Van Gogh belegte noch mit 30 einen Anfängermalkurs, Newton veröffentlichte jahrelang nichts – unter Angst vor schlechten Leistungen litten selbst die ganz großen Genies.

Isaac Newton

Isaac Newton fürchtete sich sehr vor öffentlicher Kritik. Besonders scheute er den direkten Vergleich mit Konkurrenten. Deshalb publizierte er jahrelang erst einmal gar nichts. Schon mit Ende Zwanzig zieht er sich so weit wie möglich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich seine Arbeiten über Optik, Mechanik und Mathematik.

Als andere Wissenschaftler zu ähnlichen Forschungsergebnissen kommen wie er, ist Newton dann empört: Er habe das doch alles schon seit Jahren gewusst! Es folgen bitterböse Kämpfe um die geistige Urheberschaft: Newton streitet sich mit Hooke über das Gravitationsgesetz, mit Leibniz über die Infinitesimalrechnung, mit Huygens über die Eigenschaften des Lichts. Der Wettbewerb mit Leibniz weitet sich schließlich zum europaweiten Mathematikerstreit aus, der noch über Generationen anhält.


Elfried Jelinek

Für Elfriede Jelinek war es nicht der eigene Ehrgeiz, der sie unter Druck setzte. Jelineks Mutter hatte früh entschieden: Aus der Tochter soll ein Wunderkind werden: besser, begabter, talentierter als alle anderen. Also musste Jelinek neben der Schule am Konservatorium in Wien Orgel, Klavier und Komposition studieren, dazu Geige, Blockflöte und Gitarre lernen. Wenn Jelinek zu Hause am Klavier übte, öffnete die Mutter die Fenster, damit die Leute draußen das Talent ihrer Tochter hören konnten – und Jelinek spielte gegen den Straßenlärm an.

Erst als sie Jahre später unter dem Vergleichs- und Erfolgsdruck zusammenbricht, findet Jelinek mit Ende Zwanzig schließlich zu ihrer eigenen Kunst: dem Schreiben. Später schildert sie in ihrem Roman Die Klavierspielerin die grausame Geschichte einer Frau, die schon als Jugendliche von ihrer kontrollierenden und überambitionierten Mutter zur Konzertpianistin dressiert wird. Damit hat Jelinek, die Jahre später wegen ihrer Angststörung nicht einmal ihren Literaturnobelpreis persönlich entgegen nehmen konnte, wohl auch zu einem Teil ihre eigene Geschichte erzählt.


Vincent van Gogh

Die Bilder des Malers Vincent van Gogh gehören heute zu den teuersten der Welt, er gilt als einer der bedeutendsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Doch van Gogh selbst zweifelte an sich, seinem Talent und seiner Kunst. Im Vergleich zu seinem jüngeren Bruder Theo fühlte er sich im Berufsleben als Versager: Mit 25 verlor er seine Arbeit beim Kunsthändler Goupil & Co. Er nahm erfolglos ein Theologie-Studium auf – und musste eine Stelle als Missionar schon nach der Probezeit wieder verlassen. Sein Bruder Theo war im Kunsthandel erfolgreicher, und schickte dem älteren Vincent über Jahre Geld. Der widmete sich mit inzwischen fast 30 Jahren nun der Malerei, belegte Anfängerkurse – und zweifelte, ob sein Können im Vergleich mit den anderen Talenten ausreichte.

Van Gogh hat zu seinen Lebzeiten nur wenige Bilder verkauft. Doch werden sein Stil und sein Umgang mit Farben prägend für die Kunst in den Jahren nach seinem Tod. Van Gogh litt unter dem Gefühl, die Erwartungen seiner Familie enttäuscht zu haben und kämpfte mit einer schweren psychischen Erkrankung. In seiner Kunst fand er Halt: "Nur vor der Staffelei beim Malen fühle ich ein wenig Leben", schrieb er einige Monate vor seinem Tod an seine Schwester.

 Steve Jobs war Studienabbrecher

Christiane Nüsslein-Volhard

Ein Blick auf den Lebenslauf der Biochemikerin Christiane Nüsslein-Volhard zeigt, dass nervöse Vergleiche sowieso wenig aussagen über den späteren Werdegang: Zwar interessierte Nüsslein-Volhard sich schon als Jugendliche für Tiere und Pflanzen und wusste schon früh, dass sie Forscherin werden wollte. Sie war allerdings keineswegs eine Überfliegerin, bestand ihr Abitur nur mit einem mäßigen Durchschnitt. Im Studium der Biologie in Frankfurt und später der Biochemie in Tübingen langweilte sie die Hälfte der Vorlesungen, und so wurde auch das Diplom nur mittelmäßig.

Diesen unaufgeregten Werdegang erzählte Nüsslein-Volhard 1995 in einem kurzen autobiographischen Text – nachdem sie soeben den Medizin-Nobelpreis entgegengenommen hatte. Die mittelmäßige Diplomandin von einst hatte in der Zwischenzeit ihre Leidenschaft für die Genetik entdeckt und war zu einer weltweit führenden Forscherin geworden. Unter ihren Kommilitonen hätte wohl kaum jemand erwartet, dass ausgerechnet aus der durchschnittlichen Christiane Jahre später eine Nobelpreisträgerin werden würde, – die damit alle strebsamen Mitstudenten hinter sich ließ, die semesterlang so emsig Einsen gesammelt hatten.


Steve Jobs

Apple-Gründer Steve Jobs war es eine kuriose Ehre: Die amerikanische Elite-Uni Stanford lud vor einigen Jahren ausgerechnet den Studienabbrecher Jobs ein, um auf der Abschlusszeremonie vor den frisch gekürten Akademikern eine Rede zu halten. "Eure Zeit ist begrenzt. Also verschwendet sie nicht, indem ihr das Leben von jemand anderem lebt", rief er den Absolventen zu. Das klang ein bisschen nach romantischem American Dream – aber es stimmte: Mehr als Jobs kann man sich dem Vergleich mit anderen Studenten wohl tatsächlich nicht verweigern: Gerade einmal ein Semester lang besuchte er seine Seminare in Physik und Literaturwissenschaft am Reed College, dann brach er ab.

Ohne Vergleichs- und Notendruck suchte Jobs sich statt der Pflichtkurse nur noch solche aus, die ihm Spaß machten. Er schlief in den Wohnheimzimmern seiner Freunde auf dem Boden, erzählt er jedenfalls, und sammelte leere Cola-Flaschen, um sich vom Pfand ein Essen zu kaufen. An der Uni lernte er nun Kalligrafie und Schriftdesign. Und im Hobbyclub lernte er, wie Computer funktionieren – beides half ihm später bei der Gründung seiner Computerfirma. Heute eines der größten Unternehmen der Welt.