HTW BerlinStudieren ohne Männer

Ein Studiengang nur für Frauen? An der Hochschule für Technik und Wirtschaft gibt es das. Frauen studieren hier Informatik – ganz unter sich. von 

Die Studentinnen im Fach "Informatik und Wirtschaft" an der HTW Berlin

Die Studentinnen im Fach "Informatik und Wirtschaft" an der HTW Berlin  |  © Marie-Charlotte Maas

Im Hörsaal 353 im Gebäude C der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin-Oberschöneweide sieht es auf den ersten Blick aus wie in jeder Vorlesung in Deutschland. Vorne steht die Professorin, die Sitzreihen sind gefüllt. Manche schreiben mit, andere haben ihren Laptop aufgeklappt und lassen die Augen über den Bildschirm gleiten, ein paar nippen an ihrem Kaffee.

Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass hier etwas anders ist: Es sind nur Frauen da. Und das hat seinen Grund: Sie studieren "Informatik und Wirtschaft", und das dürfen hier nur Frauen. 2009 wurde der Studiengang gegründet, um Frauen die Angst vor der Männerdomäne Informatik zu nehmen. In Deutschland herrscht großer Mangel an Fachkräften in dieser Branche. Doch vor allem Frauen können sich nicht recht für das Fach begeistern.

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"Große Firmen sind darum sehr interessiert an unseren Absolventinnen", erzählt Sprecherin Juliane Siegeris. Die Professorin vermutet jedoch nicht mangelndes Interesse hinter der geringen Zahl an Studentinnen, sondern mangelndes Selbstbewusstsein: "Ich denke, dass viele Frauen sich unterschätzen. Bei den meisten entsteht das Interesse an der Informatik im Vergleich zu den männlichen Mitschülern erst relativ spät. Dann gehen die Frauen davon aus, dass sie diesen Wissensunterschied nicht mehr aufholen können."

In der Schulzeit fühlten sich viele übergangen

Dabei fange man im Studium ohnehin bei Null an. Vorkenntnisse seien überhaupt nicht nötig. Dennoch haben viele Frauen Angst sich vor ihren männlichen Kommilitonen zu blamieren. Sie trauen sich darum oftmals nicht einmal, Fragen zu stellen. Juliane Siegeris kennt dieses Problem, denn sie selbst hat unter Männern studiert: "Ich habe oft als Einzige nachgehakt, und es hat mich immer große Überwindung gekostet. Im reinen Frauenstudiengang ist das anders."

Studentin Christiane Gießler kommt aus Cottbus und interessierte sich schon in der Schule für Informatik. Damals war sie das einzige Mädchen im Kurs, heute genießt sie den Frauenüberschuss, auch wenn die Männer ihr anfangs schon ein bisschen gefehlt haben: "Man traut sich eher Fragen zu stellen, weil man nicht blöd angeguckt wird." Manche ihrer Kommilitoninnen erzählen, dass sie sich in der Schulzeit in gemischten Klassen häufig übergangen fühlten. Im Frauenstudiengang sei das nicht so.

Auf manche mag der Gedanke an einen Frauenstudiengang abschreckend wirken. "Ein paar Bedenken hatte ich ehrlich gesagt auch, aber nichts davon hat sich bisher bestätigt", sagt Christianes Kommilitonin Ilka Ohms. Die 19-Jährige hat vor ein paar Wochen mit dem Studium begonnen.

Die meisten Leute reagieren überrascht auf die Tatsache, dass Ilka und Christiane nur unter Frauen studieren. "Dann finden sie es aber immer interessant", sagt Christiane. Skeptiker gibt es aber auch zu Genüge. "Sogar meine Familie war anfangs nicht ganz überzeugt", gibt Ilka zu, "sie haben sich gefragt, ob das Studium den gleichen Anspruch wie vergleichbare Studiengänge hat."

Leserkommentare
  1. ... Ihre Einstellung.
    Hauptsache schlecht reden, das Projekt ist begrüßenswert und ihre Polemik schmälert nicht die Erfolgsaussichten dieses Projektes.
    Es wurde schon lange Zeit für rein weibliche Vorlesungen in technischen Bereichen. Die Lern- und Verstehgeschwindigkeit zwischen den Geschlechtern variierte - zumindest während meiner Studiumszeit - immens.Daher halte ich eine solche gezielte Förderung für gut. Außerdem macht eine solche akademische Förderung eine Frauenquote überflüßig, da aus solchen Programmen toughe Frauen hervorgehen, die sich in der technischen Männerdomäne nicht unterkriegen lassen und sicherlich aufgrund ihrer emotionalen und sprachlichen Vorteile schnell hohe Posten besetzen können.

