Petroleum EngineeringDie Tiefseebohrer von morgen

Ohne Öl geht nichts an der TU Clausthal. In einer Summer School werden hier angehende Ingenieure im Bereich der Erdöl- und Erdgastechnik auf das Masterstudium vorbereitet. von 

TU Clausthal

Das Institut und der Bohrklappmast Gulliver  |  © TU Clausthal

"Die Aufgabe des Petroleum Engineers ist es, dafür zu sorgen, dass die Tiefe sicher erreicht wird", sagt der Ingenieur Catalin Teodoriu . Er blickt in die Gruppe, die sich an diesem Tag im Hörsaal der Technischen Universität Clausthal eingefunden hat. Insgesamt vier Wochen bereiten sich hier 20 Studenten und acht Interessierte aus der Industrie in einer Summer School auf den Masterstudiengang Petroleum Engineering vor. Der Bachelor-Master-Studiengang ist einzigartig in Deutschland. Inmitten der Harzer Wälder – im "Erdgasland Niedersachsen" – werden am Institut für Erdöl- und Erdgastechnik der TU Ingenieure gezielt für die Bereiche Bohr- und Produktionstechnik, Lagerstättentechnik sowie Erdgastransport und -verteilung ausgebildet. 

Im Treppenaufgang des Instituts versammelt sich die Gruppe unter Baulärm, der aus der Werkshalle schallt, um ein Modell. Im Maßstab 1:20 zeigt es detailgetreu einen Bohrturm: Deadline, Fastline, Monkey Board – "ihr müsst wissen, was dahinter steckt", sagt Teodoriu. In seinem Modul Drilling Technology lernen die Studenten an vier Tagen im Schnelldurchlauf. Der Stoff reicht vom grundsätzlichen Aufbau eines Bohrturms, über die unterschiedlichen Meißel und einer Prise Strömungsmechanik bis hin zu einzelnen Bauteilen. Das bedeutet rund 100 Folien am Tag, intensive Vorlesung von morgens bis abends und literweise Kaffee oder Tee.

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Das Modul ist eins von vier, die in der Summer School abgehandelt werden. Erst kürzlich wurde die Klausur über Reservoir Engineering geschrieben, die Woche davor stand Geoscience auf dem Programm. Ein Wochenende ist Zeit, um das eben Gehörte zu erlernen. Dann werden die Inhalte abgefragt. Ist das machbar? "Absolut. Bei einer Klausur durften wir die Unterlagen sogar mitnehmen. Ich war bereits einmal die Beste und jetzt bin ich extrem motiviert", sagt Julia Möller, die bislang Verfahrenstechnik studiert hat. Die letzte Summer School haben nur zwei Studenten nicht bestanden.

Was der 23-Jährigen an der TU Clausthal gefällt? "Es ist eine kleine Uni. Man kennt sich untereinander", sagt sie. Und wird sie mit den Bachelor-Studierenden des Studiengangs mithalten können? "Ab und an habe ich Probleme mit den Fachvokabeln. Die habe ich ja noch nie gehört. Zum Beispiel muss ich die Namen von Gesteinsschichten nachschlagen, aber das gibt sich sicherlich mit der Zeit." Andere Themen wie Strömungsmechanik hatte sie selbst bereits im Bachelor-Studium. Das kommt ihr jetzt zugute. Denn was man für den Masterstudiengang an der TU Clausthal definitiv braucht, ist eine Ingenieursqualifikation. Ansonsten wird in der Summer School im Schnellverfahren alles Relevante gelernt – und feinsäuberlich abgeheftet in schwere, graue Ordnern, die die Studenten mit nach Hause nehmen können.

Die generelle Devise der Hochschule allerdings lautet Learning by doing . Neben dem Modell im Treppenaufgang finden sich im Institut zahlreiche Meißel, Rohre und Ähnliches zum Anfassen. Auch steht das Original des Bohrturms, genauer Bohrklappmast Gulliver, gleich hinter dem Gebäude. "So bekommt man schon mal ein Gefühl für die Dimensionen", sagt Teodoriu. "Wenn in den nächsten Tagen gutes Wetter ist, gehen wir auch hinaus und schauen uns das Ganze aus der Nähe an."

In Teodorius regulären Vorlesungen müssen die Studenten immer etwas entwickeln – Hands on teaching nennt sich die Methode. "Jede Vorlesung, die ich anbiete, ist mit einem kleinen Designprojekt verknüpft. Die Studenten sollen Modelle entwickeln, die eine Realität darstellen." Zum Beispiel sollte der Unterschied von einer viskosen und einer nicht-viskosen Lösung anschaulich gezeigt werden. Es seien verschiedene Sanduhren mit Flüssigkeiten gefüllt worden. Drehe man die Uhren um, zeige sich, das manche Flüssigkeiten schneller und andere langsamer fließen. "Im nächsten Semester kann ich die Modelle dann in meiner Vorlesung einsetzen. Die meisten Studenten sind davon begeistert."

Auch Darius Schulze hat Bohr- und Produktionstechnik als Vertiefungsrichtung gewählt. "In Deutschland gibt es nur zwei Orte, an denen man sich so spezialisieren kann: In Freiberg und in Clausthal. Ersteres ist jedoch ein Diplomstudiengang, in den ich mittendrin einsteigen müsste." Der Diplom-Wirtschaftsingenieur möchte deshalb ab dem Wintersemester den Master in Clausthal studieren. Das Studium ist auf vier Semester ausgelegt und beinhaltet unter anderem ein Auslandssemester. "Das bringt natürlich gewisse Probleme mit sich für die Beziehung mit meiner Freundin. Aber es ist immer wieder reizvoll, andere Kulturen kennenzulernen", sagt Schulze. Außerdem sei der angestrebte Job nun mal ein internationaler Beruf.

Leserkommentare
  1. Jede Flüssigkeit besitzt eine Viskosität! Es gibt keine "nicht-viskosen" Flüssigkeiten!

    Die Viskosität ist i.A. temperatur- und druckabhängig (bei newtonscher Viskosität setzt man eine Unabhängigkeit voraus...).

    Vielleicht meinen Sie newtonsche und nicht-newtonsche Flüssigkeiten. Oder hoch-/niedrig-viskose Flüssigkeiten.

    Aber das nur am Rande.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • dvandyk
    • 06. Oktober 2010 14:54 Uhr

    ... hat keine Viskosität :-)

    • dvandyk
    • 06. Oktober 2010 14:54 Uhr

    ... hat keine Viskosität :-)

    • Buker
    • 06. Oktober 2010 16:06 Uhr

    ...aber nach dem was am Golf von Mexico so passiert ist hoffe ich eigentlich nichts viel mehr, als dass diese Studenten mal keinen Job finden können, weil die Vernunft am Ende vielleicht wenigstens einmal gesiegt hat.

    Ach so, es geht um sooo vieeel Geld.

    Da hat alle Vernunft wohl keine Chance!

    Schade.

  2. Das Ende des Ölzeitalters ist ein Thema an der TU Clausthal.

    http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/4928922?pageId=&mo...

    und damit das:
    http://www.feasta.org/documents/risk_resilience/Tipping_Point_Gesamt.pdf

    nicht eintrifft ,müssen die Ölsucher alles förderbare Öl finden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Master | Student | Mexiko | Niedersachsen
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