Schreibblockaden In harten Arbeitsphasen die Freizeit planen
Manchmal kann man mit der Hausarbeit einfach nicht anfangen. Ulrike Lange vom Schreibzentrum der Uni Bochum erklärt, was gegen Schreibblockaden hilft.
© dpa/Reimar Ott

Zusammen gehts leichter: Schreiblabor der Uni Bielefeld
ZEIT ONLINE: Was versteht man unter einer Schreibblockade?
Ulrike Lange: Von einer Schreibblockade würde ich sprechen, wenn es mit dem Schreiben über lange Zeit überhaupt nicht klappt und eine Person sehr darunter leidet. Davon abgesehen gibt es auch Zeiten im Schreibprozess, in denen man nicht vorankommt, die aber zum Prozess dazu gehören. Das sind Phasen, in denen man sich etwas Neues zurechtlegen muss oder vor dem nächsten gedanklichen Schub steht. Weit verbreitet ist natürlich auch das klassische Aufschieben.

Ulrike Lange ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Schreibzentrum der Universität Bochum. Sie arbeitet vor allem mit Studenten mit Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache und mit Doktoranden. Lange ist promovierte Slawistin und hat arbeitet seit über zehn Jahren in der Schreibdidaktik.
ZEIT ONLINE: Was ist los, wenn eine Hausarbeit ansteht, aber man sich einfach nicht überwinden kann, anzufangen?
Lange: Ein Hindernis ist häufig die Unklarheit darüber, was überhaupt zu tun ist. Was genau ist das Thema, was wird verlangt? Oft stellen Lehrende Themen, die nicht ausreichend eingegrenzt sind. Und viele Studierende suchen sich selbst in ihrer Begeisterung Themen, die ihnen zu groß sind. Das kann zur Folge haben, dass sie nicht anfangen können. Sie wissen ja nicht wo.
ZEIT ONLINE: Wie kommt man dann weiter?
Lange: Die formalen und inhaltlichen Rahmenbedingungen sind zu klären: Wie viele Seiten muss ich schreiben, welche Quellen sind zu nutzen? Soll ich vor allem vorhandene Literatur zusammenfassen, oder geht es eher darum, eine eigene Interpretation eines Textes zu entwickeln? Am besten schreibt man sich eine Liste mit Fragen und geht noch einmal zum Dozenten.
ZEIT ONLINE: Die Hausarbeit kann einem dann trotzdem noch wie ein unbezwingbarer Berg erscheinen.
Lange: Auch über die einzelnen Arbeitsschritte sollte man sich Klarheit verschaffen. Die erste Fassung braucht noch nicht perfekt zu sein. Wenn das Anfangen schwer fällt, kann es hilfreich sein, erst einmal nur Ideen zu sammeln und zu ordnen. Oder man schreibt eine noch holprige Rohfassung, um diese dann sprachlich zu überarbeiten.
ZEIT ONLINE: Begeisterung für Hausarbeitsthemen ist ja nicht immer gegeben. Oft stehen schlicht Aufgaben an, die gemacht werden müssen. Was hilft, wenn das persönliche Interesse an einem Thema nicht vorhanden ist?
Lange: Das Schönste wäre natürlich, wenn doch Interesse entsteht, indem man sich einfach ganz frei mit dem Thema befasst. Aber es gibt natürlich auch Themen, bei denen das nicht klappt. Da ist es umso wichtiger, die Hausarbeit handwerklich anzugehen. Auch aus einer Arbeit, die einen inhaltlich wenig interessiert, kann man etwas lernen.
ZEIT ONLINE: Was zum Beispiel?
Lange: Man kann sich zum Beispiel vornehmen, eine besonders gute Gliederung zu entwerfen. Gerade dann ist es hilfreich, sich gute Rahmenbedingungen zu verschaffen.
ZEIT ONLINE: Wie können diese aussehen?
