Weltraum-Universität Nach der Klausur auf den Mond
In Graz trafen sich 120 Nachwuchsforscher bei einer Sommeruni zum Thema Raumfahrt. Sie hoffen auf einen Einstieg in die Branche – und lassen sich das einiges kosten.
© privat

Teilnehmer der Weltraumuni bauen Behausungen aus Pappe.
"Mission Control, wir haben einen Notfall, was sollen wir tun?" fragt eine junge Frau über den Monitor. "Sollen wir jemanden sterben lassen oder das wissenschaftliche Experiment doch lieber abbrechen?" Nadja Wolf weist die junge Frau an, das Experiment nicht abzubrechen. Hinter ihr stehen drei Weltraumtouristen und beschweren sich. Sie wollen nach Hause telefonieren. Nadja hat keine Zeit, sich um sie zu kümmern. Jetzt stirbt auch noch ein Teammitglied.
Natürlich kommt hier niemand wirklich zu Tode. Der ganze Rummel ist Teil einer Simulation beim sogenannten Space Studies Programm (SSP), veranstaltet von der International Space University mit Sitz in Strasbourg. Die hat in diesem Jahr wieder eine Sommerschule veranstaltet, diesmal an der TU Graz. Vor wenigen Tagen ging sie zu Ende. 121 Weltraumfans aus 31 Ländern hatten sich in der Stadt in Österreich versammelt: Bachelor- und Masterstudenten, Doktoranden oder Berufseinsteiger wie Nadja Wolf. Die Schule gilt als guter Einstieg in die Branche, deswegen sind sie hier. Viele der Teilnehmer wollen Astronauten werden.
Nadja Wolf ist bodenständiger als die meisten. Zwar fasziniert der Weltraum sie seit ihrer Kindheit, trotzdem will sie lieber auf der Erde bleiben. Sie hat bereits ein Duales Studium der BWL absolviert und arbeitet bei einer Tochterfirma eines Luftfahrtkonzerns, die unter anderem Elemente zur Internationalen Raumstation ISS beisteuert. So sitzt sie als Kommunikationschefin mit einer Mikrofonattrappe aus Papier vor einem Monitor und gibt via Skype Anweisungen. Ihre Gesprächspartner sind in Gedanken auf dem Mond, in Wirklichkeit aber nur auf dem Flur um die Ecke. Dort hocken sie in einem Habitat: Aus Pappdreiecken zusammengesetzte Kuppeln. Die sollen die Wohnbedingungen auf dem Mond simulieren.
Kontakte knüpfen für 17.500 Euro
Kurz nach 12 Uhr erklärt der Übungsleiter die Simulation für beendet. Die Teilnehmer berichten, wie sie mit dem Stress umgegangen sind. Nadja findet, dass gute Kommunikation schon fast alles ist. Nach der Besprechung schlendern die Teilnehmer zur Mensa. Nadja erklärt die Idee der Weltraumuni: Interdisziplinarität sei ein Leitmotiv. Daher sei es nicht ungewöhnlich, dass sie als Diplomkauffrau an der Missionssimulation teilnimmt. Mediziner, die Teleskopdaten auswerten, sind genauso dabei wie Chemiker, die sich mit Weltraumrecht befassen.
Viele Sommeruniversitäten dauern nur zwei, drei Wochen, umfassen ein paar Vorträge, Seminare und Workshops und bestenfalls einige Vorträge berühmter Wissenschaftler. An der Weltraumschule ist alles ein wenig anders. Hier ackern die Teilnehmer neun Wochen lang. Im ersten Drittel werden Vorlesungen abgehalten, 63 waren es in diesem Jahr immerhin. Die Dozenten kommen aus der Forschung, aber auch etwa von der Nasa oder des DLR. Themen sind zum Beispiel Weltraummedizin, Grundlagen der Satellitenkommunikation oder der Einfluss der Raumfahrt auf die Religion. Nach drei Wochen wartet eine vierstündige Klausur. Es folgen Workshops, Einzel- und Gruppenarbeiten. Wer will, kann am Ende 12 ECTS-Punkte erwerben. Billig ist die außergewöhnliche Sommeruni nicht: Die Teilnahme kostet 17.500 Euro.
- Datum 13.09.2011 - 16:55 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ob Sie es glauben oder nicht, aber DLR und NASA sind ganz gewiss Forschungsinstitute!
Dass hier natuerlich wieder ueber eine Betriebswirtin berichtet wird, war ja klar. Sie war aber vermutlich auch die einzige ihres Faches. Warum berichten Sie denn nicht ueber einen Luft- und Raumfahrttechniker oder Physiker (d.h. Ingenieur- und Naturwissenschaftler allgemein), die doch sicherlich die deutliche Mehrheit an der ISU stellen?
Okay, klar, Kontakte knuepfen "und so", kalkulieren, ja, passt ja auch besser zu einer Betriebswirtin. Und ist natuerlich auch einzige Motivation, daran teilzunehmen - nicht etwa, weil man sich dafuer interessiert. :)
... Forschungseinrichtungen, so wie CNES, ESA etc. ... Soweit stimmt der "electrolite"-Kommentar. Aber mitnichten die Aussage, die Mehrheit der ISU Studenten seien Ingenieure. Und die beste Absolventin des Testes der ISU war eine Diplomkauffrau aus einem Raumfahrtunternehmen. Ich arbeite selbst als Ingenieur im Raumfahrtgeschäft und kenne einige ISU Absolventen und einige hundert andere der Community - darunter sind grottenschlechte Ingenieure und fantastische Kaufleute und Juristen. Und umgekehrt. Mir scheint der Kommentar etwas sehr "piekierlich zu sein" - enttäuschte Karriere? - Ich mag alle Berufsgruppen, die mit Engagement sich dem Thema Raumfahrt wittmen, diesem Zeit und Geld opfern. Und nicht ohne Grund, wie im Falle der einiger der besten Testteilnehmerinnen, mit Stipendien der Europäischen Agentur ESA und mit Unterstüzung ihrer Raumfahrt-Arbeitgeber dort den Sommer verbringen, statt zu surfen und zu chillen.
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