AuslandsstudiumMehr als Schwarz und Weiß

Kathrin Walter aus München studiert an der Uni Stellenbosch in Südafrika, einem der kriminellsten Länder der Welt. Trotz gemischter Erfahrungen will sie länger bleiben. von 

Universität Stellenbosch

Stellenbosch – links hinter dem Grünstreifen mit roten Dächern die Gebäude der Universität  |  © Markfive/flickr.com

Zweimal wurde ihr das Auto aufgebrochen, einmal beim Fahrradfahren die Geldbörse geklaut, fünf Dieben mit Vampirzähnen entkam sie nur knapp – trotzdem liebt Kathrin Walter ihr Studium in Südafrika. Die 24-jährige Deutsche studiert eigentlich Sportwissenschaften auf Bachelor an der TU München . Seit Juli vergangenen Jahres verbringt sie mehrere Semester an der Universität Stellenbosch , eine halbe Autostunde von Kapstadt entfernt.

Die Hochschule in der idyllischen Kleinstadt mit den vielen Kirchen gilt als eine der letzten weißen Universitäten des Landes. Nach dem Ende der Apartheid öffneten sich auch die Hochschulen wieder allen Studenten, Stellenbosch aber blieb besonders. Viele Bachelorkurse finden in Afrikaans statt. Die Sprache der Kolonialisten aus den Niederlanden ist heute eine von elf offiziellen Sprachen des Landes, neben Englisch, Xhosa Zulu und weiteren Sprachen der afrikanischen Stämme. Viele Weiße sprechen Afrikaans, also zieht es deren Kinder häufig zum Studium nach Stellenbosch. Natürlich bietet die Hochschule auch Lehrmaterialien und Prüfungen auf Englisch an.

Anzeige

Kathrin Walter kannte von Besuchen die Stadt schon bevor sie zum Studium dorthin ging. Für sie als begeisterte Triathletin ist das milde Klima hier ideal zum Trainieren. So radelt sie neben ihrem Studium durch die Weinberge der Umgebung. Aufpassen, dass einem nichts passiert, müsse man aber immer. "Fast jeder ist hier eine Statistik" – so lautet ein landestypischer Scherz. Südafrika gilt als eins der kriminellsten Länder der Welt. Fast alle Einwohner wurden mindestens einmal überfallen, somit ist auch fast jeder Teil der Kriminalitätsstatistik.

Auch Kathrin hat es erwischt, sogar mehrfach: Zweimal knackten Diebe ihr Auto, einmal fehlte nicht nur das Radio, sondern auch eine Tube Zahnpasta. Dass ihr zwei Handys im Club gestohlen wurden, hatte sie schon fast vergessen. Selbst beim Radeln klaute ihr jemand die Geldbörse. Ein anderes Mal traf sie auf Diebe, die sich Vampirgebisse eingesetzt hatten. "Die fanden das wohl witzig." Sie entkam einem Überfall knapp.

Überfälle sind heikel, denn viele Räuber bringen ihre Opfer gleich um. Die Polizeistatistik Südafrikas vermeldet für das letzte Jahr 16.834 Morde, rund 34 pro hunderttausend Einwohner. Zum Vergleich: Die Abteilung für Drogen und Kriminalität der Vereinten Nationen verzeichnet für den Nachbarn Namibia knapp 18, für die USA 5,2 und für Deutschland 0,8 Morde pro hunderttausend Einwohner. Die unter der Apartheid existierende Rassengrenze ist mittlerweile einer Klassengrenze gewichen. Die Mittelschicht, egal ob schwarz oder weiß, lebt in Häusern mit privatem Wachschutz und meidet öffentliche Verkehrsmittel aus Angst vor Kriminalität. Kathrin Walter nimmt entweder ihr Fahrrad oder mietet sich einen Wagen. Mit dem Zug oder Bus zu fahren, kommt für sie nicht infrage.

Leserkommentare
    • kille_
    • 18. März 2011 1:38 Uhr

    solche Sätze sind einfach schrecklich pauschalisierend und gehören nicht in einen Artikel dieser Homepage. Das bringt nichts ausser ein bisschen Effekthascherei und dem Schüren von Vorurteilen.
    Ich habe selbst lange Zeit in Kapstadt und Südafrika gelebt, bin selbst oft genug überfallen worden, und sinnlose Gewalt gegen Unbekannte kommt extrem selten vor. Wohlgemerkt sei 'sinnlos' hier aus der Sicht der kriminellen betrachtet.

  1. "Mit dem Zug oder Bus zu fahren, kommt für sie nicht infrage." Ich habe drei Monate in Gugulethu verbracht - einem Township bei Kapstadt. Als einzige Weisse in einem 'schwarzen' Viertel war ich der sprichwörtliche bunte Hund.

    Südafrika ist gefährlich; die Statistiken sind erschreckend. Gleichzeitig ist mir nie mit so viel Wärme und Wohlwollen begegnet worden, wie in dieser Zeit. Mir ist so oft von Fremden geholfen worden, bin immer wieder von fremden Menschen eingeladen worden, die das wenige, was sie haben, mit mir - dem reichen, europäischen 'Chick' geteilt haben. Die ihre Geschichten, ihre Erfahrunge teilen wollten.

    Wer Südafrika wirklich kennen will, muss aus den Ghettos raus und in die Townships rein. Es gibt viel Armut und Gewalt und ja, es ist gefährlich. Aber wer hinter dem Stacheldraht bleibt, wird die wahre Schönheit dieses Landes, die der Menschen, nicht kennen lernen.

  2. "Obwohl dem Arbeitsmarkt gerade qualifizierte Kräfte fehlen, finden weiße Studenten später oft nur schwer einen Job."

    Eine gewagte Behauptung:
    Könnte unter Umständen am "Studien"gang Sportwissenschaften liegen. Vielleicht wärs mit einem wirtschaftliche, naturwissenschaftlichen oder Ingenieursstudium einfacher!?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Könnte aber auch an der Quotenregelung liegen, die Farbige bevorteilt.

  3. Könnte aber auch an der Quotenregelung liegen, die Farbige bevorteilt.

    Antwort auf "Soso..."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Hochschule | Südafrika | Vereinte Nationen | Apartheid | Hautfarbe | Mord
Service