Ein hübsches Online-Magazin fabriziert die Redaktion von info-parkour von der Hochschule für Angewandte Wissenschaft in Hamburg. Sieben feste Mitarbeiter und etliche freie drehen Video-Interviews mit Professoren, berichten über den Wohnstil ihrer Kommilitonen und lassen Studenten davon erzählen, was sie im Auslandssemester in New Orleans oder während des Praktikums in Ramallah erlebt haben. Eine eigene Stellenbörse, einen Veranstaltungskalender und eine Menge Tipps zum Leben nach der Uni gibt es noch dazu – ein schönes Paket für die meist studentische Leserschaft. Doch jetzt steht das Projekt, online seit 2008, auf der Kippe. Erst einmal gibt es kein Geld mehr.

Seit 2010 finanziert der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) das Projekt, mit an die 30.000 Euro im Jahr. In diesen Tagen wollte man verhandeln, wie es weitergeht. Der Asta verlangte von der Redaktion einen Rechenschaftsbericht und stellte Fragen, die sich jede Redaktion von ihrem Geldgeber gefallen lassen muss: Wie sehen euer Profil und eure inhaltliche Ausrichtung aus? Welche Ziele habt ihr? Was könnt ihr an Erfolgen vorweisen? Auch um Geschlechtergerechtigkeit ging es, denn für diese einzutreten ist ein erklärtes Ziel des Asta. So war denn auch eine Frage, was das Magazin gegen "die bestehende Diskriminierung" tun wolle.

Ausgerechnet darüber, wie sich Geschlechtergerechtigkeit in Berichterstattung und Wortwahl niederschlagen sollen, gibt es aber seit Wochen Streit. Im Juni war ein Text erschienen , in dem – ausnahmsweise und auf Wunsch einer der Autorinnen – von "Studierenden" die Rede war. Sonst heißt es im Magazin in der Regel "Studenten". Christine Gärtner, seit Anfang des Jahres Chefredakteurin, pocht darauf, dass die Redakteure konsequent von "Studenten" schreiben.

Ist die Pressefreiheit bedroht?

Die bessere Lesbarkeit sei ein Grund, die Tatsache, dass viele große deutschsprachige Medien es genauso machten und auch die Auffindbarkeit von Artikeln in Suchmaschinen, sagt sie. Und außerdem bezeichne der Begriff Studierende eigentlich nur diejenigen, die aktiv studieren und nicht etwa schlafen, essen oder Bus fahren. "Natürlich versteht die Redaktion unter Studenten Frauen genauso wie Männer", sagt Gärtner.

Andere bezweifeln, dass das überhaupt möglich ist. Der Asta nennt den Begriff Student ein "generisches Maskulinum", eine männliche Wortform, die verallgemeinert, und sieht Frauen außen vor. Unter dem Artikel entspann sich im Netz eine engagierte Diskussion zwischen Asta und Redaktion. Sie zog sich fort in E-Mails und Diskussionsrunden im realen Leben und überschattete die Verhandlungen über die Finanzierung.

Die läuft am 31. August aus. Die Redaktion hat keinen Rechenschaftsbericht abgeliefert. "Wir haben gesagt, wir stellen nur einen Antrag, wenn uns der Asta erneut redaktionelle Freiheit zusichert", sagt Patrick Schulz, Herausgeber von info-parkour . "Die wurde uns schließlich sowohl vom Asta als auch vom Studierendenparlament zugesichert, als der Asta die Finanzierung übernahm."