Uni-Leben US-Studenten wetten auf ihre Noten
Alles oder nichts: Auf einer Website können Studenten auf ihre Leistung wetten. Die Betreiber sagen, es sei ein Anreiz für bessere Noten, Kritiker fürchten Betrug.
© Spencer Platt/Getty Images

College-Studenten feiern ihren Abschluss in New York City
Während ihrer Ausbildung müssen Studenten geistige Leistung und Geld investieren. Ein guter Job, in dem man anwenden kann, was man an der Uni gelernt hat, ist die Entschädigung für die Strapazen. Doch wie wäre es, wenn man noch während des Studiums und nicht erst nach dem Abschluss für seine Noten belohnt würde – und zwar mit Geld? Auf der Website Ultrinsic können Studierende deshalb darauf wetten, wie gut sie einen Kurs, ein Semester oder sogar das College abschließen werden – und bei guter Selbsteinschätzung ordentlich kassieren.
Das Prinzip ist simpel: Es geht um "alles oder nichts". Denn liegt der Student richtig, sahnt er ab. Hat er auf die falsche Note gesetzt, ist der gesamte Wetteinsatz verloren. Der maximale Einsatz liegt für Einsteiger bei 25 US-Dollar, das entspricht rund 20 Euro. Bei regelmäßiger und häufiger Nutzung verschiebt sich die Grenze jedoch nach oben.
Umstritten ist, ob die Seite legal ist. Denn Online-Wetten sind in den USA eigentlich verboten. Das Gesetz ist allerdings so schwammig, dass sich Geschäftsführer Steven Wolf und seine Anwälte auf der sicheren Seite sehen: "Auf Sachen von anderen wird gewettet – in sich selbst investiert man", sagte er der Huffington Post . Er besteht darauf, dass es bei dem Konzept um mehr geht als um ein profanes Wettspiel: "Es ist ein Anreiz."
Ein Anreiz für bessere Noten oder gar zum Betrug? Fakt ist: Je höher das Ziel, desto größer der Gewinn . Viele A's bedeuten somit einen Geldsegen. Vor allem langfristige Wetten auf die Gesamtabschlussnote am College zahlen sich aus. Wer als Studienanfänger, als Freshman , 20 Euro darauf setzt, seinen Abschluss mit einem Durchschnitt von 4.0 zu machen, kassiert – bei zutreffender Note – am Ende 2000 US-Dollar, also etwas mehr als 1500 Euro.
Das fördere die Motivation der Studenten, behaupten die Betreiber. Ist das schlüssig? Der Psychotherapeut und Kreativitätsforscher Rainer M. Holm-Hadulla glaubt das nicht: "Ich finde die ganze Idee albern. Für die Leistung ist das Interesse an der Sache selbst, die intrinsische Motivation, entscheidend und die Freude, intellektuelle Herausforderungen bewältigen zu können. Den Studienanforderungen sollte man sich mit Neugier und Widerstandsfähigkeit stellen und sich durch gute Leistungen und persönliche Entwicklung belohnen."
So hat zum Beispiel eine Harvard-Studie gezeigt, dass extrinsische Motivationen das Abschneiden bei Leistungstests verschlechtern können. Eine Gruppe von Kindern, die Lernerfolge mit Schokolade versüßt bekam, wer weniger erfolgreich, als die Kontrollgruppe, die keine erhielt.
Andere Kritiker geben zu bedenken, dass durch die Wetten der Betrug bei Klausuren und Hausarbeiten für gute Noten gefördert würde.
Die Studenten sollten sich bewusst sein, dass sie einiges über sich preisgeben müssen, wenn sie auf ihre Noten setzen wollen – mehr als gut ist. Denn um wetten zu können, müssen sie ihren kompletten Stundenplan hochladen und Ultrinsic Zugang zu all ihren Zeugnissen gewähren. Basierend auf der College-Geschichte des Studenten und jeglichen Informationen über die Leistungsanforderungen von Kursen, das Thema und anderen Faktoren wird dann die Quote berechnet.
Konnten im letzten Semester allein die Studenten der Universität von Pennsylvania und der New York University teilnehmen, haben die Betreiber ihre Zielgruppe nun auf Studierende an insgesamt 36 Hochschulen erweitert. Finanziert wird die Seite von Sponsoren. Um wen es sich dabei handelt und wie viel Geld investiert worden ist, wollte Ultrinsic-Chef Wolf nicht sagen.
- Datum 03.09.2010 - 11:40 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Bevor über Amerikaner wieder einmal bissig was falsches behauptet wird, sage ich vorweg: eine 4.0 ist die Höchstnote beim GPA, also vergleichsweise eine 1,0 nach deutschem Notensystem. (A = 4, B = 3, C = 2, D = 1, F = 0)
Ich wünschte so eine Seite gäbe es auch in Deutschland oder der Schweiz. Der Informationsbeschaffungsaufwand zur Berechnung der Quoten, damit "die Bank" keinen Verlust einfährt, muss jedoch gigantisch sein, um gute Vorhersagen treffen zu können. Natürlich kann die extrinische Motivation intrinsische Motvation abbauen, doch mit so einem Spiel kann man ja auch anfangen, wenn man bereits studiert und ein Interesse für sein Fach besitzt. So bleibt zwar nicht mehr die "Intention" des extrinischen Anreizes erhalten, doch der Student kann so auf sich selbst Wetten, womit die Selbsteinschätzung und die Einschätzung der Notenvergabe zum obersten Gebot wird und nicht wie beim Lotto pures Glück.
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