Die Wachmänner, die bewaffnet an allen Eingängen stehen, kontrollieren jeden, der das Unigelände betreten will. Noch vor wenigen Tagen ist jeder Besucher ohne Probleme auf den Campus gekommen. Auch die deutsche Studentin Paula, die seit über einem halben Jahr Arabisch-Sprachkurse auf dem Gelände besuchte, hatte plötzlich Probleme. "Ich hatte nur einen internationalen Studentenausweis und musste deswegen meinen Reisepass am Eingang abgeben", erzählt Paula. "Das musste ich noch nie, das war sehr unangenehm."

Offenbar wussten die Wachmänner aber, dass etwas passieren würde, spekuliert Paula im Nachhinein. Denn an diesem Tag gab es Verletzte. Etwa 150 Medizinstudenten demonstrierten vor ihrer Fakultät für Freiheit und Menschenrechte. Hunderte Männer von der Studentenunion , eine Vereinigung der regierenden Baath-Partei, schlugen die Studenten deswegen zusammen. Danach wurde das ganze Gelände abgeriegelt und niemand durfte es verlassen.

Viele von Paulas Freunden trauen sich wegen der politischen Situation derzeit nicht in die Universität. Und auch sie selbst fehlte in ihren letzten Tagen, bevor sie wie viele Deutsche Syrien verlassen musste.

Bevor die Proteste in Syrien begannen, spielte Politik bei den Studierenden eine geringe Rolle, zumindest hat Paula es so erlebt. "Ich habe die syrischen Studenten als politisch nicht interessiert kennengelernt", sagt sie. "Aber derzeit hat wohl jeder das Gefühl, Stellung beziehen zu müssen."

Noch vor drei Wochen saß Paula in den Hörsälen der Damaszener Universität und hörte als eine der wenigen europäischen Gaststudenten Vorlesungen in ihrem Studienfach Arabistik. Ganz eng gedrängt saßen die Studierenden auf den vordersten Bänken, direkt vor der kleinen Bühne, auf der die Professoren ihre Vorträge halten. Sich auf den hinteren Plätzen lümmeln, das tut keiner.

Seminare, in denen Referate gehalten oder Hausarbeiten geschrieben werden, gibt es an der öffentlichen Universität kaum. Die Studenten schreiben Klausuren, in denen der frontal gelehrte Stoff abgefragt wird. "Ich befürchte, es geht kaum darum, selber denken zu lernen", sagt Paula. "Die meisten Professoren in Deutschland fordern von den Studierenden ihren Blick zu entwickeln und sich ihrer eigenen Perspektive bewusst zu werden", sagt sie. "In den Vorlesungen in Damaskus stellen die Professoren ab und an schon Fragen, aber meist diktieren sie einfach die Inhalte."