    Daher stößt Ihr Gerede von 'harter Wirklichkeit' aus - ich unterstelle es Ihnen mal - reiner Antipathie weiblicher Studentinnen gegenüber sauer auf. Außerdem unterstellen Sie allen Frauen ihres Geschlechts wegen, nicht gewappnet für die 'harte Wirklichkeit' zu sein - was für ein Frauenbild haben Sie??
    Vielleicht sollten Sie Ihre Einstellung dem weiblichen Geschlecht gegenüber überdenken, denn die ist mit Sicherheit überholt und nahezu mittelalterisch.
    Denken Sie mal darüber nach ...

    Antwort auf "Theorie und Praxis"
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    • Sirjony
    • 09. November 2011 15:44 Uhr

    Haben Sie den Kommentar Nr.1 überhaupt gelesen?
    Ich fand ihn in keinster Weise aggressiv, polemisch oder destruktiv für dieses polarisierende Thema - im Gegensatz zu Ihrem.

    "Vielleicht sollten Sie Ihre Einstellung dem weiblichen Geschlecht gegenüber überdenken, denn die ist mit Sicherheit überholt und nahezu mittelalterisch."

    Ich kann auch keine veraltete Einstellung gegenüber Frauen ausmachen, ich denke Sie interpretieren zuviel in den Kommentar hinnein.

    "Die Lern- und Verstehgeschwindigkeit zwischen den Geschlechtern variierte"
    also auch wieder Mädchenschulen und Jungenschulen einführen?

    "Außerdem macht eine solche akademische Förderung eine Frauenquote überflüßig, da aus solchen Programmen toughe Frauen hervorgehen"
    richtig "toughe" Frauen brauchen sowas gar nicht. Die studieren gleich mit dem "bösen" anderen Geschlecht.

    "Es wurde schon lange Zeit für rein weibliche Vorlesungen in technischen Bereichen." Gilt das auch umgekehrt bei Geisteswissenschaften für Männer? Meine Freundin studiert Psychologie in Bonn und die Männerqoute, na ja, sagen wir mal vorsichtig, ist doch sehr sehr gering. Die Qoute der Frauen in Physik ist da EINDEUTIG höher.

    "Außerdem unterstellen Sie allen Frauen ihres Geschlechts wegen, nicht gewappnet für die 'harte Wirklichkeit' zu sein - was für ein Frauenbild haben Sie??" wenn sie gewappnet wären für die "harte Wirklichkeit", warum dann einen reinen Frauenstudiengang????

    das ist zwar nicht von Ihnen, würde ich aber gerne trotzdem noch kommentieren:
    ""Es ist ruhiger und konzentrierter. Es gibt keine Machtspiele, kein Gepöbel, keine Klassenclowns""
    Ich studiere Physik, aber das ist mir noch nie vorgekommen. Hat die Informatikstudentin da etwa auch "Vorurteile"?

    • xl
    • 09. November 2011 16:01 Uhr

    ...aber haben Sie den Artikel überhaupt gelesen? Die Frage, wie aus einem reinen Frauenstudium "toughe Frauen hervorgehen, die sich in der technischen Männerdomäne nicht unterkriegen lassen" stellt sich nämlich nicht nur der erste Kommentator. Da wird doch der Einstieg ins - männlich dominierte - Berufsleben erst recht zum Sprung ins kalte Wasser.

    Und nur mal vorsichtshalber: ich habe selbst in einem Studiengang mit 60 - 70% Frauenanteil studiert und sicherlich nichts gegen weibliche Kommilitonen. Ich hatte allerdings auch nie das Bedürfnis, wegen des hohen Anteils an Studentinnen einen Studiengang nur für Männer zu besuchen (den - falls es ihn denn gäbe - eine Frau Schwarzer sicherlich schon lange als chauvinistische Unterdrückungsmaßnahme verdammt und eine sofortige Abschaffung oder Öffnung für Frauen verlangt hätte).

    Ich bin in keinsterweise chauvinistisch, frauenfeindlich, oder rückständig was Frauen-emanzipatorische Belange angeht.
    Ich begrüße beruflich qualifizierte Frau in der IT-Abteilung, da manche von Ihnen echt frischen Wind in die gängigen Thematiken bringen können und auch andere Betrachtungswinkel eröffnen.

    Im Gegenteil, ich halte solche (beschützenden) Maßnahmen in heutiger Zeit für völlig rückständig, besonders den Frauen gegenüber, die damals wie heute für echte Gleichheit gekämpft haben. Die heutige Frau besitzt mittlerweile genug gesellschaftliche Rückendeckung und ist in ihrer Geschlechterrolle viel freier, als früher und trotzdem geht die Emanzipation mittlerweile so weit, dass Frauen nicht nur auf gleiche Ebene mit Männern gestellt werden, sondern noch zusätzlich gefordert und begünstigt werden, als ob die arme, schwache Frau sonst nichts auf die Reihe kriegen würde.

