SicherheitStudenten unter Videobeobachtung

Überwachungskameras auf dem Campus sind in Deutschland keine Seltenheit mehr. Doch rechtlich ist das bedenklich. Studentenvertreter fordern mehr Transparenz. von 

" Big Brother is watching you " hieß es im März dieses Jahres an der Universität Zürich . Damals wurde etwas entdeckt, was eigentlich verborgen bleiben sollte: Eine kleine Kamera auf einer der Herrentoiletten der Hochschule. Ein Jahr lang überwachte sie dort die Besucher. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der Uni hatte sie installiert. Er habe einen Vandalen dingfest machen wollen, sagte er im Nachhinein.

Der Skandal an der Schweizer Uni ist kein Einzelfall. Immer wieder kommt es auch in Deutschland zu unerlaubten Videoüberwachungen, wie 2003 an der Humboldt Universität in Berlin . Dort wurden in verschiedenen Hörsälen Kameras entdeckt, die noch aus der DDR stammten. Nach empörten Aufschreien versinkt das Thema jedoch häufig wieder in der Bedeutungslosigkeit. Videoüberwachung, auch die ganz offensichtliche, ist an deutschen Hochschulen längst Alltag. Nur wenige Studenten scheinen sich an einem Uni-Leben unter ständiger Beobachtung zu stören.

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"Viele Studenten bekommen es auch einfach nicht mit", vermutet Andreas Lehrfeld, Vorsitzender der liberalen Hochschulgruppe an der Uni Trier . Um die Unwissenheit der Studenten zu beseitigen, hat die Gruppe vergangenes Jahr mit einer Protestaktion auf die Kameras an der Hochschule aufmerksam gemacht. "Neun von zehn Leuten reagieren verwundert, wenn man ihnen die Kameras zeigt." Dass sie unter Beobachtung stehen, ist den meisten nicht bewusst. Lehrfeld dagegen ist empört: "Was uns stört, ist die Tatsache, dass die Kameras an Stellen angebracht sind, die gar nicht überwacht werden müssen." So zeigen die Kameras auf die Tische eines kleinen Cafés im Gebäude der Jura und BWL-Fakultät. Was die Kameras dort sollen, wüsste Lehrfeld gerne. "Eine Überwachung des Kassenbereichs würde für uns mehr Sinn machen." Auch in den Aufzügen des Gebäudes gibt es Kameras. Dass sie dort hängen, kann die Hochschulgruppe rund um Lehrfeld ebenfalls nicht verstehen. Darum machen sie die Videoüberwachung an ihrer Uni in den kommenden Wochen zum Wahlkampfthema bei den Hochschulwahlen.

Die Videoüberwachung ist rechtlich bedenklich

Peter Kuntz, Sprecher der Uni Trier, sagt, dass die Kameras nicht der Bespitzelung der Studierenden dienen sollen, sondern in deren Interesse angebracht worden seien: "Sie sollen die Sicherheit erhöhen und Diebstähle verhindern. Die Kameras haben eine abschreckende Wirkung." Die Überwachung sei mit dem Landesbeauftragten für Datenschutz abgestimmt. Die Aufzeichnungen würden entsprechend den Bestimmungen nach einer bestimmten Zeit gelöscht.

Videoüberwachung an deutschen Hochschulen ist zwar gang und gäbe, rechtlich jedoch bedenklich, denn sie ist ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht der Beobachteten. Erlaubt ist in der Regel die Überwachung öffentlich zugänglicher Räume. An den Hochschulen sind das vor allem der Campus, Hörsäle, Seminar- und Kursräume, auch wenn sie als PC-Pools benutzt werden, Lesesäle oder Kopierräume in Bibliotheken – aber nur, wenn die Betroffenen auch darüber informiert sind. Interessanterweise heißt es in der "Orientierungshilfe für die Videoüberwachung in und an staatlichen Hochschulen" des Datenschutzbeauftragten von Rheinland-Pfalz, dass Mensen und Cafeterien, die zur Kommunikation mit anderen Personen besucht werden, "prinzipiell von Videoüberwachung verschont bleiben sollten." Gerade dort sind jedoch häufig Kameras angebracht.

