Textlabors an Unis Schreiben kann man lernen
Wie strukturiere ich eine Hausarbeit? Wie stelle ich einen Forschungsantrag? Unis bieten in Schreibwerkstätten Hilfe. Die raren Plätze sind begehrt.
"Das Trainingswochenende in wissenschaftlichem Schreiben hat mir mehr Selbstvertrauen für meine Masterarbeit gegeben", sagt Kathrin, Romanistikstudentin an der Uni Bonn. Ihre Examensarbeit beschäftigt sich mit der "Wirtschaftssprache in portugiesischen Zeitungen".
Sollen Abschluss- oder Hausarbeiten gelingen, komme es im Wesentlichen darauf an, das jeweilige Thema in eine konkrete Frage umzuwandeln und die Frage auf ein Erkenntnisziel zuzuspitzen, erläutert Kursleiterin Weiping Huang. Sie ist eine aus China zugewanderte Sprachwissenschaftlerin. "Der zielgerichtete Aufbau des jeweiligen Schreibprojekts von der Problemstellung bis zum Ergebnis gilt für alle Disziplinen gleichermaßen", sagt Huang. So sitzen in ihrer Übung Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaftler. Die große Mehrheit der Teilnehmer sind Frauen, genau elf. Vier sind Gaststudenten aus dem Ausland.
Wie in Bonn gibt es wissenschaftliche Schreibwerkstätten oder sogenannte Textlabors an einer ganzen Reihe weiterer, aber längst nicht an allen Hochschulen in Deutschland. Eine vollständige Übersicht hat keiner der direkt Beteiligten, offenbar fehlt bisher ein bundesweites Netzwerk. Ausgerechnet die führenden Technischen Universitäten, die TU 9, haben aber auf Nachfrage sogleich ein Gesamtverzeichnis ihrer Angebote zur Hand. Alle sind dabei.
"Engineer your text", wirbt etwa die Technische Universität München für einen ganzen Semesterkurs. In dem geht es um die verschiedenen Textsorten vom Protokoll bis zur Doktorarbeit und zum Forschungsantrag. Neben der Textgliederung geht es stets auch um die genaue und sachorientierte Ausdrucksweise, ohne Gefühlstönung und Ichbezug wie in nichtwissenschaftlicher Literatur. "Die bloße Fachterminologie allein garantiert noch nicht den akademischen Schreibstil", erklärt ein angehender Elektroingenieur. Die wissenschaftlichen Schreibfertigkeiten sind natürlich nicht unbedingt ans Deutsche gebunden. Sonst säßen nicht zahlreiche Studenten der Life Sciences in der Bonner Übung. Sie lernen und schreiben in ihrem biomedizinischen Grundlagenfach stets auf Englisch.
Wie in Bonn gibt es auch anderswo immer lange Wartelisten. "Man sollte sich schon ein paar Semester im voraus zum Schreibtraining anmelden", empfiehlt die Romanistin Kathrin. Das Angebot an Gruppenarbeit oder Einzelberatung reicht anscheinend nirgends für mehr als 500 Studenten pro Semester. Wie viele Lehrende wie lange zur Verfügung stehen, ist eine reine Geldfrage. Die Uni Köln zum Beispiel hat keinen Cent dafür übrig. Ersatzweise betreibt das Studentenwerk ein "Schreibzentrum", allerdings mit Teilnahmegebühr. Die Studenten erwerben dort so wenig wie in Bonn und anderswo examensrelevante Leistungspunkte. Vorbildliche Ausnahmen sind die Unis in Frankfurt/Oder, Bochum oder Bielefeld. Dort bringt Schreib-Engagement immerhin fünf Credit Points ein von insgesamt 180 für den Bachelor-Abschluss.
"Die Erneuerung des Studiums mit Bachelor-Master-Programmen bot die Chance, der Eigeninitiative und damit dem kreativen Schreiben mehr Geltung zu verschaffen", sagt Gabriela Ruhmann, die Leiterin des Bochumer Schreibzentrums "Die Chance wurde aber vertan." Die Bachelorarbeit beispielsweise trägt je nach Fach keine zehn Prozent zur Gesamtnote bei.
- Datum 14.07.2010 - 11:51 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Das Schreiben, so meinte letztens ein angesehener Professor,sollten Studis doch schon auf dem Gymnasium gelernt haben. Haben sie meist nicht, meinte ich, der ich vor Jahren als Hilfskraft der Unibibliothek(!)vielen meiner Kunden erklaert habe, wie man wissenschaftliche Texte von der Hausarbeit bis zur Diss strukturiert.
