Anschauliche Wissenschaft Tanze Deine Doktorarbeit!

Tänzelnde Moleküle und Anthraxsporen in Leggings: Für einen amerikanischen Wettbewerb stellen Wissenschaftler ihre Forschung tanzend dar. Von Meike Fries

The Negotiation Of Contributions in Public Wikis from Anne Goldenberg on Vimeo .

Ein Video zeigt zwei Studenten in bedruckten T-Shirts, die barfuß über eine Wiese laufen. Mit einem Band markieren sie einen Kreis und führen darin seltsame Bewegungen aus. Am Rand tritt eine Frau hinzu und beäugt die beiden kritisch. Es ist Anne Goldenberg, sie hat gerade an der Quebec-Universität in Montreal ihre Doktorarbeit geschrieben.

In dem knapp fünfminütigen Video spielt sie sich selbst, die tanzenden Studenten sollen Programmierer darstellen. So steht es in der Erläuterung , ohne die man zugegebenermaßen lange rätseln müsste, um was es hier wohl geht. Mit dem Tanzvideo will Goldenberg ihre Doktorarbeit vorstellen, deren Thema ist die Interaktion von Menschen in Wikis. Dafür hat sie eine ganze Reihe ihrer Kommilitonen als Tänzer eingespannt und verzichtet auf das gesprochene Wort.

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Selection of a DNA aptamer for homocysteine using SELEX from Maureen McKeague on Vimeo .

Was das Ganze soll? Vor allem soll es lustig sein. Goldenbergs Tanzvideo ist eins von 45, die Forscher für den Wettbewerb Dance your Ph.D ( Tanze deine Doktorarbeit ) eingereicht haben. Ausgedacht hat sich den Wettbewerb der amerikanische Wissenschaftsjournalist John Bohannon als er eine Weile in Wien lebte, drei Jahre ist das her.

"Ich habe den Wettbewerb ins Leben gerufen, weil ich weiß, dass alle Wissenschaftler insgeheim tanzen wollen", sagt Bohannon, der selbst Molekularbiologe ist. "Wenn Wissenschaftler tanzen, ist es außerdem einfacher ihre Forschung zu verstehen. Und es macht mehr Spaß." Vielleicht wollte Bohannon auch nur den Beweis erbringen, dass Forscher mit Humor tatsächlich existieren. Erfolg hat er jedenfalls  – mittlerweile richtet das angesehene Wissenschaftsmagazin Science den Wettbewerb aus, in dem Bohannon eine Kolumne schreibt.

How does your brain analyze incoming visual information? - Dance Your PhD contest 2010 from Maartje C. de Jong on Vimeo .

Wer war bei der Choreografie besonders kreativ, wer vermittelte das Thema seiner Doktorarbeit besonders anschaulich? Das entscheidet eine Jury aus Wissenschaftlern, Choreografen und früheren Wettbewerbsgewinnern. Das Gewinnervideo wird im Oktober beim Image Science Film Festival in New York gezeigt, immerhin 500 Dollar Preisgeld gibt es. Leser können im Internet ihre Stimme für ihr Lieblingsvideo abgeben. Die Favoriten in den Fachbereichen Physik, Chemie, Biologie und Sozialwissenschaften und weitere tanzende Forscher können Sie hier bestaunen.

 
Leser-Kommentare
  1. Tatsache ist: einen Akademischen Titel erwirbt man nicht, man erleidet ihn. In vielen Disziplinen, v.a. in den Geo- und Ingenieurswissenschaften sind Diplomarbeiten, Dissertationen und Habilitationen nicht nur mit schwerer intellektueller, sondern auch körperlicher Arbeit verbunden. Wenn man alles ordentlich unter Dach und Fach gebracht und seine Urkunde in den Händen hat, fühlt man sich wie von einem schweren Leiden genesen. Und man weiss: dieses Leiden ist wie eine Kinderkrankheit - man bekommt sie nur ein Mal im Leben und ist danach endgültig genesen.

    Übrigens: In Hannover gibt es eine Praxis für rhytmische Einreibungen - was immer das auch ist. ;)

  2. Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen und konstruktiven Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/ag

  3. 3. Angst

    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen und konstruktiven Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/ag

  4. Wenn nicht toleriert wird, dass ich der Meinung bin es ist totaler Humbug, dann ist das meine Meinung und ich verkünde sie auch. Gibt sich die ZEIT jetzt im vorauseilendem Gehorsam als ZENSUR- Vorreiter??

    Das ist sehr enttäuschend!

  5. Passiert denn zur Zeit nichts Wichtiges, dass man uns derartige Pseudo-Artikel über Pseudo-Themen zumuten zu müssen glaubt? Oder passiert vielmehr gerade sehr viel - was keiner mitbekommen soll, weswegen Ablenkung mit allerlei buntem Firlefanz not tut?

  6. So sind doch die Gesetze der schreibenden Zunft: Jeder Redakteur sitzt morgens (oder abends) vor einem leeren Bildschirm (früher war es ein leeres Blatt) und muß irgendetwas möglichst interessantes produzieren. Dabei wird dann natürlich nur zu gerne auf eine solch skrrile Nachricht "Tanze deine Diss" zugegriffen, das ist ja auch nicht verkehrt.
    Das heißt doch aber nicht, daß wir nichts von anderem "wichtigen" Dingen mitbekommen (evtl. durch irgendeine Verschwörung, wie Sie anzudeuten scheinen), denn alleine die Zeit ist doch übervoll von Katastrophen, Skandalen, Verfehlungen von Politikern und Wirtschaftsbossen und anderen überaus wichtigen Dingen. Ganz zu schweigen von Hunderttausenden anderen Websites und Publikationen mit "wichtigen Themen", die ´Sie sich 24 Stunden am Tag 'reinziehen können...

  7. ...kommentatoren wohl überlesen:

    "Was das Ganze soll? Vor allem soll es lustig sein."

    das gehupfe ersetzt nicht die doktorarbeit und deren verteidigung, sondern ist ein zusätzliches funelement, um sich mit dem thema kreativ auseinanderzusetzen.

    grundsätzlich ist alles gut, was den geist und den horizont erweitert.

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