Studenten beraten und helfen sich gegenseitig als Schreibtutoren
Die Expertin Ruhmann rät dringend zum Vergleich mit den besten amerikanischen Unis: "Dort müssen die Studenten vom ersten bis zum letzten Semester Woche für Woche papers schreiben. Die Dozenten sprechen die Texte mit jedem auf Stärken, Schwächen und Optimierungsmöglichkeiten durch." Dahinter steht die Erkenntnis: Schreiben ist nicht einfach eine Begabungssache, sondern eine erlernbare Technik um komplizierte Gedanken möglichst verständlich auszudrücken.
Für diesen Lern- und Schreibprozess sind allerdings entsprechend viele Lehrkräfte nötig. Nicht unbedingt Professoren, aber etwa ältere Studenten als teaching assistants. Auch hierzulande sind studentische Hilfskräfte erfolgreich als Schreibtutoren tätig. "Mit denen können unsere Besucher auf Augenhöhe ihre Fragen und Probleme verhandeln, ohne falsche Versagensängste", sagt Katrin Girgensohn, Leiterin des Schreibzentrums in Frankfurt/Oder.
Aus der gelernten Philologin ist inzwischen auch eine Fundraiserin geworden. Sie klopft bei Stiftungen und anderen Wohlmeinenden an, um ihren Betrieb aufrecht erhalten zu können. Dabei hat ihre Hochschule einen strahlenden Beweis für höchste Schreibkunst: ihren Geschichtsprofessor und vielfach preisgekrönten Autor Karl Schlögel. Eine seiner Kernaussagen: "Man kann nur gut schreiben, wenn man eine Sache gedanklich bewältigt hat." Die Gedankenarbeit will alleine bewerkstelligt werden. Beim Schreiben dürfen sich Studenten gerne anleiten lassen.
- Datum 14.07.2010 - 11:51 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Das Schreiben, so meinte letztens ein angesehener Professor,sollten Studis doch schon auf dem Gymnasium gelernt haben. Haben sie meist nicht, meinte ich, der ich vor Jahren als Hilfskraft der Unibibliothek(!)vielen meiner Kunden erklaert habe, wie man wissenschaftliche Texte von der Hausarbeit bis zur Diss strukturiert.
Schreibkurse, wie im artikel beschrieben, sollten Selbstverstaendlichkeit sein, nicht Anlass als Besonderheit darueber berichten oder fuer die Dozenten Klinkenputzen zu gehen. Davon mal abgesehen, wie sollen Studenten denn Gedankenarbeit leisten nach der Bologna-Reform mit 30 Semesterwochenstunden? Zum Lesen und Durchdenken bleibt da keine Zeit, auch nicht zur Ueberpruefung von "Lektuereverstaendnis" und schreibfaehigkeit durch die Lehrpersonen.
Wir muessen,um eine vernuenftige Lehre und auch Forschung zu gewaehrleisten, die PErsonaldecke an Hochschulen mindestens verdoppeln und gleichfalls die Zahl der FOrschungsstipendien. Dann, und nur dann wuerden wir nicht, wie zur Zeit langsam deutlich wird, international den Anschluss verlieren. Aus lauter Arroganz, dass naemlich noch immer unterschwellig davon ausgegangen wird, am deutschen Wesen solle die Welt genesen, versaeumen wir hier das noetige zu tun und entschuldigen die unfaehigkeit zu politischer Prioritaetensetzung (Bildung, Erziehung, Gesundheit, Alter) mit Geldmangel, und sind dann nicht nur schlecht, sondern noch gemein, vor allem zu denen die mit Verve etwas aendern wollen. Aufklaerung sieht anders aus
Sehr gut auf den Punkt gebracht. Die gegenwärtig politisch "erfolgreiche" Haltung, bessere Bildung sei zum Nulltarif, durch kostenneutrale Umschichtung viel zu knapper Budgets, zu haben, trägt dazu bei, dass andere Länder vorbeiziehen und in Deutschland Forschung und vor allem Lehre (als Vorbedingung erfolgreicher Forschung in der nächsten Generation) stagnieren.
Sehr gut auf den Punkt gebracht. Die gegenwärtig politisch "erfolgreiche" Haltung, bessere Bildung sei zum Nulltarif, durch kostenneutrale Umschichtung viel zu knapper Budgets, zu haben, trägt dazu bei, dass andere Länder vorbeiziehen und in Deutschland Forschung und vor allem Lehre (als Vorbedingung erfolgreicher Forschung in der nächsten Generation) stagnieren.
Sehr gut auf den Punkt gebracht. Die gegenwärtig politisch "erfolgreiche" Haltung, bessere Bildung sei zum Nulltarif, durch kostenneutrale Umschichtung viel zu knapper Budgets, zu haben, trägt dazu bei, dass andere Länder vorbeiziehen und in Deutschland Forschung und vor allem Lehre (als Vorbedingung erfolgreicher Forschung in der nächsten Generation) stagnieren.
wenn eine Masterstudentin einer Sprachwissenschaft einen Wochenendkurs im wissenschaftlichem Schreiben zwecks Selbstvertrauen für die Masterarbeit braucht.
Noch erstaunlicher, dass ein crashkurs dann mal fix richtet, was in den Jahren zuvor ungerichtet blieb.
Und der Gipfel ist, warum es lobenswert sein soll, wenn ein Student für den Erwerb seines grundlegenden Handwerkszeugs (Schreibenkönnen) noch Punkte erhält.
Gleichzeitig läuft die Schreibnachhilfe auch noch unter dem denglish-dämlichen Titel "Engineer your text".
Vielleicht sollte man bestimmte Dinge doch wieder in der Schule lehren & lernen, statt in Projektarbeit zu machen.