Schreibkurse, wie im artikel beschrieben, sollten Selbstverstaendlichkeit sein, nicht Anlass als Besonderheit darueber berichten oder fuer die Dozenten Klinkenputzen zu gehen. Davon mal abgesehen, wie sollen Studenten denn Gedankenarbeit leisten nach der Bologna-Reform mit 30 Semesterwochenstunden? Zum Lesen und Durchdenken bleibt da keine Zeit, auch nicht zur Ueberpruefung von "Lektuereverstaendnis" und schreibfaehigkeit durch die Lehrpersonen.
Wir muessen,um eine vernuenftige Lehre und auch Forschung zu gewaehrleisten, die PErsonaldecke an Hochschulen mindestens verdoppeln und gleichfalls die Zahl der FOrschungsstipendien. Dann, und nur dann wuerden wir nicht, wie zur Zeit langsam deutlich wird, international den Anschluss verlieren. Aus lauter Arroganz, dass naemlich noch immer unterschwellig davon ausgegangen wird, am deutschen Wesen solle die Welt genesen, versaeumen wir hier das noetige zu tun und entschuldigen die unfaehigkeit zu politischer Prioritaetensetzung (Bildung, Erziehung, Gesundheit, Alter) mit Geldmangel, und sind dann nicht nur schlecht, sondern noch gemein, vor allem zu denen die mit Verve etwas aendern wollen. Aufklaerung sieht anders aus
Sehr gut auf den Punkt gebracht. Die gegenwärtig politisch "erfolgreiche" Haltung, bessere Bildung sei zum Nulltarif, durch kostenneutrale Umschichtung viel zu knapper Budgets, zu haben, trägt dazu bei, dass andere Länder vorbeiziehen und in Deutschland Forschung und vor allem Lehre (als Vorbedingung erfolgreicher Forschung in der nächsten Generation) stagnieren.
Sehr gut auf den Punkt gebracht. Die gegenwärtig politisch "erfolgreiche" Haltung, bessere Bildung sei zum Nulltarif, durch kostenneutrale Umschichtung viel zu knapper Budgets, zu haben, trägt dazu bei, dass andere Länder vorbeiziehen und in Deutschland Forschung und vor allem Lehre (als Vorbedingung erfolgreicher Forschung in der nächsten Generation) stagnieren.
Sehr gut auf den Punkt gebracht. Die gegenwärtig politisch "erfolgreiche" Haltung, bessere Bildung sei zum Nulltarif, durch kostenneutrale Umschichtung viel zu knapper Budgets, zu haben, trägt dazu bei, dass andere Länder vorbeiziehen und in Deutschland Forschung und vor allem Lehre (als Vorbedingung erfolgreicher Forschung in der nächsten Generation) stagnieren.
wenn eine Masterstudentin einer Sprachwissenschaft einen Wochenendkurs im wissenschaftlichem Schreiben zwecks Selbstvertrauen für die Masterarbeit braucht.
Noch erstaunlicher, dass ein crashkurs dann mal fix richtet, was in den Jahren zuvor ungerichtet blieb.
Und der Gipfel ist, warum es lobenswert sein soll, wenn ein Student für den Erwerb seines grundlegenden Handwerkszeugs (Schreibenkönnen) noch Punkte erhält.
Gleichzeitig läuft die Schreibnachhilfe auch noch unter dem denglish-dämlichen Titel "Engineer your text".
Vielleicht sollte man bestimmte Dinge doch wieder in der Schule lehren & lernen, statt in Projektarbeit zu machen.
Fussball spielen sowieso. Es ist im übrigen falsch, in vielen Studienfächern gibt es keine echten Hausarbeiten, sondern vor allem Klausuren und Versuchsauswertungen. Die müssen weder gut noch flott geschrieben sein.
Ich weiß nun nicht wie die Situation bei regulären Abiturienten ist, jedoch ich als Zweiterbildungswegler konnte aber auch nicht mal annähernd wissenschaftlich schreiben und musste es mir mühsamst selbst beibringen, weil einem das, zumindest auf meiner Uni in Tübingen, keiner näherbringt, und sich auch kein Dozent dazu herablässt, einem Tipps zu geben als Studienfänger.
Dozenten nehmen als gegeben: Der Abiturient hat wissenschaftlich schreiben zu können, sobald er die Uni betritt.
Mal davon abgesehen, viele meiner Freunde haben auch im Laufe ihres Studiums nie richtig gelernt, wissenschaftlich zu schreiben.
Fussball spielen sowieso. Es ist im übrigen falsch, in vielen Studienfächern gibt es keine echten Hausarbeiten, sondern vor allem Klausuren und Versuchsauswertungen. Die müssen weder gut noch flott geschrieben sein.
