Fünf Springbrunnen, etliche Palmen, ein Garten, und darin Hunderte Stühle und Bänke. Auf dem Campus der Nursultan Nasarbajew Universität im kasachischen Astana sollte eigentlich das Studentenleben blühen, doch nur einige wenige Studenten laufen durch die Flure der Universität. Der 17-jährige Madras aus Karaganda ist einer von ihnen. Madras studiert hier Physik und Mathe und sagt von sich, er wolle die Zukunft des post-sowjetischen Kasachstans mitgestalten. "In der Bildung liegt die wirtschaftliche Zukunft. Meine Zukunft", sagt der junge Mann, der sich an das kühle Klima in der Hauptstadt erst noch gewöhnen muss. "Astana ist ganz anders als meine Heimat. Karaganda ist laut und schmutzig. Die Menschen sind arm, aber freundlich. Viele Hunde und Katzen streunen durch die Straßen."

45 Minuten dauert die Fahrt mit der Buslinie 12 vom Palast des Präsidenten Nursultan Nasarbajew zu seinem Tempel der Bildung. Millionen hat er in ein größenwahnsinniges Projekt investiert, weil er mit dem Westen mithalten möchte. "Die neue Universität soll ein Markenzeichen für Kasachstan werden, das für die Kombination nationaler Identität und beste internationale Bildungsmodelle aus den Bereichen Wissenschaft, Forschung und Praxis steht". Der Präsident ist stolz auf seine neue Universität, die er innerhalb der vergangenen fünf Jahre aus dem Steppenboden gestampft hat. Weil er so stolz ist, hat er sie auch gleich nach sich benannt.

Kann eine Universität im Look eines Luxushotels, die keinerlei Tradition hat, aus Absolventen von Dorfschulen in der kasachischen Provinz die neue Bildungselite des Landes formen? Der akademische Leiter Steve Green, ein US-Amerikaner, hat viel mit seinen Studenten vor: "Wir treten mit dem Ziel an, dass die Nursultan Nasarbajew Universität in den nächsten Jahren in die Top Ten des internationalen Times-Hochschul-Rankings aufsteigen wird. Die Ausbildung an der NU soll vergleichbar sein mit der an westlichen Elite-Universitäten", sagt der 59-Jährige. Von null auf hundert oder besser von null in die Top Ten – wie soll das gehen, wenn eine Elite-Universität wie Harvard auf eine 375-jährige Geschichte zurückblickt? Ist das nicht ein unrealistisches Ziel, wenn es keine Forschungsprojekte in der kasachischen Steppe gibt?

"Wir haben Dozenten und Personal von acht internationalen Universitäten nach Astana geholt, damit sie die jungen Kasachen ausbilden", sagt Green, der seit 2009 Kooperationen mit internationalen Universitäten koordiniert. "Hier wird Hochschul-Geschichte geschrieben. Der Staat Kasachstan fängt bei Null an und schreibt Bildungspolitik auf einem weißen Blatt. Wir haben die Chance, alles richtig zu machen", sagt Green.

Insgesamt acht Universitäten sind auf dem Campus in Astana vertreten, darunter das University College of London, die Duke University, die iCarnegie oder die University of Pittsburgh. Die Harvard Medical School ist der prominenteste Partner, das University College of London der präsenteste, da es die meisten Dozenten gestellt hat. Die Studierenden können in drei bis vier Jahren entsprechend dem amerikanischen Bachelor-System einen Abschluss an einer der vier Fakultäten erlangen. Alle Seminare und Vorlesungen finden auf Englisch statt. Nur am Samstag wird für eineinhalb Stunden Kasach, die Muttersprache der Studenten, unterrichtet.

Ein Dozent, der namentlich nicht genannt werden möchte, erzählt: "Ich bin vor einem halben Jahr von der UCL in London nach Astana gewechselt. Ich fand es spannend, den Aufbau einer Universität mitzuerleben. Doch so ambitioniert das Projekt ist: Viele Details stimmen nicht. Die Dozenten wohnen in Luxus-Apartments im Zentrum von Astana, doch die Busfahrt zum Campus grenzt an eine Odyssee. Uns wurden die neuesten Computer zur Verfügung gestellt, aber anfangs ohne Betriebssysteme."