Ultra-Orthodoxie Studentinnen zwischen Glaube, Business und Familie
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Logistik und Computertechnologie etwa sind neue Studiengänge

"In erster Linie will ich Mutter sein", sagt Chani. "Aber ich weiß, dass ich arbeiten muss, um meinen Kindern ein gutes Leben zu bieten." Und auch in der Gemeinde will sie tätig sein. So wie Chani denken viele der jungen Frauen, daher ist es konsequent, dass vor allem pädagogische und soziale Berufe beliebt sind. "Doch es findet ein kontinuierlicher Wandel statt und es kommen immer mehr Berufe dazu", sagt El-Or.

So gibt es neben den technischen Programmen am JCT ein Jura-Programm in Kiryat Ono und seit diesem Jahr auch Psychologie, angeboten vom Jerusalem Haredi College gemeinsam mit der Ben Gurion Universität. Das Haredi College ist dabei keine Hochschule im eigentlichen Sinn, mehr eine Plattform, auf der verschiedene anerkannte israelische Hochschulen zusammentreffen und gemeinsam erarbeitete Studiengänge anbieten: etwa Sozialarbeit, Logistik, Computertechnologie und Raumdesign.

Gegründet hat das College im Jahr 2000 eine Frau: Adina Bar-Shalom. Sie ist Tochter des sephardischen Oberrabiners Ovadia Yossef, dem geistigen Oberhaupt der Juden mit orientalischem Hintergrund. Bei der Gründung des Colleges gab er sein Einverständnis und somit auch die religiöse Erlaubnis zur Hochschulbildung von Frauen. Bar Shaloms Idee war es, die akademische Bildung in die religiöse Gemeinschaft hinein zu bringen, weil ein College-Abschluss für eine erfolgreiche Karriere unerlässlich ist. "So können wir weiterhin unseren Lebensstil und unsere Prinzipien aufrecht erhalten", sagt sie. Dafür erntet sie viel Zustimmung. Die Akzeptanz der Programme steigt stetig, genauso wie die Angebote. "Adina Bar-Shalom hat ein Tabu gebrochen. Sie hat es geschafft, dass ihr andere nach und nach folgen", sagt El-Or.

Noch ist die Angst vieler strenggläubiger Juden groß, in ihrer Gemeinschaft als säkular abgestempelt zu werden. Das wiederum hätte Auswirkungen auf die soziale Stellung, die Wahl des Ehepartners und die Schulen der Kinder. In säkularer Bildung sehen viele den Einstieg in ein religionsloses Leben. "Es hilft, wenn sie sehen, dass jemand studiert und trotzdem noch einer von ihnen ist, mit Hut und Schläfenlocken rumläuft", glaubt El-Or. "Diese Studenten sind die mutigsten, die intelligentesten, sie sind die Pioniere." So sieht sich auch die junge Studentin Chani. "In zehn Jahren bin ich Managerin, verheiratet und Mutter" – das ist ihr Plan. Das Studium habe ihr die Augen geöffnet für eine andere Welt. "Ich habe gelernt, beides zu verbinden, Business und Jiddishkeit."
 

 
Leser-Kommentare
  1. wie blödsinnig es ist, sein Leben von bronzezeitlichen Mythen dominieren zu lassen.

    Ja, ich weiß, man muss auf fremde Kulturen zugehen bla bla - nur sehe ich hier eben nichts Fremdes, sondern das all- und altbekannte gleiche Schema: Jüdische, muslimische, christliche, shintoistische und sonstige Fundis, in praxi alle gleich. Die Unterschiede beschränken sich auf - in Lessings Worten - Kleidung, Speis' und Trank.

    Mir fehlt jeder Respekt vor Leuten, die sich von den Fiktionen ihrer Altvorderen versklaven lassen. Eine neue Aufklärung statt "Rückbesinnung auf traditionelle Werte" tut not.

    Nebenbei, auch wenn die beiden Studentinnen mit ihrem Zahnpastereklamegrinsen ja so niedlich sind - wenn ich bei irgendeinem Teil des israelischen Bürger eine Mitschuld am Fortbestehen des Nahostproblems suchen wollte, würde ich bei den Ultraorthodoxen suchen und nicht bei den Säkularen.

