Studenten im Kosovo Seminar, Latte macchiato und politische Aktion
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 Die Studiengebühren sollen auf 90 Euro erhöht werden - für viele nicht bezahlbar

Der Wirtschaftsstudent Kreshnik Ahmeti engagiert sich in einer Bewegung für die Souveränität des Kosovos

Der Wirtschaftsstudent Kreshnik Ahmeti engagiert sich in einer Bewegung für die Souveränität des Kosovos

Auch Kreshnik Ahmeti hofft, dass die junge Generation etwas verändern wird. Kreshnik ist 20, studiert Wirtschaft in Pristina und kommt gerade von einer "Aktion". Gerade eben noch sprühte der Kosovo-Albaner Parolen an die Wand des Präsidentenbüros der Uni, zog seine Schuhe aus und hielt wie hundert andere Aktivisten ein Schild hoch: "Wir verkaufen unsere Schuhe, um die Uni zu finanzieren". Das Bildungsministerium hat angekündigt die Studiengebühren für reguläre Studenten von 50 auf 90 Euro pro Semester zu erhöhen. Für die meisten deutschen Studenten klingt das lächerlich. Für kosovarische Studenten kann das aber das Ende ihrer akademischen Ausbildung bedeuten. Das Durchschnittseinkommen im Kosovo beträgt etwa 250 Euro, fast die Hälfte der Bevölkerung hat keine Arbeit.

Schon seit 2005 ist Kreshnik in der populären, politischen Bewegung Vetevendosje (Selbstbestimmung) aktiv. Die Bewegung fordert die Souveränität für das Kosovo. Immer noch hat die internationale Gemeinschaft Vollmachten, kann zum Beispiel Minister entlassen. "Die Internationalen arbeiten hier für zwei Jahre und hauen dann wieder ab. Die langfristige Entwicklung ist denen doch scheißegal", sagt Kreshnik. Als er jünger war, wäre er am liebsten zu seinem Bruder in die USA ausgewandert. Doch seit er bei Vetevendosje sei, fühle er sich seinem Land verpflichtet. "Das Land, das sind die Leute." Vetevendosje will darum auch bei der nächsten Wahl antreten. Falls sie in ferner Zukunft als politische Partei Erfolg haben sollten, kann Kreshnik sich sogar ein politisches Amt vorstellen.

Zurzeit aber hat er noch etwas anderes zu tun. Seit einem Jahr spielt er Bass bei der Indie-Band The Freelancers. Voriges Jahr traten sie im albanischen Fernsehen auf, vor einigen Monaten sogar mit der Berliner Band Super700. Gerade proben sie jeden Tag, um sich für das Szigit Festival in Budapest im August vorzubereiten. Muse, Gentleman und Billy Talent werden auch da sein. Kreshnik hofft auf einen Plattenvertrag und eine Tour.

Was die politische Zukunft seines Landes betrifft, bleibe er aber ein "aktiver Pessimist", sagt er. "Entweder es wird besser, oder ich kämpfe dafür, dass es besser wird. Mit beidem kann ich gut leben." Vergangene Woche entschied der Internationale Gerichtshof, dass die Unabhängigkeitserklärung Kosovos von 2008 nicht gegen internationales Recht verstößt. Kreshnik, Bleta und viele andere junge Kosovaren hoffen, dass ihr Heimatland damit deutlich näher an Europa rückt.

 
Leser-Kommentare
    • Zack34
    • 26.07.2010 um 16:49 Uhr

    [quote]
    Die [b]1970[/b] gegründete Universität Priština stellte bis 1989 die einzige auch muttersprachliche Universität der albanischen Bevölkerungsmehrheit in der autonomen Provinz Kosovo dar.[/quote]

    !970 gab es die autonome Provinz mit ihrem Sonderstatus noch nicht.
    Und trotzdem wurde dort in dem armen Land von nicht wesentlich reicherem Serbien auch eine Universität mit "muttersprachlichem" Unterricht errichtet. Die Bezeichnung "muttersprachlich" ist u.a. auch dem starkem Zuzug aus Albanien verschuldet, den es nach dem 2.WK gab.

    Ende Teil 1

    • Zack34
    • 26.07.2010 um 16:53 Uhr

    Zitat:
    Die Einführung des verbindlichen serbischen Curriculums mit der Festschreibung des Serbischen als Unterrichtssprache an Schulen und Universitäten im Kosovo brachte eine Zäsur. Die albanischen Professoren und Studenten verließen mehrheitlich die Fakultätsgebäude und es zogen serbischer Lehrkräfte und serbische Studenten ein. Die Angehörigen der albanischen Ethnie verlagerten ihren Lehrbetrieb auf private Häuser und Wohnungen, in denen Unterricht und Prüfungen fortgesetzt wurden.

    Hier wird keine Zeitangabe gemacht aber m.W. bezieht sich das auf 1989 und die Weigerung, den Unterricht von serbischen Behörden mit gestalten zu lassen (wie hier zu lande üblich, siehe z.B. das Thema Ausbildung der Imame). Es soll im übrigen kein generelles Verbot des Unterrichts in albanischer Sprache, sondern eine Forderung aus Belgrad nach Mindestanzahl der Unterrichtsstunden auf serbisch gewesen sein, die Proteste ausgelöst hatte. Die Schulbücher sollten ebenso von Belgrad überprüft und überwacht werden, was bis dato nicht der Fall war.