Fussball spielen sowieso. Es ist im übrigen falsch, in vielen Studienfächern gibt es keine echten Hausarbeiten, sondern vor allem Klausuren und Versuchsauswertungen. Die müssen weder gut noch flott geschrieben sein.
Ich weiß nun nicht wie die Situation bei regulären Abiturienten ist, jedoch ich als Zweiterbildungswegler konnte aber auch nicht mal annähernd wissenschaftlich schreiben und musste es mir mühsamst selbst beibringen, weil einem das, zumindest auf meiner Uni in Tübingen, keiner näherbringt, und sich auch kein Dozent dazu herablässt, einem Tipps zu geben als Studienfänger.
Dozenten nehmen als gegeben: Der Abiturient hat wissenschaftlich schreiben zu können, sobald er die Uni betritt.
Mal davon abgesehen, viele meiner Freunde haben auch im Laufe ihres Studiums nie richtig gelernt, wissenschaftlich zu schreiben.
Fussball spielen sowieso. Es ist im übrigen falsch, in vielen Studienfächern gibt es keine echten Hausarbeiten, sondern vor allem Klausuren und Versuchsauswertungen. Die müssen weder gut noch flott geschrieben sein.
Ich weiß nun nicht wie die Situation bei regulären Abiturienten ist, jedoch ich als Zweiterbildungswegler konnte aber auch nicht mal annähernd wissenschaftlich schreiben und musste es mir mühsamst selbst beibringen, weil einem das, zumindest auf meiner Uni in Tübingen, keiner näherbringt, und sich auch kein Dozent dazu herablässt, einem Tipps zu geben als Studienfänger.
Dozenten nehmen als gegeben: Der Abiturient hat wissenschaftlich schreiben zu können, sobald er die Uni betritt.
Mal davon abgesehen, viele meiner Freunde haben auch im Laufe ihres Studiums nie richtig gelernt, wissenschaftlich zu schreiben.
Fussball spielen sowieso. Es ist im übrigen falsch, in vielen Studienfächern gibt es keine echten Hausarbeiten, sondern vor allem Klausuren und Versuchsauswertungen. Die müssen weder gut noch flott geschrieben sein.
Der Klausurenhinweis von Kommentator 4 ist im Art. schon impliziert:"Die Bachelor-Thesis beispielsweise trägt je nach Fach keine zehn Prozent zur Gesamtnote bei." Sie ergibt sich hauptsächlich aus den Klausuren, mit denen alle Semesterveranstaltungen enden. Böse Zungen sprechen insoweit vom Boulemie-Lernen: Reinstopfen und dann schnell wieder ausspucken. Zwar können Lerneinheiten nach wie vor auch mit einer Hausarbeit abschließen, aber die ist auch für den Prüfer zeitaufwändiger.
Gegenüber allem Auswendiglernen bleibt die eigene schriftliche Arbeit aber kreative Wissenschaft im Selbstversuch, ein Bildungserlebnis!
Aus Dänemark kenne ich, dass 25% der Punkte (also 60 credits) in sogenannten "special projects" erworben werden können. Zu jedem Projekt wird ein Report geschrieben, und im Rahmen dessen gibt der Lektor feed-back und erklärt auch den Aufbau einer typischen wissenschaftlichen Arbeit (Introduction - objectives - methods - results - discussion - conclusion).
Auch in vielen Kursen wird statt Klauser (oder zusätzlich) ein Projekt bearbeitet - das Ergebnis wird z.B. als wissenschaftlicher (Kurz-)artikel oder als Poster eingereicht.
Bachelor- und Master thesis sind dann oft bereits auf hohem Niveau. Manche dieser Projektberichte wurden sogar als wissenschaftliche Veröffentlichung in durchaus angesehenen Zeitschriften akzeptiert!
Warum sollte das in D nicht auch gehen?
aj
Schreibwerkstätten sind nur in den Studiengängen oder an den Hochschulen eine "herausragende Innovation", in / an denen es versäumt wurde die Studierenden in der Studieneingangsphase in entsprechenden Seminaren über die Grundlagen des wissenschaftlichen Schreibens und Arbeitens zu informieren und wo in der Studienausgangsphase keine Examinand/inn/enkolloquia angeboten werden. Dazwischen müssen natürlich schriftliche Arbeiten (Hausarbeiten, Essays, Papers, etc.) als Prüfungsleistung gefordert werden, damit entsprechende Schreibkompetenzen aufgebaut werden können. In vielen Studiengängen gibt es einen solchen Lernprozess durch Schreibpraxis nicht, weshalb für viel Geld wenige Sonderveranstaltungen organisiert werden müssen, die nicht allen Studierenden bekannt werden und nicht alle erreichen (können).
Wie AlexanderStingl richtig festgestellt hat: Die wenigsten StudienanfängerInnen haben auf dem Gymnasium richtig Schreiben gelernt. Und gerade deshalb sind Einführungen in das wissenschaftliche Arbeiten und Schreiben im ersten Semester eines jeden Studiengangs besonders wichtig und sollte als verpflichtende Veranstaltung in jeden Studiengang integriert werden.
Wissenschaftlich Schreiben zu können ist letztlich auch nicht nur eine Fertigkeit, die lediglich für das Anfertigen der Abschlussarbeit erlernt wird, es ist eine notwendige Voraussetzung für jeden Beruf, den AkademikerInnen später anstreben. Überall müssen mehr oder weniger lange Texte verfasst werden.
Der Begriff "Teaching Assistant" beschreibt nicht etwa ältere Studierende oder studentische Hilfskräfte (dafür wäre der Begriff "Tutor" treffend), sondern ist die englische Übersetzung von "wissenschaftlicheR MitarbeiterIn".
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