ZEIT ONLINE: Was versteht man unter einer Schreibblockade?

Ulrike Lange: Von einer Schreibblockade würde ich sprechen, wenn es mit dem Schreiben über lange Zeit überhaupt nicht klappt und eine Person sehr darunter leidet. Davon abgesehen gibt es auch Zeiten im Schreibprozess, in denen man nicht vorankommt, die aber zum Prozess dazu gehören. Das sind Phasen, in denen man sich etwas Neues zurechtlegen muss oder vor dem nächsten gedanklichen Schub steht. Weit verbreitet ist natürlich auch das klassische Aufschieben.

ZEIT ONLINE: Was ist los, wenn eine Hausarbeit ansteht, aber man sich einfach nicht überwinden kann, anzufangen?

Lange: Ein Hindernis ist häufig die Unklarheit darüber, was überhaupt zu tun ist. Was genau ist das Thema, was wird verlangt? Oft stellen Lehrende Themen, die nicht ausreichend eingegrenzt sind. Und viele Studierende suchen sich selbst in ihrer Begeisterung Themen, die ihnen zu groß sind. Das kann zur Folge haben, dass sie nicht anfangen können. Sie wissen ja nicht wo.

ZEIT ONLINE: Wie kommt man dann weiter?

Lange: Die formalen und inhaltlichen Rahmenbedingungen sind zu klären: Wie viele Seiten muss ich schreiben, welche Quellen sind zu nutzen? Soll ich vor allem vorhandene Literatur zusammenfassen, oder geht es eher darum, eine eigene Interpretation eines Textes zu entwickeln? Am besten schreibt man sich eine Liste mit Fragen und geht noch einmal zum Dozenten.

ZEIT ONLINE: Die Hausarbeit kann einem dann trotzdem noch wie ein unbezwingbarer Berg erscheinen.  

Wenn das Thema einer Arbeit nicht begeistert, hilft es, sie ganz handwerklich anzugehen
Ulrike Lange

Lange: Auch über die einzelnen Arbeitsschritte sollte man sich Klarheit verschaffen. Die erste Fassung braucht noch nicht perfekt zu sein. Wenn das Anfangen schwer fällt, kann es hilfreich sein, erst einmal nur Ideen zu sammeln und zu ordnen. Oder man schreibt eine noch holprige Rohfassung, um diese dann sprachlich zu überarbeiten.

ZEIT ONLINE: Begeisterung für Hausarbeitsthemen ist ja nicht immer gegeben. Oft stehen schlicht Aufgaben an, die gemacht werden müssen. Was hilft, wenn das persönliche Interesse an einem Thema nicht vorhanden ist?

Lange: Das Schönste wäre natürlich, wenn doch Interesse entsteht, indem man sich einfach ganz frei mit dem Thema befasst. Aber es gibt natürlich auch Themen, bei denen das nicht klappt. Da ist es umso wichtiger, die Hausarbeit handwerklich anzugehen. Auch aus einer Arbeit, die einen inhaltlich wenig interessiert, kann man etwas lernen.

ZEIT ONLINE: Was zum Beispiel?

Lange: Man kann sich zum Beispiel vornehmen, eine besonders gute Gliederung zu entwerfen. Gerade dann ist es hilfreich, sich gute Rahmenbedingungen zu verschaffen.




ZEIT ONLINE: Wie können diese aussehen?

Lange: Das kann zum Beispiel eine Schreibwoche sein, wie wir sie an der Ruhr-Universität Bochum veranstalten: Eine Woche lang treffen sich Studierende, um an ihren Arbeiten zu schreiben. Das geht auch, wenn es an der Universität kein entsprechendes Angebot gibt. Wenn man sich feste Zeiten für das Schreiben setzt und das Ganze außerdem nicht alleine angeht, kann das sehr produktiv sein.