Leserkommentare
    • 15thMD
    • 16. November 2011 13:25 Uhr

    Wenn 9 von 10 der befragten Studenten die Kameras nicht kannten, sind sie auch für die Abschreckung ungeeignet. 1 von 2 Argumenten nichtig.
    Ob Vandalismus wirklich aufzuklären ist, oder Diebstähle verhindert werden können, ist auch fraglich.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • nouraa
    • 16. November 2011 14:10 Uhr

    Die Frage hatte ich mir auch gestellt - was bringen Abschreckungs-Kameras, wenn sie nicht sichtbar sind? ^^

    Mich persönlich würde die Überwachung des Campus nicht direkt stören, weil man da ja ohnehin blos drübermarschiert auf dem Weg zur Uni - nur frage ich mich nach dem Sinn... tagsüber wird keiner in die Uni einbrechen und wenn 300 Leute auf dem Campus der Uni Hamburg rumstehen/liegen/sitzen (zB im Sommer)... das interessiert doch keinen. Und Gewalttaten, die nachträglicher Aufklärung bedürfen habe ich nach mehreren Jahren an der Uni noch nie gesehen.

    Dagegen finde ich die Überwachung auf Toiletten und in Bibliotheken definitv als unangebrecht. Bei ersterem aus offensichtlichen Gründen (auch, wenn die Kabinen gar nicht betroffen sind) und bei zweiterem - in der Bibliothek darf man keine Tasche mitnehmen, ergo hat man meistens gar nichts dabei, was geklaut werden könnte und wenn ich mich stundenlang aufs Lernen konzentrieren möchte oder in Seminaren sitze, will ich keine Kamera auf mich gerichtet wissen! Der Raum zum lernen - zum eigentlichen STUDIEREN - sollte kamerafrei bleiben.

    Außerdem sollten die Daten nach 24 Stunden oder einem vergleichbar kurzen Zeitraum gelöscht werden. (In Hamburg werden Bus- und Bahnvideos meines Wissens nach 24 Stunden gelöscht. Das reicht im Falle eines Vorfalls, um die Löschung zu verhindern.)

    • nouraa
    • 16. November 2011 14:10 Uhr

    Die Frage hatte ich mir auch gestellt - was bringen Abschreckungs-Kameras, wenn sie nicht sichtbar sind? ^^

    Mich persönlich würde die Überwachung des Campus nicht direkt stören, weil man da ja ohnehin blos drübermarschiert auf dem Weg zur Uni - nur frage ich mich nach dem Sinn... tagsüber wird keiner in die Uni einbrechen und wenn 300 Leute auf dem Campus der Uni Hamburg rumstehen/liegen/sitzen (zB im Sommer)... das interessiert doch keinen. Und Gewalttaten, die nachträglicher Aufklärung bedürfen habe ich nach mehreren Jahren an der Uni noch nie gesehen.

    Dagegen finde ich die Überwachung auf Toiletten und in Bibliotheken definitv als unangebrecht. Bei ersterem aus offensichtlichen Gründen (auch, wenn die Kabinen gar nicht betroffen sind) und bei zweiterem - in der Bibliothek darf man keine Tasche mitnehmen, ergo hat man meistens gar nichts dabei, was geklaut werden könnte und wenn ich mich stundenlang aufs Lernen konzentrieren möchte oder in Seminaren sitze, will ich keine Kamera auf mich gerichtet wissen! Der Raum zum lernen - zum eigentlichen STUDIEREN - sollte kamerafrei bleiben.

    Außerdem sollten die Daten nach 24 Stunden oder einem vergleichbar kurzen Zeitraum gelöscht werden. (In Hamburg werden Bus- und Bahnvideos meines Wissens nach 24 Stunden gelöscht. Das reicht im Falle eines Vorfalls, um die Löschung zu verhindern.)

    Antwort auf "Abschreckung"
  1. Das ist echt ekelhaft, Kameras bringen erwiesenermaßen gar nichts (siehe England, die Kriminalität verschiebt sich nur). Wenn man sich mehrere Stunden an der Uni aufhält und permanent gefilmt wird ist das einfach nur unangenehm und solle sofort eingestellt werden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte DDR | Datenschutz | Diebstahl | Jura | Mensa | Student
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