    >Außerdem unterstellen Sie allen Frauen ihres Geschlechts wegen, nicht gewappnet für die 'harte Wirklichkeit' zu sein - was für ein Frauenbild haben Sie??

    Das unterstelle ich höchstens den Frauen die an solchen Projekten teilnehmen. Es ist ja schon für (beidgeschlechtliche) Absolventen aus gemischten Studiengängen ein regelrechter Kulturschock, wenn diese aus der Uni in den Betrieb kommen und sich dort ersteinmal ein- und unterordnen müßen...

    >dabei hätten es diese Damen vermutlich nicht einmal nötig, wenn sie mutiger und selbstsicherer wären.

    Allein dieser Nebensatz sollte einiges erklären...

    • JD
    • 09. November 2011 17:23 Uhr

    das es verhärtete Fronten gibt bei solchen Einstellungen. MEINE FRESSE!

    ...aber ist es nicht extrem diskriminierend, einen Studiengang zu schaffen, der nur für EIN Geschlecht offen ist? Werden männliche Bewerber dann abgewiesen, wenn der "normale" Studiengang schon voll ist und sie trotzdem dieses Fach studieren wollen?

    Dieser Chauvinismus-Reflex bei Kritik zeigt es ja eigentlich auch, dass Ihnen die Unrechtmäßigkeit dieser Einrichtung bewusst ist, Sie aber den Vorteil gerne mitnehmen wollen und daher unsachlich argumentieren.

    Das nenne ich Diskriminierung von Männern. Um Leute wie Sie sollte man als Mann einen großen Bogen machen.

    • Tom S.
    • 09. November 2011 22:06 Uhr

    Tut mir Leid, aber was in Deutschland abläuft ist schlicht weg Männerdiskriminierung. Das hat bereits in der Schulzeit mit Mädchenförderung angefangen und hört bei der Frauenquote noch nicht auf. Als Mann muss man sich in diesem Land langsam aber sicher als Mensch zweiter Klasse fühlen.

    Ich arbeite selbst in der IT-Branche und keiner meiner Kollegen würde einer Frau auf Grund Ihres Geschlechts weniger zutrauen. Meiner Einschätzung nach würden viele durchaus mehr Kolleginnen begrüßen.

    Es widerstrebt mir jedoch zu tiefst mit einer Frau zusammenzuarbeiten die einen Frauenstudiengang absolviert hat - egal wie kompetent sie ist. Schlicht weil dies gegen meinen Gerechtigkeitssinn geht. Frauenstudiengänge mit kleineren Gruppengrößen und damit intensiverer Betreuung sind eben keine Chancengleichheit. Im Grundstudium waren bei mir 200 und mehr Zuhörer normal.

    Denjenigen die Angst haben zu wenig technische Vorkenntnisse für ein Informatikstudium zu haben kann man genauso gut ein Vorbereitungssemester anbieten - Frauen wie Männern.

    Von einem Studenten muss man erwarten können, sich Wissen auch mal selbständig und in Eigeninitiative anzueignen. Gerade das wird später im Beruf benötigt, wenn auswendig lernen und Schema-F anwenden zur Problemlösung nicht mehr ausreichen (wie es an der Uni oft der Fall ist).

    Wer sich zur Schulzeit mangels Interesse nicht mit dem Thema Computer & Technik auseinandergesetzt hat, für den ist ein Informatikstudium nicht unbedingt die beste Berufswahl.

    "Außerdem macht eine solche akademische Förderung eine Frauenquote überflüßig, da aus solchen Programmen toughe Frauen hervorgehen, die sich in der technischen Männerdomäne nicht unterkriegen lassen und sicherlich aufgrund ihrer emotionalen und sprachlichen Vorteile schnell hohe Posten besetzen können."

    Was für ein feministischer Schwachsinn!
    Gleichgeschlechtliche Studiengänge sind genauso blödsinnig wie Mädchenschulen oder sonstige "Mädchenbemutterer".
    Vielleicht sollten Eltern lieber ihren Kindern anstatt "systemkonformität" und andere preußische Tugenden lieber Werte wie "zu sich selbst stehen", "Durchsetzungsfähigkeit" und andere Dinge vermitteln? Dann könnten die Frauen auch für sich selbst sprechen und bräuchten keine Bemutterung mehr durch den Staat!

