Werbeplakat für ehrenamtliches Engagement an der Siegessäule in Berlin © Rainer Jensen/dpa

"Erst war es einfach Neugier, als ich mich in meiner ersten Vorlesung neben einen taubstummen Mitstudenten setzte", sagt Hannes Endler, angehender Elektrotechniker an der Fachhochschule Kempten. Der Fachbereichsleiter hatte beim Semestererstart den Behinderten allen anderen Anfängern vorgestellt. "Wie kann er mit seinem Handikap das Studium überhaupt absolvieren, fragte ich mich", erinnert sich Endler an die erste Begegnung vor drei Jahren. Seine Antwort: "Mit meiner Hilfe."

Endler machte ausführliche Mitschriften in den Lehrveranstaltungen und bereitete sich gemeinsam mit seinem Kommilitonen auf Prüfungen vor. Vier bis fünf Stunden in der Woche trainierten die beiden zusammen, soweit das ohne Gebärdensprache eben ging. "Wenn ich den Stoff rüberzubringen versuche, lerne ich dabei natürlich auch selber", sagt Endler. Offenbar will er nicht als barmherziger Samariter erscheinen.

Für sein Engagement erhält er nun vom Deutschen Studentenwerk (DSW) einen Ehrenpreis im bundesweiten Wettbewerb "Studierende für Studierende". Der wird alle zwei Jahre verliehen, nun zum vierten Mal. Dieses Jahr geht er an insgesamt sieben Initiativen. Ihre nachahmenswerte Hilfe reicht vom örtlichen Umfeld etwa in Kempten bis in die weite Ferne zu Studenten in Notstandsgebieten wie Tschetschenien oder Kongo.

"Studierende sind die ehrenamtlich engagierteste Bevölkerungsgruppe in Deutschland", sagt DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde. Und fügt kritisch hinzu: "Dieser Einsatz wird von den Hochschulen zu wenig  gewürdigt." Er fordert "eine Anerkennungskultur für Studierende, die uneigennützig Verantwortung übernehmen." Immerhin seien sie die "künftigen Stützen" der solidarischen "Zivilgesellschaft" jenseits des Versorgungsstaates.

Insgesamt gab es diesmal rund 150 Vorschläge aus 100 Hochschulen, von Professoren, Mitarbeitern der Studentenwerke oder anderen Beobachtern auf dem Campus. Die Mehrzahl der Beispiele stammt von Bachelorstudierenden, die sich trotz des straffen Lernpensums noch Zeit für anderes und andere nehmen.

Zwar sind in allen Studiengängen zwingend überfachliche Könnensnachweise ("Schlüsselqualifikationen") vorgeschrieben worden. Allerdings habe man es bei der Bachelor-Master-Reform verpasst, auch ehrenamtliche Studienfelder zu integrieren, sagt der Würzburger Pädagogik-Professor Heinz Reinders. Er leitet ein bundesweites, bislang noch sehr dünnes Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung , das nach amerikanischem Muster das Fachstudium mit civiceducation, also mit "bürgerschaftlichem Engagement" verbinden will.