Schleswig-Holstein Piraterie an der Lübecker Universität

Lübeck kämpft für seine Uni – doch der Gegner ist nicht nur das Land. Offenbar kam der Vorschlag, den Medizinstudiengang zu schließen, von der Kieler Universität.

Studenten protestieren unter anderem gegen die geplante Streichung des Medizinstudiengangs in Lübeck

Studenten protestieren unter anderem gegen die geplante Streichung des Medizinstudiengangs in Lübeck

Es ist eine neue Situation mit der sich die Universität Lübeck auseinandersetzen muss. Bisher war klar: Die Landesregierung Schleswig-Holstein beschloss Ende Mai den Medizinstudiengang zu schließen. Nach dem Sparbeschluss protestierten Studierende und viele Bürger Lübecks und kämpften für den Erhalt der Uni .

Nun wurde bekannt, dass der Vorschlag den Medizinstudiengang zu schließen aus der Kieler Schwesteruniversität gekommen sein soll. Dies schrieben die Lübecker Nachrichten , der vertrauliche Papiere vorliegen. Aus ihnen würde ersichtlich, dass der Plan der Landesregierung, die Hochschulmedizin in Lübeck zu schließen, sich mit dem Konzept des ehemaligen Dekans der Medizinischen Fakultät der Uni Kiel decke.

Der ehemalige Dekan Michael Illert habe im Januar 2009 in einer Sitzung die Schließung des Campus Lübeck als "sicheres Modell" vorgestellt. Die Ausbildung der Medizinstudenten wollte er seinem Konzept nach in Kiel konzentrieren. Aus Lübeck sollte ein "medizintechnisch-biotechnologischer Transfercampus" entstehen. Absolute Vertraulichkeit wurde auf der Sitzung vereinbart, bei der auch der damalige Wissenschaftsstaatssekretär Jost de Jager (CDU) anwesend war. Heute ist de Jager Wissenschaftsminister des Landes Schleswig-Holstein.

Von der Lübecker Universität gibt es bisher noch keine Position zu den Vorwürfen. Das Wissenschaftsministerium gab derweil ein Dementi heraus: Der Kieler Entwurf sei "nicht Grundlage der Vorschläge des Ministers", sagte eine Sprecherin den Lübecker Nachrichten .

Doch auch die Universität Kiel ist verärgert und wirft der Uni Lübeck unsolidarisches Verhalten vor, spricht sogar von "Piraterie". Es geht um das alternative Sparkonzept, das die Lübecker Universität dem Land Schleswig-Holstein vorgelegt hat. "Offensichtlich werden der Grund für und der Inhalt des Alternativkonzepts noch verkannt", sagte Peter Dominiak, der Präsident der Universität zu Lübeck.

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Ziel des eigenen Sparkonzepts, das die Uni Lübeck auf Aufforderung der Landesregierung erstellte, ist zu zeigen, wie 26 Millionen Euro bis 2018 eingespart werden können, ohne den Medizinstudiengang in Lübeck zu schließen. Doch die Alternative erhält eine Absage vom Ministerium. "Die von der Universität veröffentlichten Vorschläge reichen nicht aus", sagt Birgit Bley, Sprecherin des Wissenschaftsministeriums. "Es ist nicht erkennbar, wie das Einsparvolumen erreicht werden kann, zudem geht das Konzept zu Lasten Dritter."

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 08.07.2010 um 20:44 Uhr

    Das Land ist hochverschuldet, nicht besonders groß, leistet sich aber eine doppelte Medizinerausbildung. Ein ernsthafter Vorschlag soll sein, beide Faktultäten zu verkleinern (und damit die Kosten pro Platz noch zu steigern)?

    Der Spardruck hilft hier, eigentlich notwendige Entscheidungen zu beschleunigen oder erst zu ermöglichen. In Zeiten, in denen noch nicht so stark auf das Geld geachtet wurde, gab es ziemliche Akte der Regionalförderung, die akademisch nicht zu halten waren. Dazu gehört der Ausbau der Lübecker Hochschule ebenso wie die "Aufwertung" der Pädagogischen Hochschule Flensburgs durch eine neue Namensgebung in den Rang einer (erst nur "Bildungswissenschaftlichen") Universität. Es ist nicht falsch, es ist nicht traurig, dass diese Hochschule, die ihrem neuen Namen nie gerecht wurde, nun wieder ehrlichen Namen und Rang bekommt und weder die Studenten noch die Arbeitgeber in die Irre führt.