Ich weiß nun nicht wie die Situation bei regulären Abiturienten ist, jedoch ich als Zweiterbildungswegler konnte aber auch nicht mal annähernd wissenschaftlich schreiben und musste es mir mühsamst selbst beibringen, weil einem das, zumindest auf meiner Uni in Tübingen, keiner näherbringt, und sich auch kein Dozent dazu herablässt, einem Tipps zu geben als Studienfänger.
Dozenten nehmen als gegeben: Der Abiturient hat wissenschaftlich schreiben zu können, sobald er die Uni betritt.
Mal davon abgesehen, viele meiner Freunde haben auch im Laufe ihres Studiums nie richtig gelernt, wissenschaftlich zu schreiben.
Fussball spielen sowieso. Es ist im übrigen falsch, in vielen Studienfächern gibt es keine echten Hausarbeiten, sondern vor allem Klausuren und Versuchsauswertungen. Die müssen weder gut noch flott geschrieben sein.
Der Klausurenhinweis von Kommentator 4 ist im Art. schon impliziert:"Die Bachelor-Thesis beispielsweise trägt je nach Fach keine zehn Prozent zur Gesamtnote bei." Sie ergibt sich hauptsächlich aus den Klausuren, mit denen alle Semesterveranstaltungen enden. Böse Zungen sprechen insoweit vom Boulemie-Lernen: Reinstopfen und dann schnell wieder ausspucken. Zwar können Lerneinheiten nach wie vor auch mit einer Hausarbeit abschließen, aber die ist auch für den Prüfer zeitaufwändiger.
Gegenüber allem Auswendiglernen bleibt die eigene schriftliche Arbeit aber kreative Wissenschaft im Selbstversuch, ein Bildungserlebnis!
Aus Dänemark kenne ich, dass 25% der Punkte (also 60 credits) in sogenannten "special projects" erworben werden können. Zu jedem Projekt wird ein Report geschrieben, und im Rahmen dessen gibt der Lektor feed-back und erklärt auch den Aufbau einer typischen wissenschaftlichen Arbeit (Introduction - objectives - methods - results - discussion - conclusion).
Auch in vielen Kursen wird statt Klauser (oder zusätzlich) ein Projekt bearbeitet - das Ergebnis wird z.B. als wissenschaftlicher (Kurz-)artikel oder als Poster eingereicht.
Bachelor- und Master thesis sind dann oft bereits auf hohem Niveau. Manche dieser Projektberichte wurden sogar als wissenschaftliche Veröffentlichung in durchaus angesehenen Zeitschriften akzeptiert!
Warum sollte das in D nicht auch gehen?
aj
Schreibwerkstätten sind nur in den Studiengängen oder an den Hochschulen eine "herausragende Innovation", in / an denen es versäumt wurde die Studierenden in der Studieneingangsphase in entsprechenden Seminaren über die Grundlagen des wissenschaftlichen Schreibens und Arbeitens zu informieren und wo in der Studienausgangsphase keine Examinand/inn/enkolloquia angeboten werden. Dazwischen müssen natürlich schriftliche Arbeiten (Hausarbeiten, Essays, Papers, etc.) als Prüfungsleistung gefordert werden, damit entsprechende Schreibkompetenzen aufgebaut werden können. In vielen Studiengängen gibt es einen solchen Lernprozess durch Schreibpraxis nicht, weshalb für viel Geld wenige Sonderveranstaltungen organisiert werden müssen, die nicht allen Studierenden bekannt werden und nicht alle erreichen (können).
Wie AlexanderStingl richtig festgestellt hat: Die wenigsten StudienanfängerInnen haben auf dem Gymnasium richtig Schreiben gelernt. Und gerade deshalb sind Einführungen in das wissenschaftliche Arbeiten und Schreiben im ersten Semester eines jeden Studiengangs besonders wichtig und sollte als verpflichtende Veranstaltung in jeden Studiengang integriert werden.
Wissenschaftlich Schreiben zu können ist letztlich auch nicht nur eine Fertigkeit, die lediglich für das Anfertigen der Abschlussarbeit erlernt wird, es ist eine notwendige Voraussetzung für jeden Beruf, den AkademikerInnen später anstreben. Überall müssen mehr oder weniger lange Texte verfasst werden.
Der Begriff "Teaching Assistant" beschreibt nicht etwa ältere Studierende oder studentische Hilfskräfte (dafür wäre der Begriff "Tutor" treffend), sondern ist die englische Übersetzung von "wissenschaftlicheR MitarbeiterIn".
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