Das Abitur war so mittelmäßig, die Schule hat eben nicht richtig Spaß gemacht. An der Uni wird das anders: Endlich das lernen, was einen wirklich interessiert, das erhoffen sich viele vom neuen Lebensabschnitt. Was aber, wenn die Wunsch-Uni absagt? Die doppelten Abiturjahrgänge drängen an die Hochschulen. Es gibt zu viele Bewerber für zu wenig Studienplätze – da helfen selbst gute Noten nicht immer weiter. Aber muss man unbedingt sofort an die Uni gehen? Schließlich gibt es jede Menge Möglichkeiten, die Zeit zu überbrücken – bis es mit dem Wunschstudienplatz dann doch klappt.

Alternative 1: Berufsausbildung

Wer den schnellen Start in die Praxis sucht, für den ist die Berufsausbildung die richtige Wahl. Ob als Mechatroniker in der Werkstatt oder Mediengestalter vor dem Rechner – es gibt eine Vielzahl von Ausbildungsberufen. Die meisten Ausbildungen sind dual organisiert. Das heißt, der Auszubildende lernt in einem Unternehmen und besucht zudem eine Berufsschule. Viele Schulabgänger entscheiden sich für eine Berufsausbildung in einem Bereich, der mit dem gewünschten Studienfach zu tun hat und sammeln so schon Praxiserfahrungen auf dem Gebiet.

Dem fertigen Mediengestalter fällt es später leichter, ein Portfolio für das Grafikdesignstudium anzufertigen und die gelernte Krankenschwester ist bereits gewappnet für das erste Semester Medizin. Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung lässt sich zudem während des Studiums besser Geld verdienen. Knapp ein Drittel der Auszubildenden in Deutschland hat Abitur.

Alternative 2: Freiwilligendienste in Deutschland

Es gibt verschiedene Freiwilligendienste, die einem die Chance bieten, sich ohne viel Druck einem Berufsfeld zu widmen. Der Freiwillige sammelt praktische Erfahrungen und ganz nebenbei klärt sich der Blick für die eigenen Interessen. Das erleichtert die Berufswahl. Seit Mitte 2011 besteht in Deutschland keine Wehrpflicht mehr. Schulabgänger können sich nach dem neuen Modell ohne Zwang für einen Dienst entscheiden: für den Freiwilligen Wehrdienst oder den Bundesfreiwilligendienst (früher: Zivildienst), für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) oder das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ). Manche Hochschulen honorieren es, wenn angehende Studenten einen Freiwilligendienst absolviert haben und rechnen diesen Bewerbern Bonuspunkte an.

Alternative 3: Freiwilligendienste im Ausland

Wer mit der Schule fertig ist, dem liegt die Welt zu Füßen. Von den Erfahrungen, die ein junger Mensch im Ausland sammelt, profitiert er ein Leben lang – beruflich wie privat. Ein Auslandsaufenthalt erweitert den eigenen Horizont und schärft den Blick fürs Wesentliche. Was will ich eigentlich, was nicht? Die Grenzgänger lernen, sich in einer Fremdsprache zu verständigen – viele Organisationen bieten Sprachkurse an – und sich in anderen Kulturen zu bewegen. Eine Möglichkeit für Freiwillige, sich außerhalb Deutschlands zu engagieren, ist ein Dienst im Ausland, etwa über den Europäischen Freiwilligendienst (EFD) oder den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts . Auch das FSJ oder FÖJ (siehe Alternative 2) können im Ausland geleistet werden.

Alternative 4: Arbeiten und Reisen

Ein weiterer Weg in die Ferne ist das Arbeiten und Reisen im Ausland, das sogenannte Work and Travel . Einen solchen Trip in Eigenregie zu planen, ist relativ aufwändig. Es gibt jedoch verschiedene private Anbieter, die einem dabei helfen, das Visum zu beantragen und Jobs zu finden – vom Hausmeister über den Feldarbeiter bis hin zum Parkranger. Die Reisenden erhalten als Gegenleistung für ihre Arbeitskraft eine freie Unterkunft, Verpflegung und ein bisschen Geld. Vor allem in Australien, Neuseeland, Japan, Kanada und in den USA hat sich die Work-and-Travel -Kultur etabliert: Auf den Farmen arbeiten hier viele junge Menschen verschiedener Nationalitäten zusammen, um Erfahrungen fernab ihrer Heimat zu sammeln.

Innerhalb Europas ist es in der Regel kein Problem, wenn ein EU-Bürger des einen Landes in einem anderen Land arbeitet. Außerhalb der EU ist das anders: Hier braucht der Arbeitswillige ein Visum, das ihn berechtigt, in dem jeweiligen Land zu jobben, ein sogenanntes Working Holiday Visum. In manchen Ländern muss der Reisende zudem nachweisen können, dass er über genügend Geld verfügt, um zurück in sein Heimatland zu reisen. Für ein Working Holiday Visum in Australien sind dies etwa 3.000 Euro.

Alternative 5: Zulassungsfreier Studiengang

Wer sagt denn, dass es unbedingt ein Studium in BWL oder Medizin sein muss? Wenn es mit dem Lieblingsstudienplatz nicht geklappt hat, gibt es immer noch die Möglichkeit, ein anderes, zulassungsfreies Studium zu beginnen. An vielen Hochschulen können sich Studienwillige bis kurz vor Start des Wintersemesters (Mitte Oktober) einschreiben. Doch Vorsicht: Wer ein zulassungsfreies Studium beginnt, um später in das gewünschte Fach zu wechseln, sollte vorher klären, ob das Prüfungsamt die erbrachten Leistungen anerkennt. In der Regel weiß die Studienfachberatung des jeweiligen Studiengangs, ob das der Fall ist. Über die zulassungfreien Studiengänge informieren viele Universitäten auf ihren Websites.