Lange: Das kann zum Beispiel eine Schreibwoche sein, wie wir sie an der Ruhr-Universität Bochum veranstalten: Eine Woche lang treffen sich Studierende, um an ihren Arbeiten zu schreiben. Das geht auch, wenn es an der Universität kein entsprechendes Angebot gibt. Wenn man sich feste Zeiten für das Schreiben setzt und das Ganze außerdem nicht alleine angeht, kann das sehr produktiv sein.
- Datum 11.08.2011 - 19:11 Uhr
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Ich wäre wochenlang am liebsten schreiend aus meiner Bibliothek gerannt, wenn ich mich vor meine Bücher setzte. Man sitzt da und kommt sich dumm und unwissend vor. Heute habe ich mich mit einem Freund, der ein anderes Fach studiert, zusammen in eine für uns beide fachfremde Bibliothek gesetzt (Kopien hatte ich ohnehin). Vor Beginn haben wir uns eine Arbeitszeit mit Pausen gesetzt und uns interviewt, was wir heute schaffen wollen. Jeder hat ein bisschen beim anderen gebohrt, "Was ist das wichtigste?", "Was ist das größte Problem?" und konnte dem anderen intuitiv den richtigen Tipp geben, bzw. das reine Ansprechen des Problems half bereits. All das schaffte ich allein nicht. Seine bloße Anwesenheit hat mich eine Aufgabe, bei der ich seit Wochen nicht weiterkam, fast ganz beenden lassen. Und das machen wir ab jetzt einmal pro Woche (damit sich kein Abnutzungseffekt bemerkbar macht).
..., sondern konstruktiv. Allein schon das In-Worte-Fassen des Tageswerkes ist eine Strukturierungsleistung, die nicht zu unterschätzen ist, und sie gibt Sicherheit im Meer der vielen Unbekannten. Davon profitiert auch jeder Dozent im Seminar, der ja mitnichten schon vorher alles genau wusste. Manches kommt erst beim Reden an die "Oberfläche".
Lieber pepericardo, das klingt doch ziemlich gut und aussichtsreich - und eigentlich ganz einfach. Weiterhin viel Erfolg! mf
..., sondern konstruktiv. Allein schon das In-Worte-Fassen des Tageswerkes ist eine Strukturierungsleistung, die nicht zu unterschätzen ist, und sie gibt Sicherheit im Meer der vielen Unbekannten. Davon profitiert auch jeder Dozent im Seminar, der ja mitnichten schon vorher alles genau wusste. Manches kommt erst beim Reden an die "Oberfläche".
Lieber pepericardo, das klingt doch ziemlich gut und aussichtsreich - und eigentlich ganz einfach. Weiterhin viel Erfolg! mf
Ich sitze auch gerade an zwei Hausarbeiten, zur Griechenland-Krise. Ich leide unter keiner Schreibblockade, das Problem ist vielmehr das Sichten und Strukturieren der relevanten Literatur. Was soll ich wie lesen, wie finde ich die entsprechende Literatur und was ist überflüssig? Ich glaube, hier liegt viel eher das Problem, als in dem reinen Schreibprozess.
Eine verzweifelnde Studentin
Recherche gehört zum Schreiben dazu, ist in gewisser Weise ein Teil davon. Vielleicht könnten Sie damit anfangen, eine Gliederung zu entwerfen. Was ist das Thema? Was will ich dazu sagen. Dann Stichpunkte dazwischensetzen und nummerieren. Zu jedem Stichpunkt legen Sie ein weißes Blatt an, mit Nummer und dem Stichpunkt als Titel. DANN fangen Sie gezielt an zu recherchhieren und füllen nach und nach die weißen Blätter mit Notizen. Das geht auch am PC, natürlich. Wenn das Gerüst ausreichend Sprossen hat, und erst dann, fangen Sie an zu "schreiben".
Noch ein Tipp: Bei den Quellen Spreu vom Weizen trennen. man kann nicht alles lesen, deshalb ist der erste Schritt immer, die Anzahl der Quellen auszudünnen.
