Eine Jury aus Literaturkritikern und Schriftstellern kürte am Montagabend die Kurzgeschichte "Na, dann." von Nora Gantenbrink zum Siegertext des ZEIT CAMPUS-Literaturwettbewerbs. Die Autorinnen Noemi Schneider und Lili Aschoff wurden auf den zweiten und dritten Platz gewählt. Thema des Wettbewerbs war "Alles auf Anfang".

Nora Gantenbrink, geboren 1986 in Iserlohn, studierte Politik, Kommunikationswissenschaft und Geschichte in Münster, bevor sie die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg besuchte. Seit einigen Jahren verfasst sie Kurzgeschichten und hat auch schon für ZEIT CAMPUS geschrieben. Ihre Erzählung "Na, dann." berichtet von einem Jungen, der das Haus nicht mehr verlassen kann, durch die erleuchteten Fenster das Zimmer des Nachbarmädchens beobachtet und so an ihrem Leben und an ihren Geheimnissen teilhat. Die Jury lobte den schwungvollen, unprätentiösen Ton und die souverän erzählte Geschichte. Am Freitag, 16. März 2012 wird Nora Gantenbrink um 16 Uhr am Stand der ZEIT auf der Leipziger Buchmesse (Halle 3, D101) geehrt werden und "Na, dann." vorlesen. Ihr Text wird mit 2.000 Euro honoriert und im Literaturbeileger der kommenden Ausgabe von ZEIT CAMPUS sowie auf ZEIT ONLINE veröffentlicht.

Noemi Schneider, geboren 1982 in München, belegte mit ihrer Kurzgeschichte "NEBEL rückwärts" den zweiten Platz. Sie studierte Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und arbeitet seit Juni 2011 an der Realisierung ihres ersten abendfüllenden Films. Für ihre Essays, Reportagen und Multimedia-Projekte wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. In "NEBEL rückwärts" erzählt eine Tochter von Krankheit und Tod ihres Vaters. Die Juroren lobten besonders die Form des Textes, der fragmentarisch und rückblickend, rührend und überraschend erzählt.

Lili Aschoff, geboren 1990 in Jena, wurde für ihren Text "Der Schneider" auf den dritten Platz gewählt. Sie studiert zur Zeit visuelle Kommunikation in Budapest und hat bisher noch keine literarischen Texte veröffentlicht. Ihre Kurzgeschichte "Der Schneider" erzählt von einer jungen Frau, die einem älteren Bekannten bei der Ausreise aus einem zunehmend repressiv beherrschten Land hilft. Dabei stellt sich der Protagonistin die Frage, was Mut ist. Die Juroren hoben die Chuzpe und erzählerische Kraft dieses Textes hervor. Auch die Texte der Zweit- und Drittplatzierten werden im Literaturbeileger der kommenden Ausgabe von ZEIT CAMPUS sowie auf ZEIT ONLINE veröffentlicht. Die Preisträgerinnen erhalten zudem eine Edition "Kreatives Schreiben" vom Dudenverlag, der den Wettbewerb unterstützte.

Über 1.053 Autorinnen und Autoren unter 30 Jahren hatten ihre Kurzgeschichten beim ZEIT CAMPUS-Literaturwettbewerb eingeschickt. Aus den anonymisierten Einreichungen wählte die Redaktion 20 Texte für die Shortlist aus. Am Montagabend kürte die Jury daraus – wiederum ohne die Namen der Autoren zu kennen – die drei Siegertexte.

Juroren waren die mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Autorin Julia Franck ("Die Mittagsfrau", "Rücken an Rücken"), der Professor für Literaturwissenschaft und Kulturjournalismus Stephan Porombka, die Schriftstellerin und Leiterin des Schreiblabors im Literaturhaus Hamburg Mareike Krügel ("Die Tochter meines Vaters", "Bleib wo du bist") sowie Leif Randt, der im vergangenen Jahr mit seinem zweiten Roman "Schimmernder Dunst über Coby County" zu einer der Stimmen der jungen deutschen Literatur avancierte. Den Vorsitz der Jury übernahm Ulrich Greiner, der langjährige Literaturchef der ZEIT. Er wird auf der Leipziger Buchmesse am 16. März auch die Laudatio auf den Siegertext halten.

Für die Shortlist, die der Jury vorgelegt wurde, suchte die ZEIT CAMPUS-Redaktion die folgenden Kurzgeschichten aus:

Lili Aschoff : Der Schneider
Matthias Dietrich: 0rpheus
Nora Gantenbrink: Na, dann.
Lena Hach: Leitfaden für Väter
Ute Hanel: Wie jeder
Katharina Hartwell: Viktor
David Christian Heering: Die beste Definition des Wahnsinns, die es gibt.
Rouven Hehlert: Etwas fehlt
Christian Kerk: Alles könnte noch viel kälter sein
Jule D. Körber: Über Wasser
Lisa Kreißler: Eisland
Thea Mengeler: Stille Treppe
Alexander Popowitsch: Ohne Titel
Noemi Schneider: NEBEL rückwärts.
Jennifer Six: GRELL
Miroslava Svolikova: Der Zuckerbauch
Johannes Ulrich: Ohne Titel
Lena Vöcklinghaus: Wochenbettruhe
Mario Wurmitzer: In der Spalte des Eiswindes
Thomas Zazzara: Weil die Toten