Medienwissenschaft Besser lernen mit den Simpsons

Die Uni Köln hat ein Seminar über die Familie Simpson veranstaltet. Dort diskutierten Studenten zum Beispiel die Genderproblematik in Springfield. Von Alex Hofmann

Homer Simpsons - Familienvater und Studienobjekt

Homer Simpsons - Familienvater und Studienobjekt

Manchmal war sich Christian Kresse im vergangenen Semester nicht sicher, was da gerade auf seinem Bildschirm aufleuchtete: das abendliche TV-Programm oder das Vorlesungsverzeichnis der Uni Köln. Dort stand: "Die Simpsons, Freitag, 14 bis 20 Uhr."

Normalerweise besucht Christian in seinem Studiengang Medienkulturwissenschaft Vorlesungen wie "Antike Dichtungstheorie" oder "Einführung in die Mediengeschichte". Obwohl er im Fernsehen eher Family Guy als Die Simpsons schaut, meldete er sich für das Seminar an, wie 40 andere Kommilitonen. Gut einen Monat später basteln Christian Kresse und seine Kommilitonen an einer Gesellschaftsanalyse von Springfield, philosophieren über die Tatsache, dass die Simpsons nicht im Internet surfen und duellieren sich mit Zitaten aus der Serie. Die Seminarleiter geben eine Liste herum, mögliche Referatsthemen sind: "Die Simpsons im Kontext der amerikanischen Kultur" oder "Die Simpsons und der Fernseher: Intertextualität und Intermedialität, Facetten und Probleme eines aktuellen, medienwissenschaftlichen Begriffs".

Anzeige

"Das Seminar sollte Phänomene der Populärkultur analysieren, da kam uns die Idee, dies am Beispiel der Simpsons zu tun", sagen die Seminarleiter Tobias Haupts und Agnes Frey. Auf diese Weise locken übrigens auch andere Dozenten ihre Studenten: An den Unis Marburg und Witten-Herdecke etwa analysieren Medizinstudenten die Behandlungsmethoden von Dr. House.

Die Diskussionen über die Simpsons nahmen die Studenten durchaus ernst. So wurde zum Beispiel über die Genderproblematik gesprochen, denn kaum ein Frau aus Springfield macht Karriere. Marge ist Hausfrau, Patty und Selma arbeiten lustlos beim Amt für Kraftfahrzeugwesen. Und Mrs. Krabapple ist als Lehrerin völlig überfordert. Ein subtiler Chauvinismus? Weil die Beteiligung so rege war, soll es in Köln bald weitere Serien-Seminare geben. Ob dann endlich Christians Lieblingsserie Family Guy drankommt, ist allerdings noch offen.

 
Leser-Kommentare
    • bäng
    • 15.06.2010 um 21:49 Uhr

    Die Simpsons surfen sehr wohl inausgewählten Folgen im Internet, oder googlen, oder spielen World of Warcraft, oder sehen Videos bei Youtube. Der Comicbuchverkäufer hat gar einen Blog. Sehr modern, diese Simpsons.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie nehmen mir mein Kommentar vorweg.

    "...philosophieren über die Tatsache, dass die Simpsons nicht im Internet surfen..."

    Immer, wenn einem ein Satz begegnet, indem über vermeindliche Tatsachen geredet wird, sollte man hellhörig werden.

    In diesem Sinne sei dieses kleine Simpsons-Zitat an den Autor gerichtet: "Friss meine Shorts!" :)

    • Cg
    • 16.06.2010 um 11:21 Uhr

    Vielen Dank für den Einwurf zu der dreisten Tatsachenbehauptung.
    Neben dem Hinweis auf die House-Seminare hätte man übrigens auch mal darüber informieren können, dass es Seminare u.a. zu den Simpsons spätestens seit dem Sommersemester 2007 an der HBK Braunschweig gab.