    • Mike M.
    • 19. November 2011 17:56 Uhr

    Was ist das für ein Frauenbild, das Sonderschulen für das weibliche Geschlecht fordert? So ein Studiengang gehört ins 19 Jhrdt. oder in den Mittleren Osten, aber nicht nach Europa im 21. Jhrdt. Wer solche Förderer hat, braucht keine Feinde mehr.

    • kinnas
    • 09. November 2011 15:38 Uhr

    Ich denke, wie auch die Professorin andeutet: Es geht darum, die ersten Hürden schnell zu überwinden, an sich selbst zu glauben. Und das geht nunmal einfacher, wenn niemand neben einem steht und ständig Witze über einen reißt oder Kommentare abgibt. Wenn man dann selbst gefestigter ist (mit dem angeeigneten Wissen), kann man dann in der Zukunft (Masterstudiengang) einfacher damit umgehen.

    So zumindest die Theorie. Wie es sich in der Praxis auswirkt, wird man sehen. Und da finde ich folgendes Zitat: ""Ein paar Bedenken hatte ich ehrlich gesagt auch, aber nichts davon hat sich bisher bestätigt", sagt Christianes Kommilitonin Ilka Ohms. Die 19-Jährige hat vor ein paar Wochen mit dem Studium begonnen."

    Da hätte man besser jemanden zu Rate gezogen, der schon länger dabei ist, dann wäre die Aussage glaubhafter gewesen, oder gibts so jemanden nicht?

  2. DAS ist aber nicht gerade der ideale Start in die Ausbildung (egal für wen).
    Was es bringt wird man erst noch sehen, insofern frag ich mich schon, wie Nr. 2 auf ein so glühendes PRO kommt.
    Dass diese "geschützte Werkstatt" mit dem normalen Alltag wenig gleich hat, das dürfte unstrittig sein. Ob sie deshalb eine gute Vorbereitung auf diesen ist, das darf man dann auch bezweifeln, ohne dafür Schlagworte a la Chauvi und Propagandareden zurückzubekommen.

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    <em>[Bei Null anzufangen] ist aber nicht gerade der ideale Start in die Ausbildung (egal für wen).</em>

    Wenn man Informatik (an einer Universität) nicht mit Null anfängt, dann ist man nur enttäuscht, weil es nicht das ist, was man sich vorgestellt hat. Keiner der Freaks und Nerds hat in der Regel sonderlich Lust sich mehrere Semester lang mit Analysis, linearer Algebra, diskreter Mathematik, Stochastik und theoretischer Informatik herumzuschlagen. Viele brechen deswegen nach spätestens zwei bis drei Semestern ab. Ich habe festgestellt, dass an der Universität unter den »Fachfremden« die Abbrecherquote noch am geringsten ist. Wer zum Beispiel beim Abitur Mathematik als Leistungskurs hatte, aber ansonsten noch nie etwas ernsthaft mit dem Computer gemacht hat, was über Browserbedienen und Textschreiben hinausging, hat die allerbesten Chancen.

  3. Aus meiner Erfahrung war das überhaupt kein Problem, in einem von Männern dominierten Studiengang zu studieren. Bitte keine weitere Geschlechtertrennung, auch nicht wegen der Migranten !

    • Sirjony
    • 09. November 2011 15:44 Uhr

    Haben Sie den Kommentar Nr.1 überhaupt gelesen?
    Ich fand ihn in keinster Weise aggressiv, polemisch oder destruktiv für dieses polarisierende Thema - im Gegensatz zu Ihrem.

    "Vielleicht sollten Sie Ihre Einstellung dem weiblichen Geschlecht gegenüber überdenken, denn die ist mit Sicherheit überholt und nahezu mittelalterisch."

    Ich kann auch keine veraltete Einstellung gegenüber Frauen ausmachen, ich denke Sie interpretieren zuviel in den Kommentar hinnein.

    Antwort auf "Chauvinistisch ..."
  4. Entfernt. Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk

    • TDU
    • 09. November 2011 15:51 Uhr

    Und was, wenn sich die Männerwelt verändert hat? Bekommen die das auch mit oder werden Vorurteile gelehrt?. Ich denke, das sind Karrieretipps. Da müssen Männer leider drauf verzichten. Genau wie es im richtigen Leben Förderkurse oder Beratungsstellen für Männer in der Regel nicht gibt.

    In Frauendominierten Kursen beim Arbeitsamt wurde schnell über Befindlichkeiten und Nebensächlcihkeeten geschwätzt. Aber das musste Mann natürlich respektieren.

    Ich denke, knallharte Auslese und dann von mir aus auch getrennte Lehrveranstaltungen wären das Beste.

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