Der Dietzenbacher Hassan Khateeb ist 22 Jahre alt, studiert im dritten Semester Jura an der Frankfurter Goethe-Universität und bekommt ein Stipendium der Rudolf-Steinberg-Stiftung. Hassan hat gute Noten und weiß auch schon, was er später machen will: Als Anwalt für Menschenrechte arbeiten – und Steuern in Deutschland zahlen. "Der deutsche Staat hat eine Menge Geld in meine Ausbildung und die meiner Geschwister investiert. Das will ich zurückgeben", sagt Hassan. Seit 18 Jahren lebt die Flüchtlingsfamilie in Deutschland, vier seiner sechs Geschwister sind hier geboren.

Doch ob Hassan Khateeb sein Jura-Studium in Frankfurt jemals wird beenden können, ist fraglicher denn je. Vergangene Woche hat der Petitionsausschuss des hessischen Landtags einen Antrag der Familie auf Bleiberecht abgelehnt. Die Ausländerbehörde behauptet seit Jahren, die Eltern hätten bei der Einreise falsche Angaben gemacht. In Wahrheit seien sie keine staatenlose Palästinenser, sondern jordanische Staatsbürger und müssten somit ausreisen.

Beweise für diese Behauptung hat die Behörde bisher nicht vorgelegt. Hingegen existieren ein unabhängiges Gutachten, das die palästinensische Herkunft der Familie bestätigt sowie Unterlagen der Vereinten Nationen die belegen, dass die Khateebs als palästinensische Flüchtlinge beim UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten registriert sind. Die deutschen Behörden erkennen die Unterlagen aber nicht an.

"Wir sind fassungslos über die Entscheidung des Petitionsausschusses", sagt Hassan Khateeb. "Wir hatten mit einem positiven Bescheid gerechnet, insbesondere, weil wir nicht nur humanitäre Argumente haben, sondern auch juristisch sehr gut gerüstet sind", sagt er.

Hassan, seine sechs Geschwister und die Mutter kämpfen seit 2006 um ein Bleiberecht in Deutschland . Der Vater wurde bereits 2007 in ein Flüchtlingslager nach Jordanien abgeschoben. Als auch der Rest der Familie ausgeflogen werden sollte, weigerte sich der Pilot, das Flugzeug zu starten.

Die Solidarität mit den Khateebs ist groß. An ihrem Wohnort Dietzenbach und Hassans Studienort Frankfurt gab es Kundgebungen und Mahnwachen, der Uni-Präsident Werner Müller-Esterl sprach sich für ein Bleiberecht aus, Professoren appellierten an den Ministerpräsidenten Roland Koch. Die Petition im Netz unterschrieben über 10.000 Menschen, auch jetzt kann man sich auf diese Weise noch solidarisieren. Bei Facebook und studiVZ finden sich Unterstützer-Gruppen, die ein "Bleiberecht für Familie Khateeb" fordern.