...frag deinen Prof. Sag ihm, dass du nicht weist, wo du recherchieren sollst. Du hast vielleicht Angst, dass so etwas einen schlechten Eindruck macht, aber es macht sicher einen noch viel schlechteren Eindruck, eine schlechte Hausarbeit abzugeben oder es ganz sein zu lassen.
Die meisten Professoren reagieren freundlich und höflich auf solche Fragen.
Recherche gehört zum Schreiben dazu, ist in gewisser Weise ein Teil davon. Vielleicht könnten Sie damit anfangen, eine Gliederung zu entwerfen. Was ist das Thema? Was will ich dazu sagen. Dann Stichpunkte dazwischensetzen und nummerieren. Zu jedem Stichpunkt legen Sie ein weißes Blatt an, mit Nummer und dem Stichpunkt als Titel. DANN fangen Sie gezielt an zu recherchhieren und füllen nach und nach die weißen Blätter mit Notizen. Das geht auch am PC, natürlich. Wenn das Gerüst ausreichend Sprossen hat, und erst dann, fangen Sie an zu "schreiben".
Noch ein Tipp: Bei den Quellen Spreu vom Weizen trennen. man kann nicht alles lesen, deshalb ist der erste Schritt immer, die Anzahl der Quellen auszudünnen.
...frag deinen Prof. Sag ihm, dass du nicht weist, wo du recherchieren sollst. Du hast vielleicht Angst, dass so etwas einen schlechten Eindruck macht, aber es macht sicher einen noch viel schlechteren Eindruck, eine schlechte Hausarbeit abzugeben oder es ganz sein zu lassen.
Die meisten Professoren reagieren freundlich und höflich auf solche Fragen.
Recherche gehört zum Schreiben dazu, ist in gewisser Weise ein Teil davon. Vielleicht könnten Sie damit anfangen, eine Gliederung zu entwerfen. Was ist das Thema? Was will ich dazu sagen. Dann Stichpunkte dazwischensetzen und nummerieren. Zu jedem Stichpunkt legen Sie ein weißes Blatt an, mit Nummer und dem Stichpunkt als Titel. DANN fangen Sie gezielt an zu recherchhieren und füllen nach und nach die weißen Blätter mit Notizen. Das geht auch am PC, natürlich. Wenn das Gerüst ausreichend Sprossen hat, und erst dann, fangen Sie an zu "schreiben".
Noch ein Tipp: Bei den Quellen Spreu vom Weizen trennen. man kann nicht alles lesen, deshalb ist der erste Schritt immer, die Anzahl der Quellen auszudünnen.
machen zu können, muss man die thematik schon relativ gut kennen. bei völlig neuen themen muss man einfach recherchieren und sich so gut wie möglich einen überblick verschaffen. da gibt es kaum tricks, das ist einfach nur arbeit.
Eine Gliederung, die zu früh entworfen wird, ist schnell ein Frustfaktor, weil bald "neue" Einsichten auftauchen können, die das Konzept gleich wieder wackeln lassen. Man braucht entsprechend Input zunächst. Ich nehme mir z.B. bestimmte Bücher und Aufsätze zum Thema vor, in denen ich mir anstreiche bzw. unterstreiche, was ich als interessant oder wesentlich empfinde. Erst wenn man das Gefühl hat, dass schon eine gewisse Substanz gewonnen ist, kann ein Rahmen und eine mögliche Schrittfolge gefunden werden. Da hab ich die besten Einfälle beim Duschen oder Rasieren, eigentümlicherweise.
Auch eine Einleitung, die zu früh entworfen wird, ist am Ende zumeist unbrauchbar, obgleich so ein Entwurf natürlcih helfen kann, sich über Eingrenzungen klar zu werden. Falls jemand vor hat eine Doktorarbeit zu schreiben: Da wird alles noch viel schlimmer.