    • Parvis
    • 16.06.2010 um 16:01 Uhr

    dass von Homer der legendäre Satz 'Internet gibt es jetzt auch für Computer' stammt.
    Auch die Website http://www.mrxswebpage.com/ wird unbestätigten Gerüchten nach, von Homer Simpson betrieben.

    Sie nehmen mir mein Kommentar vorweg.

    "...philosophieren über die Tatsache, dass die Simpsons nicht im Internet surfen..."

    Immer, wenn einem ein Satz begegnet, indem über vermeindliche Tatsachen geredet wird, sollte man hellhörig werden.

    In diesem Sinne sei dieses kleine Simpsons-Zitat an den Autor gerichtet: "Friss meine Shorts!" :)

    • Cg
    • 16.06.2010 um 11:21 Uhr

    Vielen Dank für den Einwurf zu der dreisten Tatsachenbehauptung.
    Neben dem Hinweis auf die House-Seminare hätte man übrigens auch mal darüber informieren können, dass es Seminare u.a. zu den Simpsons spätestens seit dem Sommersemester 2007 an der HBK Braunschweig gab.

    • Parvis
    • 16.06.2010 um 16:01 Uhr

    dass von Homer der legendäre Satz 'Internet gibt es jetzt auch für Computer' stammt.
    Auch die Website http://www.mrxswebpage.com/ wird unbestätigten Gerüchten nach, von Homer Simpson betrieben.

  1. Was ist mit dem offensichtlichen Chauvinismus in der Simpsons-Familie: Dass die beiden männlichen Familienmitglieder unreif, unvernünftig, faul und dumm sind und oftmals auch unmoralisch handeln, während Lisa das genaue Gegenteil davon ist; Marge fehlt zwar die Genialität von Lisa, aber auch sie handelt meistens vernünftiger als z.B. Homer. Dieser Geschlechterunterschied in der Simpsons-Familie wird übrigens in der Serie sogar noch biologistisch untermauert, nämlich durch ein Simpson-Dummheits-Gen, welches nur Männer betrifft. Auch besteht sonst kein Mangel an männlichen Trotteln in den Simpsons (man denke z.B. an Ralph Wiggum, Chief Wiggum, die anderen Polizisten oder Barney Gumble); mir fallen jetzt aber auf Anhieb keine dummen Frauengestalten ein.
    Im Gegensatz zu den anderen männlichen intelligenten Personen der Serie (Prof. Frinck und Martin Prince oder die drei Studenten) wird Lisa übrigens äußerst positiv und nicht klischeehaft dargestellt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Stimmt. Auch ich erinnere mich an die Folge, in der zum Schluss rauskommt, dass bei den Simpsons das Y-Chromosom defekt ist:
    http://www.simpsonsline.c...

    Ansonsten tun mir jene Studenten und Akademiker irgendwie leid, die ihr Dasein einzig damit fristen, von den geistigen Hinterlassenschaften anderer zu leben und mit ihren ihre Konstrukte aufrecht zu erhalten.

    Die Simpsons sollen doch im Grunde eine überzeichnete Karikatur auf die amerikanische Familie sein. Sie gucken viel Fernsehn, essen vor dem Fernseher, sind nicht gerade mit Allgemeinbildung gesegnet, usw. Die Dummheit der Charaktere macht nicht nur einen gewissen Teil des Humors aus, es ist einfach nur eine Zuspitzung der amerikansichen Gesellschaft in der die Schlauen Leute gemeinhin als "Geeks" bezeichnet werden und der durchschnittsamerikaner den Fernseher einem Buch vorzieht.

    Darüber hinaus bin ich schon der Meinung, dass die Simpsons zu unserer Zeit dazu gehören und durchaus, auf eine humuristische Art und Weise, einen sehr scharfen Blick auf die amerikanische Gesellschaft haben.
    Die meißten Folgen sind natürlich nur Klamauk und wollen unterhalten, aber einige sind doch sehr Gesellschaftskritisch.
    Ein anderes Beispiel wäre, auf seine eigene rüde Art und Weise, die Serie South Park, in der nun wirklich in fast jeder Folge ein Teil der Gesellschaft aufs Korn genommen wird.