    Serbische Studenten hat es schon immmer gegeben, da der Unterricht an der Universität parallel auf zwei Sprachen nach Wahl organisiert war.

    Alles auch hier ziemlich aktuell...

    Quellen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Universität_Priština

  1. Habe die Band von Kreshnik Ahmeti letztes Jahr auf einem Festival in Pristina gesehen, wie auch noch mehrere andere Bands aus dem Kosovo und war überrascht von dem internationalen Niveau und der durchgehend brennenden Energie! Man das Gefühl es gibt dort den starken Willen etwas zu Verändern und einen positiven Ansturm gegen die bisweilen deprimierende und sich nur langsam ändernde Lage.
    Die Bands haben die gesamten Einnahmen gespendet und davon
    3 1/2 Kühe für arme Bauernfamilien gekauft.

    Danke für den tollen Tag!

  2. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges hat es Bewegungen in beiden Richtungen gegeben. Es haben Albaner das Kosovo Richtung Albanien verlassen und umgekehrt. Sollte es einen stärkeren Zuzug aus Albanien in den Kosovo gegeben haben, diesen hatte der damalige Jugoslawische Innenminister Rankovic korrigiert in dem er tausende Albaner aus dem Kosovo zwang das Kosovo zu verlassen. Viele flüchteten in die Türkei (wo sie heute noch leben und der türkischen Gesellschaft viele bekannte Persönlichkeiten gaben) , die die es nicht soweit schafften suchten Zuflucht in Mazedonien. Darüber schweigt man, vor allem in Serbien.
    Eine Kontrolle des Unterrichts an der Uni in Prishtina hat es seitens Belgrads immer gegeben. Trotzdem war es möglich einigermaßen junge Menschen auszubilden die mehr Glück hatten in ihrer Muttersprache zu lernen. Ihre Eltern lernten in vielen Unis des damaligen Jugoslawien auf Serbokroatisch.
    Die Abschaffung der Autonomie des Kosovo 1989 hat es mit der Bildung begonnen (Motto: nimm ihnen die Bildung, nimm ihnen die Zukunft). Der Unterricht in Albanisch wurde zwar nicht verboten doch schon in den Büchern der Grundschüler sollten alle albanischen Namen verschwinden, es sollte viel mehr serbisch gelernt werden (Sprachen lernen finde ich übrigens sehr gut und es wurde genug serbisch gelernt ), es sollte die „serbische Version der Geschichte“ gelernt werden usw..

  3. Man wusste ganz genau, dass das nicht akzeptiert wird und es folgten die nächsten Schritte Milosevics. Wohin sie führten, wissen wir alle.
    Vielen Blertas und Kreshniks als Teil des jüngsten Volkes Europas, gehört die Zukunft. Es wird ein langer Weg sein (der nur über gute Ausbildung geht) aber auch sie werden ihre junge Heimat zu der Europa-Familie führen.

  4. ist die "Elite" soweit, dass sie den Kosovo selbständig verwalten und vor allem unterhalten kann? Denn eigentlich ist das ja eine Voraussetzung für einen souveränen Staat. Oder muss die EU noch auf Jahrzehnte als Brutkasten für das Kosovo herhalten. Was hat eigentlich die Nachuntersuchung der völkermordartigen Massaker die militärisches Eingreifen gerechtfertigt haben, ergeben? Dafür, dass die Serben beinahe ein "zweites Auschwitz" (Fischer) gebaut hätten, hörte man danach ja weniger über die Massengräber als jetzt in ein paar Tagen über 19 Tote auf der Love Parade?

    • Jogoel
    • 27.07.2010 um 11:19 Uhr

    Die zukünftige Elite des Kosovo wird nicht an öffentlichen Universitäten ausgebildet. Dafür gibt es die American University Pristina, wo man über 90 Euro Studiengebühren herzlich lacht. Dort dürfte es eher schwierig sein, Mitglieder von Vetevendjose oder anderweitig sozial engagierte Studenten zu finden.

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    Es stimmt nicht, dass die American University Elite bildet, sonder eher das reiche Jugendliche, deren Eltern in Regierungsinstitutionen arbeiten, dort studieren (oft mit öffentlichen Geldern finanziert. Die Universität Prishtina ist den privaten Universitäten überlegen, trotz infrastruktureller Schwierigkeiten und hoher Studentenzahl.

    Es stimmt nicht, dass die American University Elite bildet, sonder eher das reiche Jugendliche, deren Eltern in Regierungsinstitutionen arbeiten, dort studieren (oft mit öffentlichen Geldern finanziert. Die Universität Prishtina ist den privaten Universitäten überlegen, trotz infrastruktureller Schwierigkeiten und hoher Studentenzahl.

  5. Es stimmt nicht, dass die American University Elite bildet, sonder eher das reiche Jugendliche, deren Eltern in Regierungsinstitutionen arbeiten, dort studieren (oft mit öffentlichen Geldern finanziert. Die Universität Prishtina ist den privaten Universitäten überlegen, trotz infrastruktureller Schwierigkeiten und hoher Studentenzahl.

    Antwort auf "Elite an der AUP"

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