Ist das Abitur geschafft, steht für viele Schulabgänger fest, dass sie studieren wollen. Aber welches Fach den eigenen Fähigkeiten und Interessen entgegenkommt, das ist oft schwierig zu entscheiden. Schließlich lässt sich nicht vorhersehen, worum es in BWL genau geht, was man in Friesischer Philologie oder Onomastik eigentlich lernt, oder ob einem Germanistik sicher liegt, wenn man in der Schule gut in Deutsch war.

Weil viele Studienanfänger mit falschen Erwartungen an die Uni kommen, sind die Abbrecherquoten hoch: 24 Prozent verlassen die Uni ohne Abschluss. Um dem entgegen zu wirken, haben sechs Studenten der Uni Konstanz das Projekt Quaestia gegründet, das Schülern das Studieren auf Probe ermöglicht . In den Schulferien wird ein Schüler eine Woche lang zum Schatten eines Studenten - rund um die Uhr. Die Tandempartner gehen nicht nur zusammen in die Vorlesung und ins Seminar, sondern essen auch gemeinsam in der Mensa zu Mittag, wohnen zusammen in der WG und gehen abends feiern.

"Die Idee basiert auf eigenen Erfahrungen und denen von Schulkameraden", sagt Svanja Kleemann, eine der Gründerinnen von Quaestia. "Wir haben uns natürlich gefragt, welche Studiengänge es überhaupt gibt und was zu uns passen könnte." 2009 trat deshalb ein kleines Team mit dem Projekt beim Ideenwettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) an – damals noch mit dem Namen " rent a student ". "Aber es gab merkwürdige Verwechslungen, zum Beispiel mit einem Eskort-Service", sagt Kleemann. Deswegen benannten sie sich in Quaestia um. "Vom lateinischen Wort quaestio für Suchen."

Suchen kann man auf der vorläufigen Projektwebsite allerdings noch nicht. "Bislang können sich nur Studenten auf der Website registrieren, aktuell haben wir erst 30 bis 40 Studenten in unserer Datenbank. Wenn wir 2012 dann mit der fertigen Website starten, wollen wir den Schülern auch eine gute Auswahl bieten können", sagt Kleemann, die selbst Politik und Verwaltung studiert. Deswegen sucht das Team noch nach Studenten, die mitmachen wollen. Jeder ist willkommen, von jeder Uni oder Fachhochschule und aus jeder Fachrichtung.

30 Euro und ein Zertifikat für die Studenten

Für die soll sich das auch ein bisschen lohnen: Zum einen erhalten sie ein Zertifikat über soziales Engagement vom BMBF, unter dessen Schirmherrschaft das Projekt steht. Zum anderen gibt es einen kleinen finanziellen Anreiz von 30 Euro – damit soll der Schüler am Ende der Woche den Studenten entlohnen. Darüber hinaus fallen keine Vermittlungskosten an. Die Schüler müssen lediglich für den eigenen Lebensunterhalt in der Woche aufkommen, in der sie nicht bei ihren Eltern wohnen.

"30 Euro ist jetzt kein riesiger Betrag, aber wir hoffen, dass trotzdem viele mitmachen", sagt Kleemann. "Couch-Surfing ist schließlich in der Regel auch umsonst, funktioniert aber trotzdem." Viele der bisher registrierten Studenten würden sich beteiligen, weil sie selbst mal in so einer Situation waren und es gut finden, den Jüngeren weiterhelfen zu können.

Wenn Anfang 2012 die fertige Projektseite mit einer hoffentlich umfassenden Datenbank online geht, können sich Schüler selbst ein Profil anlegen. Dann werden – je nach angegebenen Interessen – über eine automatisierte Suche passende Vorschläge angezeigt. Zusätzlich gibt es eine manuelle Suchfunktion, bei der Schüler Studiengang, Hochschule oder Universitätsstadt angeben können und ihnen dann Tandempartner angezeigt werden. Ausprobieren kann jeder so viele Studiengänge wie er möchte – bis der passende Studiengang gefunden ist.