmatiker und gemäßigte Linke, mit denen man gute Politik machen kann.

Jeder Asta muss sich eben überlegen, wie er das Geld der Studenten ausgeben möchte. Will ich die Zentrale der Revolution sein und verblendete Aktionen starten? Oder will ich etwas Vernünftiges machen, was den Studenten wirklich hilft? Wir in Hamburg sind unter manchen Studenten als "Service"-Asta verschrien, und dazu muss man wissen, dass "Service" auf dem Campus ein Kampfbegriff ist. Wir sind aber stolz auf unsere Strukturen und auf die Dienstleistungen die wir neben unserem politischen Engagement anbieten, wie Veranstaltungen, Projekte oder unser Infocafé.

Wir haben ein modernes Office mit zwei Assistentinnen, Computern, einem Zentralserver. Das ist nicht mehr das alte Bild des Asta von der Kifferbude mit Gammelsofas und vollgekritzelten Wänden. Die Buchhaltung haben wir outgesourct an einen professionellen Wirtschaftsprüfer, das kostet zwar, aber so gehen wir sicher, dass mit dem Geld der Studenten nichts Unrechtes passiert. Immer wenn ich Studenten erzähle, wie viel Geld wir verwalten, sagen die: Richtig so. Das darf man doch nicht im Chaos versickern lassen!

Ein Problem können wir aber nicht lösen, das sind die kurzen Legislaturperioden. Ein Asta regiert immer von April bis April. Der Wahlkampf selbst läuft aber von November bis Januar. Das heißt, jedem Asta bleiben effektiv nur neun Monate, um Politik zu machen. Man könnte die Perioden verlängern, aber das ist aus demokratischen Gründen schwierig. Viele der Studenten, die den Asta gewählt haben, wären dann nicht mehr an der Uni, und die Erstsemester wollen nicht erst nach zwei Jahren das erste Mal wählen. Auch für Verantwortlichen wären längere Legislaturperioden schwierig, die Referentinnen und Referenten arbeiten 40 bis 50 Stunden die Woche, ein Asta-Chef 60 bis 70, da bleibt kaum Zeit zum Studieren. Und für zwei Jahre das Studium aussetzen ist ziemlich schwierig.

Das Einzige, was sich wirklich ändern muss in Hamburg, ist die Wahlbeteiligung. Wenn die Studenten sicher sein wollen, dass ihr Asta kein Geld verschwendet, müssen sie zur Wahl gehen und in die entsprechenden Gremien, wie dem Parlament oder der öffentlichen Asta-Sitzungen. Nur wenn es eine Öffentlichkeit gibt, stehen die Verantwortlichen unter Druck, alles richtig zu machen. Wer sich nicht für Politik interessiert, der überlässt das Feld den Radikalen und den Unseriösen.

Séverin Pabsch, 24, studiert Jura und war von April 2009 und bis 06. Mai 2010 Asta-Vorsitzender an der Uni Hamburg.

Protokoll: Justus Bender

 
Leser-Kommentare
    • SarahA
    • 06.05.2010 um 23:03 Uhr

    "Natürlich ist es nicht so leicht, wie es klingt. Weil bei Asta-Wahlen meist nur 25 Prozent der Studenten zur Wahlurne gehen, begünstigt das die extremen Kräfte"

    Frage mich woher diese 25 % kommen sollen.... an den meisten Unis liegt die Wahlbeteiligung unter 10 % und das obwohl manche Wahllokale über eine Woche geöffnet haben.
    Diese extrem niedrige Wahlbeteiligung führt häufig dazu, dass besonders Spaßparteien viele Vertreter in den Parlamenten sitzen haben.

    Es mag sein, dass es wenige gut funktionierende ASten gibt, aber die meisten sind damit beschäftigt sich und ihre Leute mit Posten zu versorgen... so spart man Studienbeiträge... und verdient ein wenig Geld. Wie sonst erklärt es sich, dass so mancher Dauerstudent ewig im AStA versackt....

    Und noch eine Sache. Studienbeitrasboykotte... für die Unmengen an Geld ausgegeben wurde. Da gönnte man sich edle Hochglanzplakate oder Flyer für mehrere tausend Euro...nicht zu vergessen das Gehalt des Notars... und am Ende nahmen von 17.000 Studenten nicht mal 400 an der Aktion teil! Statt aus der Sache zu lernen, will man das gleiche aber wiederholen.... Juchei...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • asx
    • 07.05.2010 um 17:10 Uhr

    Unter 10% ist meistens auch der Anteil an Geisteswissenschaftlern, Linksaußen und Parteimitgliedern an der Uni. Da das die Hauptzielgruppen von Asta's sind, erklärt sich die niedrige Wahlbeteiligung.
    In BW gibt es Gott sei Dank keinen AstA, aber man sollte das Studierendenparlament ebenfalls abschaffen. Es ist (s.o.) weder representativ noch hat es irgendeinen Sinn.