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    @ Kommentar 1
    "Dazu gehört der Ausbau der Lübecker Hochschule ebenso wie die "Aufwertung" der Pädagogischen Hochschule Flensburgs durch eine neue Namensgebung in den Rang einer (erst nur "Bildungswissenschaftlichen") Universität."

    Sie deuten es an, allerdings geht sehr stark unter, dass die Uni Flensburg auch neben der Lehrerausbildung weitere Studiengänge anbietet. Durch die Lehrerbildung und diese Studiengänge ist die Uni in Flensburg als Uni anerkannt.
    Nun sollen allerdings diese weiteren Studiengänge, die auch international vernetzt sind und Studierende aus diversen Ländern nach Flensburg holen - International Management, Energie- und Umwelttechnik, das deutsch-dänische Kultur-Sprache-Medien, European Studies, Sustainable Energy Systems and Management (SESAM) - wieder abgeschafft werden, obwohl diese soweit ich weiß einen besseren Ruf haben, als die Lehrämter in Flensburg.

    @ Kommentar 1
    "Dazu gehört der Ausbau der Lübecker Hochschule ebenso wie die "Aufwertung" der Pädagogischen Hochschule Flensburgs durch eine neue Namensgebung in den Rang einer (erst nur "Bildungswissenschaftlichen") Universität."

    Sie deuten es an, allerdings geht sehr stark unter, dass die Uni Flensburg auch neben der Lehrerausbildung weitere Studiengänge anbietet. Durch die Lehrerbildung und diese Studiengänge ist die Uni in Flensburg als Uni anerkannt.
    Nun sollen allerdings diese weiteren Studiengänge, die auch international vernetzt sind und Studierende aus diversen Ländern nach Flensburg holen - International Management, Energie- und Umwelttechnik, das deutsch-dänische Kultur-Sprache-Medien, European Studies, Sustainable Energy Systems and Management (SESAM) - wieder abgeschafft werden, obwohl diese soweit ich weiß einen besseren Ruf haben, als die Lehrämter in Flensburg.

    • elesha
    • 08.07.2010 um 21:32 Uhr

    Wenn der Ausbau der Lübecker Hochschule "akademisch nicht zu halten" ist, wie kommt es dann, dass die Medizinerausbildung in Lübeck nachweislich zu den besten in Deutschland gehört? Es ist auch ein schlechtes Signal an andere Hochschulen, wenn gute Lehre anscheinend nichts mehr wert ist. Aber das ist ja alles kein Problem, wer interessiert sich schon dafür, ob in zehn Jahren fähige Mediziner gebraucht werden...

    Ganz abgesehen von der Tatsache, dass es mehr als fraglich ist, ob die Schließung überhaupt die erwarteten Einsparungen erbringt. Wieviele profitable Unternehmen - und damit auch Arbeitsplätze - an die Existenz der medizinischen Fakultät gebunden sind und wie viel diese dem Land einbringen, das wurde in dieser Milchmädchenrechnung offensichtlich unterschlagen. Aber das kommt eben dabei heraus, wenn man "mal schnell ein paar Einsparungen" machen möchte. Langfristiges Denken ist der Politik wohl leider abhanden gekommen.

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    "Langfristiges Denken" ist gar nicht gewollt. Das hat nun jeder erkannt, der gewillt ist sich damit zu beschäftigen. Schwarz-Gelb verschwindet spätestens nach dieser Legislatur im politischen Nirvana, die Verantwortlichen werden ihre tollen Aufsichtsrat Posten erhalten und interessieren sich einen Dreck dafür, was sie hinterlassen haben werden.
    Es gäbe zig Posten mit denen der Bund Geld einsparen könnte. Das umfasst aber meistens größere Reformen, oftmals gegen verschiedene Lobbies. Das wird mit diesem System eher nichts werden. Wer der Meinung ist, dass wir das Bedürfnis und die Notwendigkeit von Revolutionen geschichtlich hinter uns gelassen haben, wird sich in ein paar Jahrzehnten wohl noch einmal umgucken. Problematisch wird dann nur die Gewalt werden...