    Ich finde man sollte solche Serien nicht als Verdummungsfernsehn ansehen und die Tatsache, das Medienwissenschaftler sich mit aktuellem Material beschäftigen kann ich nur begrüßen.

    Unterschichtenfernsehn haben wir nun wirklich genug im deutschen Fernsehn!
    Aber das ist ein anderes Thema.

    Stimmt. Auch ich erinnere mich an die Folge, in der zum Schluss rauskommt, dass bei den Simpsons das Y-Chromosom defekt ist:
    http://www.simpsonsline.c...

    Ansonsten tun mir jene Studenten und Akademiker irgendwie leid, die ihr Dasein einzig damit fristen, von den geistigen Hinterlassenschaften anderer zu leben und mit ihren ihre Konstrukte aufrecht zu erhalten.

    Die Simpsons sollen doch im Grunde eine überzeichnete Karikatur auf die amerikanische Familie sein. Sie gucken viel Fernsehn, essen vor dem Fernseher, sind nicht gerade mit Allgemeinbildung gesegnet, usw. Die Dummheit der Charaktere macht nicht nur einen gewissen Teil des Humors aus, es ist einfach nur eine Zuspitzung der amerikansichen Gesellschaft in der die Schlauen Leute gemeinhin als "Geeks" bezeichnet werden und der durchschnittsamerikaner den Fernseher einem Buch vorzieht.

    Darüber hinaus bin ich schon der Meinung, dass die Simpsons zu unserer Zeit dazu gehören und durchaus, auf eine humuristische Art und Weise, einen sehr scharfen Blick auf die amerikanische Gesellschaft haben.
    Die meißten Folgen sind natürlich nur Klamauk und wollen unterhalten, aber einige sind doch sehr Gesellschaftskritisch.
    Ein anderes Beispiel wäre, auf seine eigene rüde Art und Weise, die Serie South Park, in der nun wirklich in fast jeder Folge ein Teil der Gesellschaft aufs Korn genommen wird.

    Ich finde man sollte solche Serien nicht als Verdummungsfernsehn ansehen und die Tatsache, das Medienwissenschaftler sich mit aktuellem Material beschäftigen kann ich nur begrüßen.

    Unterschichtenfernsehn haben wir nun wirklich genug im deutschen Fernsehn!
    Aber das ist ein anderes Thema.

  2. Stimmt. Auch ich erinnere mich an die Folge, in der zum Schluss rauskommt, dass bei den Simpsons das Y-Chromosom defekt ist:
    http://www.simpsonsline.c...

    Ansonsten tun mir jene Studenten und Akademiker irgendwie leid, die ihr Dasein einzig damit fristen, von den geistigen Hinterlassenschaften anderer zu leben und mit ihren ihre Konstrukte aufrecht zu erhalten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... gegenüber Akademikern die von Hinterlassenschaften anderer zehren. Ihr Mitleid ist offenbar unbegrenzt groß, da es auf ALLE Akademiker, Studenten, Wissenschaftler, und überhaupt die gesamte Weltgesellschaft zutrifft. Niemand von uns erfindet das Rad neu, alle stützen sich notwendigerweise auf Vorarbeiten anderer. Der Akademiker, der sich dafür zu schade wäre, ist nicht besonders ernst zu nehmen, oder?

    ... gegenüber Akademikern die von Hinterlassenschaften anderer zehren. Ihr Mitleid ist offenbar unbegrenzt groß, da es auf ALLE Akademiker, Studenten, Wissenschaftler, und überhaupt die gesamte Weltgesellschaft zutrifft. Niemand von uns erfindet das Rad neu, alle stützen sich notwendigerweise auf Vorarbeiten anderer. Der Akademiker, der sich dafür zu schade wäre, ist nicht besonders ernst zu nehmen, oder?