Eine Gliederung, die zu früh entworfen wird, ist schnell ein Frustfaktor, weil bald "neue" Einsichten auftauchen können, die das Konzept gleich wieder wackeln lassen. Man braucht entsprechend Input zunächst. Ich nehme mir z.B. bestimmte Bücher und Aufsätze zum Thema vor, in denen ich mir anstreiche bzw. unterstreiche, was ich als interessant oder wesentlich empfinde. Erst wenn man das Gefühl hat, dass schon eine gewisse Substanz gewonnen ist, kann ein Rahmen und eine mögliche Schrittfolge gefunden werden. Da hab ich die besten Einfälle beim Duschen oder Rasieren, eigentümlicherweise.
Auch eine Einleitung, die zu früh entworfen wird, ist am Ende zumeist unbrauchbar, obgleich so ein Entwurf natürlcih helfen kann, sich über Eingrenzungen klar zu werden. Falls jemand vor hat eine Doktorarbeit zu schreiben: Da wird alles noch viel schlimmer.
Eine Gliederung, die zu früh entworfen wird, ist schnell ein Frustfaktor, weil bald "neue" Einsichten auftauchen können, die das Konzept gleich wieder wackeln lassen. Man braucht entsprechend Input zunächst. Ich nehme mir z.B. bestimmte Bücher und Aufsätze zum Thema vor, in denen ich mir anstreiche bzw. unterstreiche, was ich als interessant oder wesentlich empfinde. Erst wenn man das Gefühl hat, dass schon eine gewisse Substanz gewonnen ist, kann ein Rahmen und eine mögliche Schrittfolge gefunden werden. Da hab ich die besten Einfälle beim Duschen oder Rasieren, eigentümlicherweise.
Auch eine Einleitung, die zu früh entworfen wird, ist am Ende zumeist unbrauchbar, obgleich so ein Entwurf natürlcih helfen kann, sich über Eingrenzungen klar zu werden. Falls jemand vor hat eine Doktorarbeit zu schreiben: Da wird alles noch viel schlimmer.
Es kommt ja nicht gerade selten vor, dass der Prof. sich selbst nicht ganz klar darüber ist, was er hören (bzw. lesen) möchte. Mein bescheidener Ratschlag zum Thema daher:
Nach dem Sichten des ersten Materials einen Untergliederungspunkt "Abgrenzung des Themas" einfügen und dort alles sammeln, was NICHT rein soll. Dann hat man auch nicht mehr das Gefühl, dass einen die Quellenflut erschlägt.
..., sondern konstruktiv. Allein schon das In-Worte-Fassen des Tageswerkes ist eine Strukturierungsleistung, die nicht zu unterschätzen ist, und sie gibt Sicherheit im Meer der vielen Unbekannten. Davon profitiert auch jeder Dozent im Seminar, der ja mitnichten schon vorher alles genau wusste. Manches kommt erst beim Reden an die "Oberfläche".
Dieses Problem gehört zu den dringlicheren bei Haus- oder Examensarbeiten. Ein weiteres Problem ist der eigene Anspruch an sich selbst, der (mitunter sehr weibliche) Perfektionismus, verbunden mit Ängsten vor dem Scheitern, beide passen oft gar nicht zu dem zu erreichenden (Etappen-)Ziel. Was die Lektüre angeht: Eisern die Inhaltsübersichten und Register durchforsten, ob dort etwas zum Thema steht. Wenn nicht, sofort das buch weglegen.
Fundamental aber ist die "zuhörende Seele":
1. Diese hört sich die "bewegten Klagen" der Verzweifelnden an.
2. Sie sagt nichts, sondern fertigt Notizen an, stellt "dumme" oder auch mal gezielte Fragen, am Ende einer "Sitzung" ist Vieles deutlich und klar - und die Verzweifelnde nimmt die Notizen der "zuhörenden" bzw. "teilnehmenden Seele" nach Hause.
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