    "Langfristiges Denken" ist gar nicht gewollt. Das hat nun jeder erkannt, der gewillt ist sich damit zu beschäftigen. Schwarz-Gelb verschwindet spätestens nach dieser Legislatur im politischen Nirvana, die Verantwortlichen werden ihre tollen Aufsichtsrat Posten erhalten und interessieren sich einen Dreck dafür, was sie hinterlassen haben werden.
    Es gäbe zig Posten mit denen der Bund Geld einsparen könnte. Das umfasst aber meistens größere Reformen, oftmals gegen verschiedene Lobbies. Das wird mit diesem System eher nichts werden. Wer der Meinung ist, dass wir das Bedürfnis und die Notwendigkeit von Revolutionen geschichtlich hinter uns gelassen haben, wird sich in ein paar Jahrzehnten wohl noch einmal umgucken. Problematisch wird dann nur die Gewalt werden...

  1. Eine Universität 1 wirft einer anderen "Piraterie" vor, weil sich diese angeblich einmischt. Dummerweise kommt im Nachhinein heraus, dass die Initiative für die Schließung von Uni 2 von Uni 1 ausging. "Dumm" könnte man das nennen. Wenn man sich aber die verschiedenen Rankings anschaut, in denen die Uni Lübeck weit vor der Kieler Uni liegt, ist man geneigt den üblen, käsigen Geruch wahrzunehmen, der der ganzen Sache anhaftet...

    Bundesweit wird Ärztemangel beklagt. Also passt man lieber die "Überproduktion" eines Landes an den (zu) geringen Anteil der anderen Länder an, damit... ja, damit was? Es noch weniger werden? Ja, auf so eine Idee kommen auch nur widerliche Polit-Lügner.
    Es widert doch nur noch an. Vor Jahren wurde genauso gelogen und betrogen, aber es wurde wenigstens noch der Versuch unternommen die Bevölkerung glaubhaft zu belügen oder es schönzureden. Heute? Da versucht man es gar nicht zu verschleiern, das Volk ist ja eh zu doof.
    Deutschland - der Kollaps kommt. Ich freu mich schon.

  2. "Langfristiges Denken" ist gar nicht gewollt. Das hat nun jeder erkannt, der gewillt ist sich damit zu beschäftigen. Schwarz-Gelb verschwindet spätestens nach dieser Legislatur im politischen Nirvana, die Verantwortlichen werden ihre tollen Aufsichtsrat Posten erhalten und interessieren sich einen Dreck dafür, was sie hinterlassen haben werden.
    Es gäbe zig Posten mit denen der Bund Geld einsparen könnte. Das umfasst aber meistens größere Reformen, oftmals gegen verschiedene Lobbies. Das wird mit diesem System eher nichts werden. Wer der Meinung ist, dass wir das Bedürfnis und die Notwendigkeit von Revolutionen geschichtlich hinter uns gelassen haben, wird sich in ein paar Jahrzehnten wohl noch einmal umgucken. Problematisch wird dann nur die Gewalt werden...

    Antwort auf "mal schnell sparen..."
  3. das ist doch wirklich ein skandal!
    von vornherein wollte de jager mit seinen kieler unifreunden die lübecker uni schließen, damit endlich der lübecker konkurrent aus dem wege geschafft und der weg zur elite uni frei wird.
    da kam doch das sparkonzept gerade richtig, um den schließungsplan von illert da mit einzubauen.
    skandalös, weil durch die schließung eben KEINE 25 mio eingespart werden. im gegenteil, die Schließung würde SH durch abwanderungen teuer zu stehen kommen. Bildungswüste SH! Genau diese rechnungen, dass es keine einsparung gibt, wurde de jager und carstensen vom rechnungshof vorgelegt. aber sie nahmen die lübecker uni nicht von der liste! argumente zählten nicht, da sparen ja auch nich das eigentliche ziel ist!

