Debattier-WMWeltmeisterschaft im Streiten

Die besten Argumente zählen: In Botswana trafen sich 900 Studenten aus aller Welt bei der Weltmeisterschaft im Debattieren. Von Mathias Hamann, Gaborone von 

Debattierturnier Finale

Das Finale der Teams "Englisch als zweite Fremdsprache"  |  © Mathias Hamann

Sollen bei Adoptionen Eltern bevorzugt werden, die der gleichen Ethnie angehören wie die potenziellen Adoptivkinder? Michael Saliba, 27, sagt: "Ja, es sollte ein solches Gesetz geben." Der Doktorand argumentiert: "Es geht um die Kinder, und die können sich besser mit ihren Eltern identifizieren, wenn sie der gleichen Ethnie angehören." Damit zementiere er Rassismus, wirft ihm sein Kontrahent aus der Opposition vor.

Michael Saliba ist nicht Teil einer Regierung, er macht auch keine Gesetze, sondern er streitet mit seinem Teampartner Andreas Lazar bei den Weltmeisterschaften im Hochschuldebattieren. Mit dem Debattierclub der Universität Stuttgart sind die beiden über Silvester nach Gaborone in Botswana gereist. Jedes Jahr treffen sich von Ende Dezember bis Anfang Januar Studenten aus Oxford, Peking, Alaska oder Katar, um die weltbesten Debattierer zu küren. Dieses Mal kamen rund 900 Teilnehmer aus aller Welt zur Streiter-WM in das Land im Süden Afrikas. Turniersprache ist Englisch.

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Debattieren funktioniert wie ein Rollenspiel: Über die zu vertretende Position entscheidet das Los, ob man für oder gegen etwas sprechen muss, liegt also nicht in der eigenen Hand. Die Teams bekommen ein Thema, 15 Minuten Vorbereitungszeit und anschließend argumentieren sie gegeneinander. Am Ende kürt eine Jury den Gewinner. Michael Saliba und sein Teampartner Andreas Lazar haben sich in der Kategorie Englisch als zweite Fremdsprache durch neun Vorrunden ins Halbfinale gekämpft und hoffen noch auf den Weltmeistertitel.

Teams aus China sind auch dabei, auch die Volksrepublik mit der kommunistischen Partei an der Spitze fördert den Wortsport. Doch warum? Beim Debattieren gibt es stets zwei Meinungen, vertreten von Regierung und Opposition. Hat die chinesische Regierung nichts einzuwenden gegen solch demokratisierenden Wortsport?

"Bei unseren chinesischen Meisterschaften 2008 war der Außenminister als Ehrengast geladen", sagt Xi Li. Sie arbeitet an der Fremdsprachen-Universität in Peking, eine ihrer Aufgaben ist es, die chinesischen Debattiermeisterschaften auszurichten. Natürlich gibt es Tabuthemen, die Unabhängigkeit Taiwans oder Tibets zählen dazu. "Aber wir debattieren zum Beispiel über die Abschaffung der Ein-Kind-Politik oder über die Frage, ob China Pandas verschenken sollte oder nicht, um damit Politik zu betreiben." Den Studenten helfe die Streiterei dabei, an den eigenen Analysefähigkeiten zu arbeiten, erklärt Jasmine Hu, Jura-Studentin aus Peking." Mir nutzt das für mein Studium. Außerdem trainiere ich so mein Englisch."

Leserkommentare
  1. 1. Berlin

    Und in zwei Jahren finden die Weltmeisterschaften dann in Berlin statt!

    • Tray
    • 04. Januar 2011 13:49 Uhr

    Ich stelle mir gerad vor, wie da einer aus Kreuzberg mitmacht, dessen IQ im zweistelligen Bereich liegt.

    hehe das müssten sie in Berlin glatt mal bringen

  2. "Ein Rektor hat sich scherzhaft beschwert: Ich gebe Euch meine schlechtesten Schüler und ihr gebt sie mir als die besten zurück."
    ...Was will man mehr als ein solches Argument!?!
    Setzt Dich mit deinem Gegenüber auseinander und es ist erhellend.

  3. die User hier auf Zeit-Online wären Weltmeister im Streiten. ^^

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Aber dies wäre nur eindeutig nachweisbar, wenn die in nem richtig guten Streit gebräuchlichen Stilmittel nicht so schnell kursiven, eckigen Klammern weichen würden.

    • rho
    • 04. Januar 2011 20:51 Uhr

    das Ding heisst nicht Streiten, sondern Debate und ist Schulfach in vielen US-Highschools mit Fortsetzung an den Unis.

    Die Zweierteams treten an als Affirmative und Negative ueber zwei Runden. Der/die zweite des Negative-teams gibt in der zweiten Runde (Rebuttal) das Abschlussplaedoyer.

    Organisiert wird das ueber die National Forensic League. Mein Degree of Excellence Dokument von 1961 habe ich noch irgendwo rumliegen.

  4. Das Debattieren ist zwar ein alter Hut, die Cambridge Debating Union gibt es schließlich schon mehr als hundert Jahre, bei den Weltmeisterschaften kommt allerdings nicht das in der National Forensic League eingesetzte Lincoln-Douglas Format dran, sondern British-Parlamentiary Style. Der Hauptunterschied liegt darin dass in jeder Runde ein neues Thema debattiert wird mit nur einer Viertelstunde Vorbereitungszeit und nicht wie bei der NFL ein Thema das ganze Jahr.

    Im Modus gibt es natürlich auch noch Unterschiede, so gibt es pro Debatte vier Teams, kein gesondertes Rebuttal und so weiter. Das kann man aber auch natürlich genauer bei Wikipedia nachlesen.

  5. Aber dies wäre nur eindeutig nachweisbar, wenn die in nem richtig guten Streit gebräuchlichen Stilmittel nicht so schnell kursiven, eckigen Klammern weichen würden.

    Antwort auf "Und ich dachte immer"

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