    • asx
    • 07.05.2010 um 17:10 Uhr

    Unter 10% ist meistens auch der Anteil an Geisteswissenschaftlern, Linksaußen und Parteimitgliedern an der Uni. Da das die Hauptzielgruppen von Asta's sind, erklärt sich die niedrige Wahlbeteiligung.
    In BW gibt es Gott sei Dank keinen AstA, aber man sollte das Studierendenparlament ebenfalls abschaffen. Es ist (s.o.) weder representativ noch hat es irgendeinen Sinn.

    • asx
    • 07.05.2010 um 17:10 Uhr

    Unter 10% ist meistens auch der Anteil an Geisteswissenschaftlern, Linksaußen und Parteimitgliedern an der Uni. Da das die Hauptzielgruppen von Asta's sind, erklärt sich die niedrige Wahlbeteiligung.
    In BW gibt es Gott sei Dank keinen AstA, aber man sollte das Studierendenparlament ebenfalls abschaffen. Es ist (s.o.) weder representativ noch hat es irgendeinen Sinn.

    Antwort auf "Seit wann?"
  1. Ich freue mich ja schon über die Einleitung "Viele Asten verschwenden Geld" - nur weil die Zeit mal alle Verschwendungsfälle der letzten zwanzig Jahre in einem Artikel gesammelt hat, ist das noch lange nicht wahr.

    Ich frage mich ferner, wo meine Vorredner denn studieren - an "meiner" Uni in BaWü hat das unabhängige Modell eine Wahlbeteiligung von 25%. Aller Studenten, inkl. Auslandsstudenten, Erstsemestern, die vom unabhängigen Modell noch gar nichts wissen, Diplomarbeitern, Studenten im Praktikum, reichen "ooch, ich bleibe noch ein bisschen eingeschrieben, um die Parties mitzumachen"-Studenten etc.

    Unter denjenigen Studenten, die tatsächlich an der Uni sind, dürfte die Wahlbeteiligung gar nicht mal wesentlich niedriger sein als bei Europawahlen. Schaffen wir also das Europaparlament ganz ab und lassen die europäische Kommission über Europa bestimmen?

    Und die höchsten Wahlbeteiligungen erzielen nicht Geisteswissenschaftler, sondern E-Techniker und Physiker (>40%).

    Konstruktive Arbeit ist mittlerweile sogar manchmal mit dem RCDS möglich, der vor einigen Legislaturperioden Gerüchten zufolge eigentlich nur im StuPa saß, um das StuPa möglichst schnell aufzulösen. Wenn jetzt noch die Studierendenvertretung tatsächliche Mitspracherechte bekäme (statt der: "Wenn ihr etwas gegen uns beschließt, ignorieren wir es sowieso"-Einstellung der Universitäten), dann hätten wir an den Unis einige der aktuellen Probleme, z.B. um Bologna, nicht oder wesentlich geringer.

    MfG, Parkwaechter

    • cinor
    • 10.05.2010 um 14:15 Uhr

    Ich ergänze Parkwaechters Beitrag um die Wahlbeteiligungen in den einzelnen Fachbereichen der letzten Wahlen an seiner und auch meiner Uni. Dann dürfte sehr schnell klar werden, liebe/r asx, dass Ihre Polemik lächerlich ist.

    Elektrotechnik: 41,2%
    Physik: 40,4%
    Wirtschaftswissenschaften: 31,4%
    Chemieingenieurwesen: 28,4%
    Mathematik: 25,5%
    Maschinenbau: 20,5%
    Informatik: 18,0%
    Geowissenschaften: 16,7%
    Geistes- und Sozialwissenschaften: 13,3%
    Bauingenieurwesen: 9,0%
    Chemie- und Biowissenschaften: 8,3%

    Und nun erzählen Sie mal einem Elektrotechniker, Physiker oder Wirtschaftswissenschaftler, dass er Geisteswissenschaftler ist und ins typische Klischee eines Linksaußen und Parteimitglieds passt. Wunderbar! Das also ist die typische Zielgruppe eines AStA.

    Das Studierendenparlament meiner Uni arbeitet inzwischen sehr konstruktiv. Sicherlich gibt es mitunter frucht- und sinnlose Debatten, aber konsensorientierte Entscheidungen sind in der Überzahl.

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