  3. Die Simpsons sollen doch im Grunde eine überzeichnete Karikatur auf die amerikanische Familie sein. Sie gucken viel Fernsehn, essen vor dem Fernseher, sind nicht gerade mit Allgemeinbildung gesegnet, usw. Die Dummheit der Charaktere macht nicht nur einen gewissen Teil des Humors aus, es ist einfach nur eine Zuspitzung der amerikansichen Gesellschaft in der die Schlauen Leute gemeinhin als "Geeks" bezeichnet werden und der durchschnittsamerikaner den Fernseher einem Buch vorzieht.

    Darüber hinaus bin ich schon der Meinung, dass die Simpsons zu unserer Zeit dazu gehören und durchaus, auf eine humuristische Art und Weise, einen sehr scharfen Blick auf die amerikanische Gesellschaft haben.
    Die meißten Folgen sind natürlich nur Klamauk und wollen unterhalten, aber einige sind doch sehr Gesellschaftskritisch.
    Ein anderes Beispiel wäre, auf seine eigene rüde Art und Weise, die Serie South Park, in der nun wirklich in fast jeder Folge ein Teil der Gesellschaft aufs Korn genommen wird.

    Ich finde man sollte solche Serien nicht als Verdummungsfernsehn ansehen und die Tatsache, das Medienwissenschaftler sich mit aktuellem Material beschäftigen kann ich nur begrüßen.

    Unterschichtenfernsehn haben wir nun wirklich genug im deutschen Fernsehn!
    Aber das ist ein anderes Thema.

  4. Sie nehmen mir mein Kommentar vorweg.

    "...philosophieren über die Tatsache, dass die Simpsons nicht im Internet surfen..."

    Immer, wenn einem ein Satz begegnet, indem über vermeindliche Tatsachen geredet wird, sollte man hellhörig werden.

    In diesem Sinne sei dieses kleine Simpsons-Zitat an den Autor gerichtet: "Friss meine Shorts!" :)

    Antwort auf "Kleine Richtigstellung"
    • Schaps
    • 16.06.2010 um 11:02 Uhr

    Dazu sei noch gesagt, dass Marge quasi in jeder zweiten Folge die Möglichkeit bekommt Karriere zu machen oder wenigstens einen guten Job zu bekommen, diese aber immer aus meist moralischen Gründen wieder aufgibt. Davon einmal abgesehen sind mir die Simpsons nie geschlechterungerecht aufgefallen, eher zum Nachteil der Männer, da diese in den meisten Fällen ziemlich dumm oder nerdig sind.
    Davon einmal abgesehen ist Family Guy eh die besseren Simpsons und dort ist es genau dieselbe Sache. Im Mittelpunkt stehen eher die männlichen Parts. Das sieht man vor allem auch in South Park. Ob das zufällig ist oder bewusst kann ich nicht sicher sagen, mir kommt es aber häufig so vor, dass die Männer die bessere Grundlage für gute Storys bieten, vor allem die Jungs aus South Park. Sie machen in ihrer Jugend eben "interessantere" Dinge und bieten deswegen Stoff zur Unterhaltung.
    Wenn dies also Absicht sein sollte, sollte es den Machern welcher Serie auch immer, vorgeworfen werden oder nicht? Ich bin der Meinung nein.

    • Cg
    • 16.06.2010 um 11:21 Uhr

    Vielen Dank für den Einwurf zu der dreisten Tatsachenbehauptung.
    Neben dem Hinweis auf die House-Seminare hätte man übrigens auch mal darüber informieren können, dass es Seminare u.a. zu den Simpsons spätestens seit dem Sommersemester 2007 an der HBK Braunschweig gab.

    Antwort auf "Kleine Richtigstellung"
    • Parvis
    • 16.06.2010 um 16:01 Uhr

    dass von Homer der legendäre Satz 'Internet gibt es jetzt auch für Computer' stammt.
    Auch die Website http://www.mrxswebpage.com/ wird unbestätigten Gerüchten nach, von Homer Simpson betrieben.

    Antwort auf "Kleine Richtigstellung"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service