    Und jetz, wo frau Schavan die uni rettet, schmückt sich die landesregierung mit fremden federn, sie hätten doch mit schavan so gut verhandelt. pustekuchen. es ist den studenten, dem univorstand, den lübeckern und allen engagierten zu danken, die auf dieses problem aufmerksam gemacht haben, dass die uni weiterhin lebt!

    deshalb fordere ich den RÜCKTRITT von herrn DE JAGER! er hat nicht im sinne von SH gehandelt, sondern lobbyistische politik im sinne der kieler freunde gemacht!

  4. Wer den Wettbewerb fordert, muss sich auch mit den Ergebnissen zufrieden geben.
    Wettbewerb macht nicht überall Sinn. Aber vielleicht ist das Thema theoretisch zu komplex und man muss erst ein paar praktische Erfahrungen sammeln.

  5. Würde Lübeck nicht für seine Uni kämpfen, hätten wir nie erfahren, dass es dort eine gibt.

    • xtraa
    • 09.07.2010 um 1:04 Uhr

    Ihr Mediziner seid doch sonst auch so politisch desinteressiert. Und erst diesen Typen wählen und dann überrascht sein? Carstensen war doch schon lange für seine wahnsinnige Kreativität und geistige Eloquenz bekannt. Jetzt bekommt ihr den Krisenmanager, den ihr wolltet.

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    Gleich soviele Kommentare die einer Richtigstellung bedürfen:
    @6: Wettbewerb. Ja. Uni Lübeck ist Teil der Exzellenz Initiative und liegt weit vor der Uni Kiel. was also ist es für Wettbewerb die Sieger zu schließen? ôo

    @7: Schonmal studiert? Schonmal für Medizinausbildung interessiert? Schonmal ein Ranking diesbezüglich auch nur kurz gesehen? Warum gehen eigentlich alle Bürger nur von ihrem Horizont aus, ohne sich einmal zu informieren.

    @8: Ich bin kein Mediziner, studiere aber an der Uni Lübeck. Auch die restlichen Studiengänge haben hier einen sehr guten Ruf. Ich bin keineswegs politisch desinteressiert, wie das mit den medizinern ist, weiß ich nicht.
    Ich habe auch nicht Schwarz/Gelb gewählt. Hat übrigens die Mehrheit in S-H auch nicht. Die Regierung regiert nur durch Überhangmandate (ein Gerichtsurteil hierzu steht noch aus.)

    Insgesamt muss man sagen, dass mich ab und an erstaunt, was man so an Kommentaren liest. Als ich die ersten proteste hier gesehen habe, dachte ich mir, sowas braucht man bundesweit gegen viel mehr was die "da oben" so verabschieden. Wenn man hier so liest, kommt einem aber eher das unbehagliche Gefühl entgegen, dass man die Bevölkerung einfach nur aufeinander hetzt. Die tut dann schon das Übrige.

    Gleich soviele Kommentare die einer Richtigstellung bedürfen:
    @6: Wettbewerb. Ja. Uni Lübeck ist Teil der Exzellenz Initiative und liegt weit vor der Uni Kiel. was also ist es für Wettbewerb die Sieger zu schließen? ôo

    @7: Schonmal studiert? Schonmal für Medizinausbildung interessiert? Schonmal ein Ranking diesbezüglich auch nur kurz gesehen? Warum gehen eigentlich alle Bürger nur von ihrem Horizont aus, ohne sich einmal zu informieren.

    @8: Ich bin kein Mediziner, studiere aber an der Uni Lübeck. Auch die restlichen Studiengänge haben hier einen sehr guten Ruf. Ich bin keineswegs politisch desinteressiert, wie das mit den medizinern ist, weiß ich nicht.
    Ich habe auch nicht Schwarz/Gelb gewählt. Hat übrigens die Mehrheit in S-H auch nicht. Die Regierung regiert nur durch Überhangmandate (ein Gerichtsurteil hierzu steht noch aus.)

    Insgesamt muss man sagen, dass mich ab und an erstaunt, was man so an Kommentaren liest. Als ich die ersten proteste hier gesehen habe, dachte ich mir, sowas braucht man bundesweit gegen viel mehr was die "da oben" so verabschieden. Wenn man hier so liest, kommt einem aber eher das unbehagliche Gefühl entgegen, dass man die Bevölkerung einfach nur aufeinander hetzt. Die tut dann schon das Übrige.

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