  2. - Das Studium habe ihr die Augen geöffnet für eine andere Welt. "Ich habe gelernt, beides zu verbinden, Business und Jiddishkeit." -

    Seit wann öffnet Religion und Geschäftsleben einem die Augen?
    Würde eher behaupten dadurch schränkt sich das Sichtfeld ein.

    "Mir fehlt jeder Respekt vor Leuten, die sich von den Fiktionen ihrer Altvorderen versklaven lassen."

    *schmunzel* Wie wahr :)

    • smojoe
    • 01.06.2010 um 10:02 Uhr

    solange solche fundamentalistischen Vorstellungen in den Köpfen herumgeistern wird sich nicht wirklich etwas bewegen.

  3. es ist traurig zu sehen wie sich hinter manch revolutionären und avantgardistischen Worten nichts weiter als dieselbe Engstirnigkeit versteckt die sie anprangern!

    Bronzezeitliche Vorurteile in neuer Verpackung.

  4. "Die Ultra-Orthodoxen machen in Israel eine Gruppe von etwa 550.000 Menschen aus, die sich von der modernen Welt weitgehend abschotten."

    Da habe ich aber auch schon anderes gehört. Ich bin kein Isreal-Spezialist und kann darum nicht mit Sicherheit sagen, was stimmt, aber ich habe schon Leute, die lange in Isreal waren, erzählen hören, dass sich die Ultra-Orthodoxen gar nicht abschotten, sondern im Gegenteil sehr aktiv in der säkularen Welt sind. Und dies in sehr missionarischer Weise. Es ist ja das eine, wenn sich ein paar Menschen abschotten, um nach sehr strikten, für mich nicht nachvollziebaren Regeln zu leben. Diese Lebensweise muss man nicht verstehen, wird aber auch nicht gross davon behelligt. Viele ultra-orthodoxen Juden in Israel aber haben damit begonnen, ihren engen Werte- und Regelkosmos sämtlichen Mitmenschen in ihrer Nähe aufzudrängen. So soll es mittlerweile in einigen Quartieren gang und gäbe sein, dass zwangsweise am Sabbat ganze Strassenzüge abgesperrt und Zugänge zu Geschäftshäusern verwehrt werden. Auch gibt es Buslinien, da haben die Ultra-Orthodoxen erzwungen, dass die Frauen nur noch hinten sitzen dürfen, Männer nur noch vorne. Daran haben sich alle Busbenützer zu halen - egal ob säkular oder ultra-orthodox. Nein, abgeschottet leben diese ultra-orthodoxen Juden bestimmt nicht mehr, sondern sehr expandistisch (gibts das Wort überhaupt?).

    • oddjob
    • 02.06.2010 um 14:04 Uhr

    Toller Artikel, man genießt sein bürgerliches Leben umso mehr wenn man liest in welche dogmatischen Strukturen sich diese Elite zwängt.

    Überhaupt scheint es mir, dass Aus- oder Abgrenzung eine übergeordnete Rolle bei allen Orthodoxen einnimmt. Da kann man nur hoffen, dass ihnen die Religion so viel gibt, wie wir aneren glauben dass sie es tut.

  5. Sich in diesen Kommentaren hämisch über Menschen lustig zu machen, die noch die Fähigkeit haben, an etwas glauben zu können, ist erbärmlich und zeigt nicht zuletzt von der Bitterkeit, selbst an nichts weiter als Anomie zu leiden.
    Man muss den Weg der "ultra-orthodoxen" Juden ja nicht teilenswert finden, aber sie als Dummköpfe abzustempeln ist nichts weiter als idiotisch. Wenn sie Jura oder Psychologie im Einklang mit ihrem Glauben studieren können, sind sie offensichtlich nicht dumm oder einfältig.
    Man denke an dieser Stelle auch an den Mathematiker Robtert Aumann, der auch streng orthodox ist, und gar 2005 den Wirtschaftsnobelpreis erhalten hat. Offensichtlich haftet dieser Mann nicht bloßen "bronzezeitlichen Mythen" an, sondern kann aus seinem Glauben wohl intellektuell schöpfen.

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