In vielen Städten ist studentischer Wohnraum Mangelware. Studenten bleiben der Wohnwagen, die Dörfer in der Umgebung und meist eine weite Anfahrt.

Wenn das neue Semester beginnt, dann steht bei Steffen Albrecht das Telefon nicht mehr still. Aufgeregte Studenten sind dann dran. Albrecht betreibt einen Campingplatz in Jena, und viele Erstsemester fragen ihn nach einem Stellplatz für einen Wohnwagen. Was nach einer unkonventionellen Art zu wohnen klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Die Studenten finden in Jena keine Wohnungen, die sie bezahlen können. Mit der ungewöhnlichen Situation kämen sie aber dennoch gut zurecht, sagt Albrecht. "Sie nehmen es eben sportlich."

Wer nicht im Wohnwagen unterkommt, der ist häufig noch schlechter dran. Viele Jenaer Studenten müssen in eine der Nachbarstädte ziehen und eine weite Anfahrt zur Uni auf sich nehmen. Andere mieten sich Zimmer in Hostels, die aber oft bis weit ins Semester ausgebucht sind.

In anderen Uni-Städten ist die Situation ähnlich. Im hessischen Marburg campen Studienanfänger zu Beginn des Wintersemesters in Turnhallen, wenn der Andrang auf die Uni besonders groß ist. Wer dann doch eine Wohnung findet, landet häufig auf einem der Dörfer rund um Marburg und muss sehen, wie er an die Uni kommt. Und auch in Greifswald sind die Mieten mittlerweile so hoch, dass die Studenten häufig an den Stadtrand ziehen.

"Die Stadt Marburg hat nicht vor, weiteren Wohnraum zu bauen, sagt Jamal Lutz, Finanzreferent des AStA Marburg: "Stattdessen entstehen Gebäude für Unternehmen. Die haben einfach eine stärkere Lobby." Auch die Sanierungspläne für die Marburger Nordstadt beunruhigen den AStA. Noch wohnen dort viele Studenten. Doch wenn saniert wird und die Mieten steigen, werden sie in die Randgebiete abgedrängt, so die Befürchtung.

Tommy Kube, AStA-Referent für Wohnangelegenheiten der Uni Greifswald, kann aus seiner Stadt ganz ähnliches berichten. Ihn ärgert, dass die Vermieter Profit aus der Situation schlagen. "In Greifswald kostet ein 20-Quadratmeter-Zimmer mittlerweile 400 Euro. Das sind Münchener Verhältnisse." Trotzdem sind 40 Bewerber um ein WG-Zimmer keine Seltenheit.

Weil die Probleme die gleichen sind, tauschen sich die Studenten aus Jena, Greifswald und Marburg aus und versuchen, gemeinsam auf die schwierige Situation aufmerksam zu machen, indem sie zum Beispiel in allen drei Städten Plakate kleben. Alle Studierendenvertretungen versuchen ihr möglichstes, um den Studenten zu Wohnraum zu verhelfen. Der Studierendenrat in Jena veranstaltet WG-Gründungstreffen, um wohnungssuchende Studenten zusammenzubringen. Der AStA Greifswald setzt sich dafür ein, mehr Wohnraum in der Innenstadt zu schaffen. Geholfen hat aller Einsatz bisher wenig, darum wollen sich die Studentenvertreter nun neue gemeinsame Aktionen überlegen.